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Kasseler Bildungswissenschaftler erforschen neues Unterrichtskonzept

08.02.2005


Nach Ansicht Kasseler Erziehungswissenschaftler und Fachdidaktiker müssen Formen selbstständigen und kooperativen Lernens von Lehrerinnen und Lehrern im Unterricht stärker berücksichtigt werden.

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Durch ein breites Spektrum differenziert angelegter empirischer Untersuchungen zu diesem Thema will die Universität Kassel unter diesen Vorgaben zur nachhaltigen Verbesserung von Unterrichtsqualität beitragen. Dafür hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) der Hochschule jetzt die hohe Fördersumme von 450.000 Euro für zwei Jahre bewilligt und damit einen bedeutenden Forschungsschwerpunkt der Hochschule gefestigt.

Sieben Forschungsprojekte, vom wirksamen unterrichtlichen Umgang mit mathematischen Lernaufgaben neuen Stils bis zur Textproduktion in Grundschule und Oberstufe, sind zusammengefasst unter dem Oberthema "Lehren-Lernen-Literacy. Empirische Forschungen zu kognitiv anspruchsvollem selbständigkeitsorientierten Fachunterricht." In der Forschergruppe arbeiten sieben Erziehungswissenschaftler, acht Fachdidaktiker und zwei Pädagogische Psychologen zusammen. Sprecher der Gruppe sind Prof. Dr. Rudolf Messner (Erziehungswissenschaft) und Prof. Dr. Werner Blum (Didaktik der Mathematik).


Das Forschungsprogramm

Die großen Schulvergleichsstudien TIMSS und PISA haben die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass mit dem weltweiten technologischen, sozialökonomischen und kulturellen Wandel aller Gesellschaften ein erhöhter Qualifikationsbedarf verbunden ist. Lebendiges, konstruktiv zur Problembearbeitung einsetzbares fachliches Wissen von hohem Niveau sowie Lernen, das Verstehen fördert und nachhaltige Wirkungen hervorbringt, werden zu zentralen Bildungszielen für die Schule. "PISA 2003 hat jedoch erneut gezeigt, dass diesbezüglich im deutschen Bildungssystem noch erhebliche Defizite zu beseitigen sind", stellen Messner und Blum fest. Hier setzt die Kasseler Forschungsgruppe an und formuliert zwei Grundannahmen.

1. Die dominierende Lehrerzentriertheit des Unterrichts ist durch Formen selbständigen individuellen und kooperativen Arbeitens und Lernens der Schüler zu ergänzen und zu einem Ganzen zu verknüpfen.

2. "Die im modernen Unterricht angestrebten Kompetenzen wie Verstehenstiefe, Modellierungsfähigkeit und Selbstständigkeit können nicht am Rande oder außerhalb des Fachunterrichts, etwa durch die separate Schulung von "Schlüsselqualifikationen", erworben werden. Es bedarf vielmehr eines systematischen, langfristig angelegten, zeitaufwändigen Durchgangs durch anspruchsvolle Fachlichkeit, um solche Kompetenzen zu erwerben.

Im Sinne dieser Annahmen orientieren sich alle Forschungsvorhaben an anspruchsvollen Fachthemen, einem Leistungsverständnis, das neben komplexen kognitiven Zielen auch soziale Fähigkeiten und Selbst-Kompetenzen der Schüler einschließt, dem gezielten Gebrauch von Lernstrategien sowie an der Untersuchung realer Lernprozesse von diagnostischer Wertigkeit.

Im Einzelnen widmet sich die Kasseler Forschergruppe Empirische Bildungsforschung der Untersuchung folgender Themen:

­"Blum (FB 17), Messner (FB1) & Pekrun (München): Erforschung didaktisch-methodischer Strategien, um mathematische Lernaufgaben neuen Stils lernwirksam zu machen

­ Bosse (FB1) & Huber (Bielefeld): Computergestütztes "Journal Writing" in der gymnasialen Oberstufe

­ Finkbeiner (FB2) & Ludwig (FB1): Lernstrategien zum selbstständigen Erschließen englischer Texte

­ Heinzel (FB1) & Kruse (FB2): Rückmeldungen, welche die sprachliche Eigenaktivitäten textproduzierender Schüler fördern

­ Stübig, Ludwig & Bosse (alle FB1): Selbständiges Lernen im fachübergreifenden Unterricht der gymnasialen Oberstufe

­ Vogt (FB18) & Wollring (FB17): Kooperative Arbeitsumgebungen im Bio-Mathe-Unterricht der Grundschule

­ Wodzinski (FB18), Hänze (FB7) & Stäudel (FB18): Gestufte Lernhilfen im selbstständigkeitsfördernden naturwissenschaftlichen Fachunterricht

Blum und Messner zeigten sich optimistisch, dass mit dieser außergewöhnlichen Förderung durch die DFG an der Kasseler Universität ein bedeutender Forschungsschwerpunkt auf längere Sicht etabliert werden kann. "Der Einstieg in den im Entwicklungsplan der Hochschule vorgesehenen Schwerpunkt Empirische Bildungsforschung ist jedenfalls gelungen", sagte Messner. Die Kasseler Universität hatte ihrer im Jahre 2003 gegründeten Forschergruppe aus eigenen Mitteln eine umfangreiche Starthilfe gegeben und damit den Stellenwert von Bildungs- und Unterrichtsforschung im Spektrum der Universität unterstrichen.

E. Leeser | Uni Kassel
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

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