Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sprachkompetenz verbessern - Chancengleichheit fördern

10.02.2005


Schon im Kindergarten werden die Weichen für die spätere Teilnahme an der Wissens- und Informationsgesellschaft gestellt: Ohne den Abbau von Sprachbarrieren gibt es für viele Kinder keine Chancengerechtigkeit. Gerade Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus bildungsferneren Schichten haben hier einen besonderen Förderbedarf. So erweist sich ein erheblicher Teil der Kindergartenkinder und Schulanfänger diesbezüglich benachteiligt - immerhin 25 bis 30 Prozent aller Kindergartenkinder kämpfen mit Sprachentwicklungsproblemen. Wenn man sie damit allein lässt, ist die Gefahr groß, dass sich gravierende Folgewirkungen einstellen, wie zum Beispiel Kommunikationsbarrieren, soziale Verhaltensunsicherheit oder Lese-Rechtschreib-Schwächen, die wiederum Entwicklungsverzögerungen und Schulprobleme nach sich ziehen können. Schon frühzeitig vor der Schule muss hier entsprechend gegengesteuert werden. Deshalb ist es wichtig, dass pädagogische Fachkräfte über hoch entwickelte Sprachförderkompetenz verfügen. Da einschlägige Untersuchungen fehlten, konnte bislang nicht eingeschätzt werden, ob und wieweit sie über entsprechendes Fachwissen verfügen. Entsprechend monierte die jüngst vorgelegten OECD-Studie zur Vorschulerziehung in Deutschland ein großes Defizit an wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Vorschulerziehung, die der Politik und Praxis als Orientierung dienen könnten. Deshalb hat Ende 2003 Lilian Fried, Professorin für Pädagogik der Frühen Kindheit an der Universität Dortmund, eine Untersuchung gestartet, deren Ergebnisse auf dem Kongress "Qualität der Sprachförderung" am 10. und 11. Februar vorgestellt und mit pädagogischen Praktikern diskutiert wurden. Die Informationen der von der Projekt Ruhr GmbH geförderten Studie kann insbesondere für die Planung gezielter Qualifizierungsmaßnahmen genutzt werden.



Die Bereitschaft der Praxis, sich an der Befragung zu beteiligen, war überraschend hoch. Es haben insgesamt 791 pädagogische Fachkräfte teilgenommen. Die Stichprobe repräsentiert die Situation in NRW weitgehend in Bezug auf Träger, Berufsalter oder Geschlecht. Insgesamt hat sich herausgestellt, dass ein großer Teil der pädagogischen Fachkräfte eher reformbewusste als traditionelle Haltungen bzw. Bewältigungsstile vertritt. So ist vielen klar, dass es heute nicht mehr genügt, lediglich beiläufige oder reaktive Sprachförderung zu betreiben. Vielen Befragten ist bewusst, dass professionelle Sprachförderkonzepte vonnöten sind, die unterschiedlichsten Bedürfnissen wie Mehrsprachigkeit und Sprachentwicklungsproblemen entsprechen. Erhebliche Unsicherheit existiert, ob und wieweit man Kinder mit deutscher Muttersprache überhaupt fördern sollte. Am stärksten ist man daran interessiert, mehr Hinweise in Bezug auf die konkrete Planung und Umsetzung spezifischer Sprachförderung zu bekommen. So wird deutlich, dass bei nicht wenigen Unsicherheit besteht, wie Sprachstandserfassung am besten erfolgt. Des weiteren besteht bei vielen Befragten Unklarheit, wie man sich bei Kindern mit Sprachentwicklungsproblemen verhalten soll oder wie die Elternarbeit aussehen soll, mit der man die Sprachfördermaßnahmen begleitet und vertieft.



Die Ergebnisse der Befragungsstudie machen vor allem eines deutlich: In Bezug auf die Wissensvorräte gibt es große Unterschiede zwischen pädagogischen Fachkräften bzw. Erzieherinnen. Und diese Differenzen widersprechen zum Teil geläufigen Vorurteilen. So ist es keineswegs so, dass Erzieherinnen, die schon länger im Beruf sind, traditionellere Einstellungen zur Sprachförderung haben, als Berufsanfänger. Umgekehrt gilt, dass Erzieherinnen mit wenig Berufserfahrung durchaus schon viel über spezifisches professionelles Handwerkszeug wissen können.

Somit ist eine klare Schlussfolgerung der Studie, dass starre, undifferenzierte Qualifizierungsangebote nur wenig Sinn machen. Prof. Lilian Fried fordert stattdessen: "Was wir brauchen, ist ein flexibles Qualifizierungssystem, das unterschiedliche Module vorhält, die sich - je nach Bedarf der Zielgruppe - ganz unterschiedlich zusammen- bzw. einsetzen lassen."

Was die Ergebnisse des weiteren unterstreichen, ist, dass pädagogische Fachkräfte bzw. Erzieherinnen am besten und dauerhaftesten lernen, wenn Qualifizierungsmaßnahmen mit praktischen Erfahrungen verquickt werden. Des weiteren verdeutlichen die Ergebnisse, dass Qualifizierungsmaßnahmen sich nicht auf bloße Wissensvermittlung beschränken dürfen. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass Erzieherinnen darin unterstützt werden, ihre Haltungen gegenüber der Sprachförderung zu überdenken und gegebenenfalls zu verändern. Schließlich sprechen die Ergebnisse dafür, dass Erzieherinnen angeregt werden sollten, ihren Vorrat an professionellem Handwerkszeug zu prüfen bzw. zu erweitern. Das setzt voraus, dass ihnen Gelegenheit geboten wird, neue Angebote unter Anleitung zu erproben und dass sie Kriterien an die Hand bekommen, mit denen man neue Angebote rasch einordnen und bewerten kann.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Lilian Fried
Universität Dortmund
Institut für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Pädagogik der frühen Kindheit
Emil-Figge-Straße 50
44221 Dortmund
Telefon: 0231 755-2153
Fax: 0231 755-6225
Email: lfried@fb12.uni-dortmund.de

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-dortmund.de

Weitere Berichte zu: Erzieherin Sprachentwicklungsproblem Sprachförderung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Datenbrille und Co.: TU Kaiserslautern entwickelt alternative Prüfungsformate fürs Studium
02.02.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Projekt DISTELL erforscht digitale Hochschulbildung
26.01.2017 | Hochschule Esslingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Booth and panel discussion – The Lindau Nobel Laureate Meetings at the AAAS 2017 Annual Meeting

13.02.2017 | Event News

Complex Loading versus Hidden Reserves

10.02.2017 | Event News

International Conference on Crystal Growth in Freiburg

09.02.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

From rocks in Colorado, evidence of a 'chaotic solar system'

23.02.2017 | Physics and Astronomy

'Quartz' crystals at the Earth's core power its magnetic field

23.02.2017 | Earth Sciences

Antimicrobial substances identified in Komodo dragon blood

23.02.2017 | Life Sciences