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Mediziner-Ausbildung: Uniklinik setzt auf künstlichen Patienten

26.01.2005


Jeder Patient erwartet einen perfekt ausgebildeten Arzt. Deshalb müssen auch Medizinstudenten praktische Erfahrungen sammeln und nicht nur theoretische Grundlagen lernen. Eine schwierige Situation für alle, die sich an der Ausbildung der zukünftigen Ärzte beteiligen, da ein Üben direkt an Patienten nicht möglich ist.


In Würzburg: Mediziner-Ausbildung am künstlichen Patienten. Foto: Kuhnigk



Aus dieser Überlegung heraus lernen Anästhesisten und Notfallmediziner an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie der Uni Würzburg an einem "künstlichen Patienten". Diese lebensgroße Puppe ist einem Menschen nachgebildet und voll gepackt mit Elektronik und Feinmechanik. An ihr lernen die Würzburger Medizinstudenten - ähnlich wie ein Pilot in einem Flugsimulator - in einem Operationssaal an einem voll funktionsfähigen Narkosearbeitsplatz, wie eine Narkose sicher und für den Patienten komfortabel durchgeführt wird.

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Der künstliche Patient wird von Computern gesteuert. Diese ermöglichen es, die Puppe wie einen alten oder jungen, kranken oder gesunden Menschen reagieren zu lassen. Es können auch vorbestehende Krankheitsbilder und akut auftretende Notfallsituationen simuliert werden. Auf welche Weise die Studierenden die Puppe versorgen, wird automatisch dokumentiert und zudem mit einer Videoanlage aufgezeichnet.

"Leider stand dieses Ausbildungskonzept unseren Medizinstudenten bisher nur eingeschränkt zur Verfügung" sagt Professor Dr. Norbert Roewer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie. Aber durch den Umzug der Klinik ins neue Zentrum für Operative Medizin (ZOM) konnten die für die Simulation notwendigen Räumlichkeiten jetzt deutlich erweitert werden. Dadurch wurde es möglich, den künstlichen Patienten systematisch in der Ausbildung einzusetzen: Seit diesem Wintersemester können alle Studenten eines Semesters während des Seminars "Anästhesiologie und operative Intensivmedizin" eine Narkose am Simulator durchführen - auch wenn sie später in anderen Bereichen der Medizin tätig sein wollen.

Die Vorteile des simulationsgestützten Unterrichtes heißen Realitätsnähe, Ausprobieren können und Aha-Erlebnisse erfahren. Das weckt bei vielen Studierenden ein stärkeres Interesse für das Fach Anästhesie als herkömmliche Ausbildungskonzepte. "Auch als Dozent merkt man, wie das Verständnis für die Lehrinhalte durch die praxisnahe Ausbildung deutlich wächst", freuen sich Dr. Mathias Kilian und Dr. Gerd Wettengel, die die ersten Studenten unterrichtet haben. Insgesamt vier Ärzteteams, bestehend aus einem Ober- und einem Assistenzarzt, betreuen jeweils eine Gruppe von zehn Studenten für eine Woche. Dadurch entsteht ein stärkerer Bezug zu den Dozenten und Kontinuität in der Ausbildung.

Mit diesem aufwändigen Konzept soll auch die Bedeutung der Lehre am Universitätsklinikum gestärkt werden. "Es ist eine Investition in die Zukunft", sagt Dr. Herbert Kuhnigk, der die Grundlagen für das Unterrichtsmodell an der Klinik für Anästhesiologie erarbeitet hat. Auch Studiendekan Professor Dr. Matthias Frosch lobt das Konzept: "Das ist ein innovativer Unterricht, und er kommt bei den Studenten sehr gut an."

Immer weniger Medizinstudenten ergreifen nach dem Studium den Beruf des Arztes und arbeiten stattdessen in anderen Berufsfeldern, die attraktiver erscheinen. "Gründe dafür sind der Kostendruck und die Ökonomisierung der Arbeitsabläufe in den Kliniken, wodurch die Ausbildung von Studenten und jungen Ärzten wirtschaftlich immer unattraktiver wird", so Professor Roewer. Das Würzburger Uniklinikum beschreite den gegenteiligen Weg: Genauso wie Spitzenleistung in der Forschung gefördert wird, soll auch die medizinische Ausbildung der Studenten auf höchstem Niveau stattfinden. Mit dem künstlichen Patienten geht die Uniklinik hier sicher in die richtige Richtung.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Norbert Roewer, T (0931) 201-30000, Fax (0931) 201-30009, E-Mail: dir.anaesth@klinik.uni-wuerzburg.de

| idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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