Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

30 Jahre Informatik an deutschen Hochschulen

14.05.2002


Symposium "Softwaretechnik Aus- und Weiterbildung" an der Technischen Universität Darmstadt am 30. April

... mehr zu:
»Softwaretechnik

"Die größte Gefahr droht der Softwaretechnik aus der Informatik." Mit dieser provokanten These von Prof. Jochen Ludewig, Universität Stuttgart, hatten sich die rund vierzig Teilnehmer des Symposiums "Softwaretechnik Aus- und Weiterbildung" am 30. April in Darmstadt auseinanderzusetzen, mit dem die Technische Universität Darmstadt ihre Veranstaltungen zur Feier des 30jährigen Bestehens des Fachbereichs Informatik abschloss. Die Vorträge des Symposiums sind über die Website www.30jahreinformatik.de , Menüpunkt "Links", zu erreichen.

Das Symposium, organisiert von Dr. Thomas Kühne und Prof. Mira Mezini, TU Darmstadt, versammelte mit Harry Sneed (Case Consult), Jochen Ludewig (Universität Stuttgart), Irmhild Rogalla (Fraunhofer ISST), Beate Kriegler (TU Darmstadt), Heiner Ensel (CSC Ploenzke Akademie) und Ulrik Schroeder (PH Ludwigsburg) Referenten, die aus unterschiedlichen Blickrichtungen zur Diskussion beitragen konnten.


Kühnes Fazit der Veranstaltung: "Der Aus- und Weiterbildungsbereich Softwaretechnik befindet sich im Umbruch. Im reinen Ausbildungsbereich gibt es Tendenzen, die ingenierswissenschaftliche (konstruktive) Softwaretechnik von der sonst oft strukturwissenschaftlichen (analytischen) geprägten Informatik abzuspalten, wie dies Ludewig vertritt. Die zu erwartenden Vorteile werden nicht zuletzt durch die Erfolge einer praxisnahen Softwaretechnikausbildung anhand authentischer Aufgabenstellungen z.B. von Schroeder angedeutet."

In der Weiterbildung dagegen liegt es nun sowohl an den Kultusbehörden der Länder (der Beitrag von Rogalla), Wirtschaftsunternehmen (s. Ensel) und Hochschulen (vertreten durch die Position von Kriegler), ein attraktives Angebot zu definieren. "Durch die Vorträge wurde deutlich, daß hier noch einige Herausforderungen in der Definition von Berufsprofilen und der Verteilung von Weiterbildungskompetenzen liegen. Das komplexe Anforderungsprofil an Softwaretechniker, wie es Sneed formuliert, ist nur schwer oder gar nicht durch isolierte Hochschul- bzw. Wirtschaftsbemühungen herstellbar. Die Zukunft wird zeigen, in welcher Form die - auch intern - existierenden Interessenskonflikte mit einem durchschaubaren Angebot an Weiterbildungszertifikaten aufgelöst werden können."

Ludewig übrigens begründet seine Eingangsthese mit der Erforderlichkeit die Softwaretechnik nicht als Thema innerhalb der Informatik sondern eigenständig, getrennt von ihr zu betrachten. Die jetzige Situation hält er für problematisch: "Ich sehe die Gefahr, dass zwei eng nebeneinander liegende Fächer, nämlich Informatik und Softwaretechnik, unvermeidlich zum ’Verkleben’ neigen, dass also die Profilierung verschwindet, weil sie zusätzliche Anstrengungen erfordert, nicht nur einmalig, sondern kontinuierlich. Wo keine Diversifikation der Studiengänge erreicht wurde, besteht dieses Problem nicht; aber das ist natürlich kein Vorteil. Ideal wäre eine Entwicklung, in der die Koexistenz der Studiengänge Bestand hätte." In Stuttgart habe man mit dem etablierten Studiengang Softwaretechnik bereits diese Trennung erreicht. Über die dortigen Projektarbeiten gibt es einen Bericht, der online auffindbar ist über www.informatik.uni-stuttgart.de/ifi/se/publications.

Mit Hinblick auf die Situation der Informatikfakultäten erklärt er den Ist-Zustand wie folgt: "Die Forderung nach speziellen Lehrveranstaltungen für die Softwaretechniker ist in einer voll ausgelasteten oder gar überlasteten Fakultät nicht populär. Bequemlichkeit und Sparzwänge (oft nicht unterscheidbar) sabotieren die Differenzierung."
In Darmstadt gibt es zwar keinen eigenen Studiengang Softwaretechnik, faktisch erlaubt es die vorhandene Vorlesung mit zugehörigem Praktikum jedoch ein hohes Gewicht auf diesen Bereich zu legen. Die von Prof. Wolfgang Henhapl und seinen Mitarbeitern (FG Praktische Informatik) als eine der Hauptveranstaltungen im Hauptstudium der Informatik durchgeführte Lehrveranstaltung fließt mit insgesamt 8 Semesterwochenstunden in die Diplomprüfungsbereiche ein. Das entspricht 50 Prozent der in der Prüfungsordnung geforderten studienbegleitenden Leistungen plus 40 Prozent des Prüfungsanteils in einer der vier Diplomprüfungen der Informatik. Durch die Kooperation mit Industriepartnern und der dadurch verbundenen Bearbeitung von tatsächlichen Industrieprojekten erhalten Studenten die Möglichkeit einer besonders realitätsnahen Beschäftigung mit der Softwaretechnik.

| TU Darmstadt

Weitere Berichte zu: Softwaretechnik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten