Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bildungssparen: FiBS legt dem Bundesbildungsministerium ein 3-Säulen-Modell vor

10.01.2007
Förderung der beruflichen Weiterbildung: Weiterbildungsprämie, Darlehen und Entnahmeoption aus der Vermögensbildung verbessern die Finanzierung von Bildungsmaßnahmen für alle gesellschaftlichen Gruppen erheblich

Bildungsökonom Dr. Dieter Dohmen vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) stellt heute im Bundesministerium für Bildung und Forschung das von ihm und dem Wirtschaftsweisen Professor Dr. Bert Rürup neu entwickelte Modell für Bildungssparen vor.

Weiterbildungsprämie, Darlehen und eine Option zur Entnahme von Geldern aus der Vermögensbildung stehen als die drei innovativen Säulen zur deutlichen Verbesserung der Weiterbildungsfinanzierung im Mittelpunkt der Pressekonferenz mit Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan. Grundlage des Gutachtens ist das von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag vereinbarte Konzept zum Weiterbildungssparen auf der Grundlage des Vermögensbildungsgesetzes.

Das umsetzungsorientierte Konzept sieht die Einführung von flexiblen Finanzierungsoptionen vor, durch die sowohl verbesserte individuelle Finanzierungsmöglichkeiten als auch staatliche Förderelemente kombiniert werden. Deutschland investiert im internationalen Vergleich bislang unterproportional in Weiterbildung und Lebenslanges Lernen. Vor allem einkommensschwächere und bildungsferne Gruppen partizipieren vergleichsweise wenig. 28 Prozent der Nicht-Teilnehmer verweisen dabei auf fehlende oder unzureichende Finanzierungsmöglichkeiten.

Zentrales Element der staatlichen Förderung soll eine neu zu schaffende Weiterbildungsprämie von bis zu 154 Euro werden. Weiterbildungsinteressierte erhalten diesen Zuschuss, wenn sie die Hälfte der Teilnahmegebühren ihrer beruflichen Weiterbildungsmaßnahme selbst finanzieren. "Auch wenn der Betrag auf den ersten Blick relativ niedrig erscheint, können dadurch über 75 Prozent aller formalisierten Weiterbildungsmaßnahmen fast zur Hälfte staatlich kofinanziert werden", stellt Dr. Dieter Dohmen, der Direktor des FiBS, fest. "Unter Berücksichtigung der Bagatellgrenze von 30 Euro beträgt die Fördergrenze 338 Euro. Bei teureren Maßnahmen bleibt der Höchstförderbetrag unverändert; es verringert sich lediglich der Förderanteil. Wir schlagen ferner - bezogen auf das zu versteuernde Einkommen - eine Einkommensgrenze von 17.900 bzw. 35.800 Euro vor", erklärt der Bildungsökonom. Die Weiterbildungsprämie kostet jährlich bis zu 60 Millionen Euro, sofern die Prämie jährlich in Anspruch genommen werden kann. Der Betrag verringert sich auf die Hälfte, wenn lediglich alle zwei Jahre ein Anspruch besteht. "Die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Haushaltsneutralität wird damit natürlich nicht erreicht", so Dr. Dieter Dohmen weiter, "allerdings hoffen wir, dass sich die Bundesregierung bereit findet, diesen finanziellen Beitrag zu leisten, da ansonsten eine Mobilisierung von Einkommensschwächeren und Bildungsfernen nicht möglich ist. Die Weiterbildungsprämie gleicht die Benachteiligung einkommensschwächerer Bevölkerungsgruppen aus, da Einkommensstärkere bereits heute ihre Weiterbildungsausgaben stärker steuermindernd geltend machen können. Sie stellt damit zugleich auch Weiterbildungsgerechtigkeit zwischen beiden Gruppen her."

