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Rechtliche Integration der GMD in die Fraunhofer-Gesellschaft abgeschlossen

23.07.2001


Nach der Übernahme sämtlicher Gesellschafteranteile durch die Fraunhofer-Gesellschaft ist nun die Verschmelzung von GMD-Forschungszentrum Informationstechnik GmbH und Fraunhofer-Gesellschaft auch rechtlich abgeschlossen. Alle Rechte und Pflichten der früheren GMD sind auf die Fraunhofer-Gesellschaft als Rechtsnachfolgerin übergegangen.

Im September 1999 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der GMD und dem Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft die Absicht einer Zusammenführung von Fraunhofer-Gesellschaft und GMD-Forschungszentrum Informationstechnik GmbH bekannt gegeben.

Nach der Entwicklung eines Fusionskonzepts mit Unterstützung externer Moderatoren, den Verhandlungen über die Rahmenbedingungen für den Übergang und den Beschlüssen der Aufsichtsgremien haben die Gesellschafter der GMD (Bund, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin) am 2. April 2001 mit der Fraunhofer-Gesellschaft einen Vertrag unterzeichnet, ihre Anteile auf die Fraunhofer-Gesellschaft zu übertragen. Der anschließende Prozess der Verschmelzung ist nun abgeschlossen. Nachdem als notwendiger Zwischenschritt am 9. Juli 2001 die GMD in die GMD-Forschungszentrum Informationstechnik e.V. & Co. KG umgewandelt worden war, erwarb die Fraunhofer-Gesellschaft am 11. Juli 2001 sämtliche Anteile an dieser Kommanditgesellschaft. Dieser komplizierte Prozess war nötig, weil das Umwandlungsgesetz keinen Vermögensübergang im Wege der Gesamtrechtsnachfolge von einer GmbH auf einen eingetragenen Verein vorsieht.

Rückblickend beurteilt Prof. Hans-Jürgen Warnecke den schwierigen Prozess: »Fusionen finden häufig unter wirtschaftlichen Zwängen oder Visionen statt. In Wissenschaft und Forschung bestanden solche Zwänge bisher nicht. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass wir bei knappen Ressourcen - und das sind nicht nur Finanzen, sondern vor allem qualifizierte Mitarbeiter - an der Effektivität und Effizienz des deutschen Forschungssystems arbeiten müssen. Einer der ersten großen Schritte in diese Richtung ist diese Fusion. Ich habe von vorneherein diese Strategie als richtig angesehen, um die vorhandenen Aktivitäten im Bereich Information und Kommunikation (IuK) zu bündeln und Deutschland im internationalen Wettbewerb in Wissenschaft und Wirtschaft eine bessere Position zu verschaffen.« Mit der juristischen Verschmelzung ist der entscheidende Schritt der Integration der GMD in die Fraunhofer-Gesellschaft vollzogen. Bereits am 2. April wurde der ehemalige GMD-Vorstandsvorsitzende Prof. Dennis Tsichritzis als viertes Mitglied in den Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft aufgenommen.

Parallel zu diesen Fragen hat sich die fachliche Zusammenarbeit außerordentlich schnell entwickelt. Nach Ausarbeitung des umfangreichen Forschungsprogramms »Leben und Arbeiten in einer vernetzten Welt« hat sich die Fraunhofer-Gruppe IuK konstituiert und ihre Vorsitzenden gewählt: Prof. Dr.-Ing. José L. Encarnação, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt, und zum Stellvertreter Prof. Dr. Ulrich Trottenberg, Leiter des bisherigen GMD-Instituts für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI in Birlinghoven.

Die Fraunhofer-Gruppe IuK, in der alle acht bisherigen GMD-Institute vertreten sind, besteht aus insgesamt 15 Instituten mit mehr als 2 000 Mitarbeitern und einem Budget von über 170 Mio Euro - die nach Volumen und thematischer Breite größte und sichtbarste Forschungsgruppe für Informations- und Kommunikationstechnik in Europa. Schon jetzt zeigt die rasche Zusammenarbeit der IuK-Gruppe mit den anderen Fraunhofer-Instituten, dass die Fraunhofer-Gesellschaft mit ihren jetzt 56 Instituten die ideale Plattform bietet für den schnellen Transfer der IuK-Fortschritte in alle Bereiche der Wirtschaft. Denn die Fraunhofer-Gesellschaft hat Erfahrung in der Vernetzung unterschiedlicher Fachgebiete und ihre Institute verfügen über enge Beziehungen zu allen Branchen.

Auch in der Zusammenführung der Verwaltungen konnte schließlich ein Konsens erzielt werden. Ein Steering Committee unter Leitung von Prof. Hans-Jörg Bullinger hat den Prozess begleitet. Um das Zusammenwachsen der verschiedenen Kulturen, die sich in unterschiedlichen Sicht-, Denk- und Handlungsweisen ausdrücken, zu beschleunigen und die Integration der neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erleichtern, hat der Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft ein breites Bündel von Maßnahmen der internen Kommunikation eingeleitet. Unter anderem ist der Vorstand zur Diskussion mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an alle Standorte der GMD gekommen.

Der Vorstand ist sich im klaren, dass nun zwar entscheidende Fragen der Integration gelöst sind, der Teufel dennoch oft im Detail steckt. Er dankt dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Ländern für die positive Begleitung des Fusionsprozesses und bittet alle neuen wie alten Mitarbeiter, weiterhin konstruktiv zur Integration beizutragen.

»Ende gut, alles gut«, fasst Präsident Hans-Jürgen Warnecke zusammen: »Lasst uns nicht über vergangene Probleme sprechen, sondern darüber, wie wir gemeinsam die Zukunft gestalten! Ziel ist es, führende Positionen im IuK-Bereich von Wissenschaft und Wirtschaft zu erreichen - eine Herausforderung für die Fraunhofer-Gesellschaft.«

Diese betreibt nun 56 Forschungsinstitute an Standorten in der gesamten Bundesrepublik, hat ein Forschungsvolumen von rund 900 Millionen und beschäftigt rund 11 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, überwiegend mit natur- oder ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung. Rund zwei Drittel des Forschungs- und Enwicklungs-Volumens deckt die Fraunhofer-Gesellschaft aus Aufträgen der Industrie und öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Der Rest ist Zuwendung von Bund und Ländern, um damit den Instituten die Möglichkeit zu geben, Problemlösungen vorzubereiten, die erst in fünf oder zehn Jahren für Wirtschaft und Gesellschaft aktuell werden. Die Fraunhofer-Wissenschaftler sind auf differenzierte Forschungsaufgaben aus einem breiten Spektrum von Forschungsfeldern spezialisiert. Wenn Systemlösungen gefragt sind, arbeiten mehrere Institute interdisziplinär zusammen. Zunehmend zeigt sich, dass in der Vernetzung zwischen den Instituten und mit externen Forschungspartnern und Unternehmen eine wesentliche Basis für die Lösung von komplexen Problemen und Fragestellungen besteht und es auf diese Weise oft zu unerwartet neuen Lösungen kommt.

Die acht neuen Fraunhofer-Institute

  • Fraunhofer-Institut für Autonome intelligente Systeme AIS, Birlinghofen: www.ais.fhg.de
  • Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT, Birlinghofen: www.fit.fhg.de
  • Fraunhofer-Institut für Medienkommunikation IMK, Birlinghofen: www.imk.fhg.de
  • Fraunhofer-Institut für Medienkommunikation SCAI, Birlinghofen: www.scai.fhg.de
  • Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST, Berlin: www.first.fhg.de
  • Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS, Berlin: www.fokus.fhg.de
  • Fraunhofer-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme IPSI, Darmstadt: www.ipsi.fhg.de
  • Fraunhofer-Institut für Sichere Telekooperation SIT, Darmstadt: www.sit.fhg.de

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw

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