Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Bevoelkerung beeinflusst Gentechnik

20.08.2007
Nationale Anti-Gentechnik-Bewegungen tragen zur Demokratisierung der EU bei.
Dies zeigt ein kürzlich abgeschlossenes Projekt des Wissenschaftsfonds FWF unter der Leitung eines unabhängigen Forschers. Den Ergebnissen zufolge erfolgen nationale Mobilisierungen der Bevölkerung nahezu zeitgleich und verstärken so öffentlichen Protest auf europäischer Ebene. Damit liefert das Projekt eine optimistische Aussicht auf einen wachsenden Einfluss der Bevölkerung auf EU-Entscheidungsprozesse.

Die Gentechnikkontroverse hat mehr zu bieten als Pro- oder Kontra-Debatten.
Sie liefert zum Beispiel einen Modellfall zum Einfluss von Öffentlichkeit im Zeitalter der Globalisierung. Wichtig ist dieses Thema vor allem für die EU.

Denn diese beherrscht zwar alle wichtigen Entscheidungsfelder, jedoch finden Debatten der Bevölkerung nicht auf einer europäischen, sondern primär auf nationalen Ebenen statt.

Dass dies zwar der Fall ist, es unter bestimmten Bedingungen aber dennoch zu so etwas wie einem gesamteuropäischen, politisch wirkungsvollen Protest kommen kann, gehört zu den Resultaten eines von Dr. Franz Seifert geleiteten Projekts über die Rolle der Öffentlichkeit im weltweiten Konflikt um die Gentechnik.

... mehr zu:
»Gentechnik »Mobilisierung

SYNCHRONER PROTEST

Die Ergebnisse zeigen, dass Diskussionen über die Einführung von Gentechnik in der EU tatsächlich voneinander unabhängig im nationalen Rahmen verlaufen.

Dr. Seifert: "Es treten Situationen wie zeitweilig jene in Österreich auf, in denen eine Bevölkerung sich gegen die Einführung der Gentechnik in der Landwirtschaft durch die EU wehrt, wovon Bevölkerungen in anderen europäischen Ländern aber nichts mitbekommen bzw. zu dem Zeitpunkt einfach andere Sorgen haben. Der Protest bloß einer nationalen Bevölkerung wird in der EU jedoch kaum Folgen haben."

Obwohl nationale Proteste prinzipiell zwar in sich geschlossene Einheiten bleiben, zeigt sich seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre jedoch auch ein Trend zur "Synchronisierung": Aufgrund ihrer Einbindung in das EU-Regelungssystem werden nationale Diskussionen nicht mehr nur nebeneinander ausgetragen, vielmehr kommt es zu einer annähernd zeitgleichen Mobilisierung der nationalen Bevölkerungen. In Konsequenz nehmen die Regierungen dieser Länder gegenüber der EU Protesthaltungen ein, die diese wiederum zu grundlegenden Reformen ihrer Politik zwingen.

DIE STRATEGIEN DER GEGNER

Eine wichtige Rolle spielen auch Umweltorganisationen, die gegen die Gentechnik zu Felde ziehen. Bemerkenswert ist, dass unter den zahlreichen beteiligten Gruppen internationale Organisationen (z. B. Greenpeace) die größte Wirkung erzielen. Sie tun dies allerdings primär über ihre lokalen Zweigstellen, die vor Ort Kampagnen organisieren. Auch hier reagieren nationale Regierungen auf den Protest ihrer Bevölkerung und transportieren diesen auf eine übernationale Ebene. Woraus deutlich wird: Auch international effektiver Protest bedient sich in erster Linie der Mobilisierung nationaler Öffentlichkeiten.

Diese Ergebnisse gehen auf ein Projekt zurück, das Dr. Seifert als freier Wissenschafter, also ohne institutionelle Anbindung, durchgeführt hat.

Dieser dazu: "Diese Arbeitsweise ist ungewöhnlich und hat gewiss nicht nur Vorteile. Nachteilig ist es, jeden kleinsten Schritt selbst durchführen zu müssen, was schlicht sehr viel Arbeit bedeutet. Vorteilhaft ist aber der hohe Grad an Beweglichkeit." Wahre Beweglichkeit forderte das vorliegende Projekt, das den Biologen und Sozialwissenschafter nicht nur durch ganz Europa, sondern auch nach Nordamerika und Asien geführt hat ­ so etwa für ein Jahr an eine renommierte Forschungseinrichtung der Vereinten Nationen in Japan.

Der persönliche Einsatz hat sich aber gelohnt, betrachtet man die Resultate.
Diese geben ein positives Signal für den wachsenden Einfluss der Bevölkerung auf EU-Entscheidungsprozesse, welcher momentan ­ und wohl bis auf Weiteres ­ aufgrund des Mangels einer gemeinsamen europäischen Öffentlichkeit gering ist. Wie das FWF-Projekt zeigt, gibt es zwar keine Anzeichen für eine "Verschmelzung" zu einer solchen gemeinsamen Öffentlichkeit, jedoch kann der Synchronismus nationaler Debatten ein funktionales Äquivalent bilden.
Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Franz Seifert
Maxingstraße 22-24/2/7
1130 Wien
T +43 / 650 / 561 42 06
E fseifert@gmx.at
Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E stefan.bernhardt@fwf.ac.at
Redaktion & Aussendung:
PR&D - Public Relations for Research & Development Campus Vienna Biocenter 2 1030 Wien T +43 / 1 / 505 70 44 E contact@prd.at

Michaela Fritsch | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.fwf.ac.at

Weitere Berichte zu: Gentechnik Mobilisierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Weiterbildung – für die Arbeitswelt von morgen unerlässlich!
15.02.2018 | Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

nachricht Roboter als Förderer frühkindlicher Bildung – Neues Forschungsprojekt an der Uni Paderborn
07.02.2018 | Universität Paderborn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

„Molekularer Schraubstock“ ermöglicht neue chemische Reaktionen

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Internationale Forschungskooperation will Altersbedingte Makuladegeneration überwinden

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Workshop zu flexiblen Solarzellen und LEDs auf der Energiemesse „New Energy“

23.02.2018 | Seminare Workshops

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics