Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachfrage nach Studium ohne Abitur so hoch wie noch nie in Deutschland

11.07.2012
Die Nachfrage nach dem Studium ohne Abitur ist in Deutschland so hoch wie nie zuvor: Laut den jüngsten Zahlen ist die Nachfrage sprunghaft gestiegen und umfasst jetzt einen Anteil von 2,1 Prozent der Studienanfänger(innen).
Damit hat sich die Quote der Studienanfänger(innen) ohne Abitur gegenüber 2007 nahezu verdoppelt, so das Ergebnis einer neuen Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Hauptgründe für diesen Aufwärtstrend sind vor allem erleichterte Zugangsbedingungen und die vermehrte Einrichtung von spezifischen Studienangeboten für diese Zielgruppe.

Der Boom beim Studium ohne Abitur wirkt sich in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich aus. So besitzen in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zwischen 2,2 Prozent und 4,2 Prozent aller Studienanfänger(innen) kein Abitur. Mit diesen Quoten nehmen diese Bundesländer im deutschlandweiten Vergleich die drei Spitzenplätze ein. Thüringen, Sachsen und das Saarland bilden mit Anteilen zwischen 0,9 Prozent und 0,4 Prozent hingegen die Schlusslichter.

In den zurückliegenden drei Jahren haben 14 von 16 Bundesländern ihre Zugangsbedingungen zum Studium ohne Abitur deutlich verbessert. So sind Personen mit Meistertitel und ähnlichen hochqualifizierten Berufsbildungsabschlüssen nunmehr Personen mit allgemeiner Hochschulreife gleichgestellt. Das bedeutet, sie können sich für jeden Studiengang an jeder Hochschule ihrer Wahl bewerben. Auch Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mehrjähriger Berufspraxis haben es nun leichter, den Weg in die Hochschule zu finden. In 16 Bundesländern erhalten sie einen fachlich beschränkten Hochschulzugang, d.h. sie können sich um Plätze in Studienfächern bewerben, die eine fachliche Nähe zu ihrer beruflichen Tätigkeit haben. Eine Hürde bleibt jedoch bestehen: In allen Bundesländern gibt es trotz der übergreifenden Verbesserungen weiterhin sehr viele unterschiedliche Detail- und Ausnahmeregelungen. Studierwillige ohne Abitur müssen sich entsprechend intensiv durch den Dschungel der Verordnungen wühlen, um über die Sonderkonditionen in den Bundesländern im Bilde zu sein.

Die aktuellen Spitzenreiter bei den Studienanfänger(inne)n ohne Abitur sind nach Berechnungen des CHE die Länder Nordrhein-Westfalen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern:

• Nachdem sich Nordrhein-Westfalen bis 2009 eher zögerlich für das Studium ohne Abitur öffnete, hat sich diese Situation nun grundlegend gewandelt. Nunmehr ist die Quote der Studienanfänger(innen) ohne Abitur immens nach oben geschnellt und zwar von 1 Prozent im Jahr 2007 auf 4,2 Prozent im Jahr 2010. Dieser Wert übersteigt den Bundesdurchschnitt um das Doppelte und liegt damit im Bundesländervergleich ganz vorne.

• Berlin weist seit Jahren einen ansteigenden Trend beim Studieren ohne Abitur auf. Nach den jüngsten Zahlen kann der Stadtstaat hier sogar noch weiter zulegen und weist mit 3,7 Prozent die zweithöchste Quote an Studienanfänger(inne)n ohne Abitur auf.

• In den ostdeutschen Bundesländern sind die Anfängerquoten beim Studium ohne Abitur mit einem Durchschnittswert von 1,1 Prozent nur halb so hoch wie der Durchschnittswert der westdeutschen Bundesländer. Die große Ausnahme bildet Mecklenburg-Vorpommern. Mit einer Quote von 2,2 Prozent Studienanfänger(inne)n ohne Abitur liegt der Anteil doppelt so hoch wie der ostdeutsche Durchschnitt. Zudem zeigen sich gegenüber 2007 auch hohe Zuwachsraten. Damit gehört Mecklenburg-Vorpommern zu den drei erfolgreichsten Bundesländern beim Studieren ohne Abitur.

Über den Bundesländervergleich hinaus hat das CHE auch die Entwicklung der einzelnen Hochschulen näher unter die Lupe genommen. Es wurden pro Bundesland die drei Hochschulen identifiziert, die beim Studium ohne Abitur am stärksten nachgefragt sind. Im Ergebnis konnten 33 Fachhochschulen, 16 Universitäten und 2 künstlerische Hochschulen identifiziert werden, die auf diesem Sektor besonders hohe Zahlen aufweisen. Dabei sticht die FernUniversität Hagen besonders heraus. Sie ist mit 2.502 Studienanfänger(inne)n ohne Abitur im Jahr 2010 deutschlandweit die mit Abstand beliebteste Hochschule bei dieser Zielgruppe. Zum Vergleich: Die Hochschule, die nach der FernUniversität Hagen im Bundesgebiet im Jahr 2010 die zweitmeisten Studienanfänger(innen) ohne Abitur aufgenommen hat, ist mit 433 beruflich qualifizierten Erstsemester(inne)n die Steinbeis-Hochschule in Berlin.

Erfolgsfaktoren auf Seiten der besonders nachgefragten Hochschulen sind vor allem:
• Flexible Studienzeitmodelle
• Umfangreiches Fernstudienangebot
• Umfangreiche, leicht zugängliche Informationen zum Studium ohne Abitur
• Berufsbegleitende und/oder praxisnahe Studiengänge
• Brückenkurse zum Ausgleichen fehlenden Vorwissens
• Möglichkeit der Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf das Studium
• Möglichkeit, zumindest Teile des Studiums per E-Learning zu absolvieren

Trotz des neuen Hochs bei der Nachfrage nach einem Studium ohne Abitur sieht Dr. Sigrun Nickel, Projektleiterin beim CHE, noch Verbesserungspotential: „Es zeigt sich, dass immer mehr Universitäten und Fachhochschulen die Durchlässigkeit zwischen Beruf und Studium als eine Profilierungsmöglichkeit entdeckt haben. Diese Initiativen sollten die Bundesländer im Rahmen ihrer Budgetverteilung stärker finanziell fördern. Für Studieninteressierte ohne Abitur fehlen nach wie vor ausreichend Stipendien. Hier ist auch die Wirtschaft gefordert, sich intensiver zu engagieren“.
Die Studie des CHE ist als kostenlose Online-Publikation unter dem Titel „Studieren ohne Abitur: Monitoring der Entwicklungen in Bund, Ländern und Hochschulen“ erschienen. Die Veröffentlichung wurde gefördert vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

http://www.che.de/downloads/CHE_AP157_Studieren_ohne_Abitur_2012.pdf

Kontakt: Dr. Sigrun Nickel
05241 9761 23
sigrun.nickel@che.de

Britta Hoffmann-Kobert | idw
Weitere Informationen:
http://www.che.de
http://www.che.de/downloads/CHE_AP157_Studieren_ohne_Abitur_2012.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Digitales Know-how für den Mittelstand: Uni Bayreuth entwickelt neuartiges Weiterbildungsprogramm
28.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie