Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bologna-Prozess ist nicht gescheitert. Die Probleme liegen in seiner Umsetzung

15.10.2012
Eines der Hauptziele der Bologna-Erklärung vom 19. Juni 1999 war, die Mobilität von Studierenden zu fördern. Dazu bekannten sich erneut die Bildungsministerinnen und -minister der beteiligten Staaten in der Bologna-Folgekonferenz am 26. und 27. April 2012 und verabschiedeten deshalb die Mobilitätsstrategie 2020.

Bei der Frage, ob dieses Ziel erreicht worden ist oder nicht, scheiden sich die Geister! Für einige ist Bologna eine Erfolgsgeschichte und für andere eher eine Mobilitätsbremse.

Studien, wie der neu erschienene Datenreport „Wissenschaft Weltoffen 2012“ von DAAD und HIS, belegen, dass die Zahl der deutschen Studierenden im Ausland seit 2000 kontinuierlich gestiegen ist und die Attraktivität der deutschen Hochschulen für ausländische Studierende ebenfalls zugenommen hat . Kritiker sind dagegen der Meinung, dass Bologna an diesem Ziel gescheitert ist. Gründe sehen sie hauptsächlich in den straffen Lehrplänen in Bachelor- -Studiengängen und in den unklaren Regelungen zur Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen.

Der Sonderbericht "Studierende im Bachelor-Studium 2009" , erstellt im Auftrag des Deutschen Studentenwerks und mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) von HIS Hochschul-Informations-System GmbH, Hannover, belegt, dass Bachelor-Studierende für Studium und Nebenjob wöchentlich gerade eine Stunde mehr investieren als Diplom- oder Magister-Studierende. Weiterhin wird die Studierbarkeit in den neuen Studiengängen im Rahmen ihrer Akkreditierung überprüft.

Es wird u.a. ermittelt, ob die Eingangsqualifikationen angemessen sind (Berücksichtigung individueller Kompetenzen, Ausgleichmöglichkeiten bei individuellen Defiziten, Anerkennung von außerhochschulisch erworbenen Leistungen usw.), ob die Studienplangestaltung geeignet ist (Verhältnis von Lehrveranstaltungen und Selbststudium, Anzahl der Module, ihre Größe und Dauer, curricularer Einbau von Praxisanteilen, Mobilitätsfenster usw.), ob die Prüfungsdichte und -organisation adäquat und belastungsangemessen ist (Anzahl und Arten der Prüfungen, terminliche Einordnung der Prüfungen und Leistungsnachweisen usw.) und ob eine entsprechende Betreuung der Studierenden angeboten wird. Ein akkreditierter Studiengang hat also die Bescheinigung der Studierbarkeit erhalten.

Ein weiterer Dreh- und Angelpunkt bei der Förderung der internationalen Mobilität der Studierenden ist die Anerkennung von im Ausland erworbenen Studienleistungen. Mit der Ratifizierung der Lissabon-Konvention im Jahr 2007 wurde dafür eine allgemeine rechtliche Grundlage geschaffen. Die Hochschulen müssen im Ausland absolvierte Studienzeiten und erworbene Hochschulqualifikationen anerkennen, es sei denn, dass sie wesentliche Unter-schiede feststellen; diese müssen sie ggf. begründen und nachweisen (Beweislastumkehr), was in den meisten Fällen wohl auch funktioniert.

Um die Anerkennung der an anderen Hochschulen erworbenen Studienleistungen zu er-leichtern, wurde das European Credit Transfer System (ECTS) 1989 im Rahmen des Mobi-litätsprogramms Erasmus eingerichtet und im Rahmen des Bologna-Prozesses als ein System zur Erleichterung von Planung, Vermittlung/Bereitstellung, Evaluation, Anerken-nung/Anrechnung und Validierung von Qualifikationen bzw. Lerneinheiten und damit auch der Mobilität der Studierenden weiterentwickelt . ECTS beinhaltet nicht nur Leistungspunkte als quantitatives Maß für den studentischen Workload, sondern auch andere zentrale In-strumente wie Diploma Supplement, Transcript of records oder Learning Agreement, die einer höheren Transparenz dienen. Auch dieses System haben die Hochschulen in Verbindung mit der Modularisierung der Studiengänge sehr weitgehend umgesetzt.
Die von den Bologna-Kritikern angesprochenen Probleme sind nicht neu! Bologna hat lediglich bereits vorhandene Probleme sichtbar gemacht. Akkreditierungsverfahren zeigen deutlich, dass diese nicht am System selbst liegen, sondern an seiner in Teilen defizitären Umsetzung. Daran kann und sollte also weiter gearbeitet werden.

Autor:
RA Hans-Jürgen Brackmann, Geschäftsführer der internationalen Akkreditierungsagentur Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA)

Janine Grobe-Rath | idw
Weitere Informationen:
http://www.fibaa.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Clevere Folien voller Quantenpunkte

27.03.2017 | Materialwissenschaften

In einem Quantenrennen ist jeder Gewinner und Verlierer zugleich

27.03.2017 | Physik Astronomie

Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen

27.03.2017 | Biowissenschaften Chemie