Als zweite Säule soll das Vermögensbildungsgesetz (VermBG) für Entnahmen zu Weiterbildungszwecken auch innerhalb der Sperrfrist von sieben Jahren geöffnet werden, ohne dass dies Auswirkungen auf die Arbeitnehmersparzulage hat; diese soll weiterhin in voller Höhe gezahlt werden. Damit können die Teilnahmeentgelte aus den angesparten Beträgen finanziert werden. Die Ansparbeiträge steigen im Laufe der Zeit je nach Verzinsung auf bis zu 4.000 Euro an. "Bereits nach wenigen Monaten Ansparungen kann über die Hälfte aller Maßnahmen aus dem Vermögensbildungsgesetz finanziert werden", erläutert der Direktor des FiBS weiter, "lediglich fünf Prozent aller Maßnahmen - die Teuersten - können nicht hierüber finanziert werden." Durch diese Öffnung würden alle 6,6 Millionen Sparer nach dem Vermögensbildungsgesetz besser gestellt als bisher. Die angesparten Beträge können sinnvoll investiert, anstelle oft konsumtiv genutzt werden. Die Entnahme aus dem Vermögensbildungsgesetz kann zudem mit der Weiterbildungsprämie kombiniert werden.

Die Einführung eines zinsgünstigen Weiterbildungsdarlehens, zum Beispiel durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau, stellt die dritte Säule des Modells dar. Im Gutachten wird von einem Zinssatz von 6 bis 7 Prozent ausgegangen. Dieses Darlehen richtet sich einerseits die Zielgruppen, die durch die beiden anderen Optionen nicht erreicht werden oder ihre Kosten nicht ausreichend darüber finanzieren können. Ferner könnte das Darlehen auch während der Bildungsmaßnahme eventuell zu finanzierende Lebenshaltungskosten decken.

"Das vorgeschlagene 3-Säulen-Modell ist in sich stimmig und aufeinander abgestimmt und schöpft die Möglichkeiten des Koalitionsvertrags soweit wie möglich aus", fasst Dr. Dieter Dohmen das Modell zusammen. "Es schafft für die allermeisten Zielgruppen deutlich verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Bundesregierung die erforderlichen Finanzmittel für die Weiterbildungsprämie auch bereitstellt, da dies die zentrale Voraussetzung für die Mobilisierung einkommensschwacher und bildungsferner Bevölkerungsgruppen ist. Je mehr Geld die Bundesregierung zur Verfügung stellt, desto mehr kann dadurch erreicht werden. Weiterbildung ist und bleibt ein wichtiger Schlüssel zur Verbesserung der beruflichen Leistungsfähigkeit für alle Erwerbsfähigen und Erwerbstätigen."

Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS)
Das FiBS ist eine unabhängige Forschungs- und Beratungseinrichtung für Ministerien auf Bundes- und Länderebene, Bildungs- und Sozialeinrichtungen, Unternehmen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Stiftungen, Fachverbände und internationale Organisationen. Die Analysen, übergreifenden Studien, konkreten Modelle und Strategiekonzepte behandeln alle ökonomischen Aspekte von Bildung, sozialen Fragen, Arbeitsmarkt und Innovation. Weiterbildung und Lebenslanges Lernen spielen dabei eine zentrale Rolle.
FiBS-Konferenz 2007 "Demografischer Wandel, Bildung und Personalentwicklung"
Am Montag, den 5. Februar 2007 veranstaltet das FiBS in Berlin eine Konferenz, die sich mit den Schnittstellen zwischen beruflicher Bildung, Hochschule, Weiterbildung und Personalentwicklung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auseinandersetzt. Grundlagen sind aktuelle Untersuchungen des FiBS zu Studierendenzahlen, Arbeitskräfteangebot und -nachfrage, differenziert nach Qualifikationsniveaus. Weitere Informationen finden Sie auf der FiBS-Homepage unter www.fibs.eu

Kontakt: Birgitt A. Cleuvers (FiBS), Tel. 0 30 - 84 71 22 3-20

Birgitt A. Cleuvers | idw
Weitere Informationen:
http://www.fibs.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein Quantenlineal für Biomoleküle

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Prostatakrebs: Bluttest sagt Tumorresistenz vorher

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

IVAM-Marketingpreis würdigt zum zehnten Mal überzeugendes Technologiemarketing

22.08.2017 | Förderungen Preise