Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Berufsbezeichnungen entscheiden mit über die Berufswahl von Jugendlichen!

23.09.2004


Berufsbezeichnungen sollen eine erste Vorstellung vom Berufsinhalt vermitteln - doch Jugendliche haben ihre eigene Lesart, wenn sie vor der Berufswahl stehen: Sie nehmen den Namen eines Berufs nicht nur als Orientierungshinweis auf die mit ihm verbundenen Tätigkeiten, sondern prüfen vor allem auch dessen Image-Tauglichkeit unter Freunden. Wichtig für sie ist der Eindruck, den seine Erwähnung als (Lehr-)Beruf macht. Erscheint die Berufsbezeichnung dem eigenen Ansehen während der Ausbildung, aber auch im späteren Arbeitsleben eher abträglich, wird eine solche Lehrstelle nicht in Betracht gezogen - auch dann nicht, wenn noch freie Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) nach Auswertung erster Ergebnisse seiner in Kooperation mit der Universität Bonn durchgeführten Studie zum Thema "Berufsbezeichnungen und ihr Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen".

... mehr zu:
»Berufswahl

In den bisherigen Erklärungsansätzen zum Berufswahlverhalten haben die Bezeichnungen von Berufen bisher kaum Beachtung gefunden. Wie die vom BIBB und der Universität Bonn jetzt vorgelegten Ergebnisse jedoch zeigen, lassen sich aber zumindest drei wichtige Funktionen nachweisen:

Informations- und Signalfunktion: Jugendliche lesen die Berufsbezeichnungen wie Hinweisschilder, was sie im Beruf erwartet. Dies wird oft zum Problem für traditionelle Berufe, weil ihre Bezeichnungen falsch interpretiert werden. Namen wie Müller/in, Schornsteinfeger/in oder Bäcker/in verbinden sie mit den Märchenbüchern ihrer Kindheit, aber nicht mit der modernen Berufswirklichkeit. Die Folge: Die Jugendlichen halten diese Berufe für hoffnungslos altmodisch und meiden sie.


Selektionsfunktion: Jugendliche versuchen, die Belastungen der Berufsfindung und Lehrstellensuche möglichst auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Deshalb neigen sie dazu, die Zahl der in Frage kommenden Berufe überschaubar zu halten. Berufsbezeichnungen dienen ihnen dabei als Raster: Das, was nicht sofort interessant klingt, fällt durch. Dem ersten Eindruck, den eine Berufsbezeichnung macht, kommt somit eine entscheidende Weichenstellung zu: Ist er negativ, bestehen kaum noch Chancen, dass der Beruf weiter beachtet wird. Die Folge: Das Spektrum der in Frage kommenden Berufe wird von den Jugendlichen bisweilen unterschätzt.

Selbstdarstellungsfunktion: Jugendliche überprüfen die Berufsbezeichnungen auf ihre Tauglichkeit als "Visitenkarte" der eigenen Persönlichkeit. Attraktiv sind deshalb Bezeichnungen, die auf einen intelligenten, erfolgreichen und geachteten Menschen schließen lassen. Ein Positivbeispiel ist der/die "Mediengestalter/in für Digital- und Printmedien". Negativ bewertet werden dagegen Namen wie "Gebäudereiniger/in" oder "Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft" - sie sind aus Sicht der Jugendlichen keine Image-Förderer.

Berufsbezeichnungen sind auch nicht unerheblich für die geschlechtsspezifische Berufswahl, sondern mit ein Grund für die Zurückhaltung der Mädchen wie auch der Jungen bei bestimmten Berufen: Begriffe wie "...verarbeiter/in", "...monteur/in", "...mechaniker/in" oder "...bauer/in", die in vielen Berufsbezeichnungen des gewerblich-technischen Bereichs benutzt werden, locken allenfalls Jungen, kaum aber die Mädchen. Schon merklich positiver reagieren Mädchen auf Namen, die auf feinmotorisch-gestalterische Tätigkeiten schließen lassen, wie Feinoptikerin, Feintäschnerin oder Konditorin. Jungen dagegen nehmen eine ablehnende Haltung ein, wenn Tätigkeiten im sozialen Sektor auf nachrangige Positionen schließen lassen: Arzthelfer oder Gesundheits- und Krankenpfleger zu werden, fällt ihnen allein schon aus Imagegründen schwer.

Die Ergebnisse der bisherigen BIBB-Untersuchung sind veröffentlicht in dem soeben erschienenen Buch von Andreas Krewerth, Tanja Tschöpe, Joachim Gerd Ulrich, Alexander Witzki (Hrsg.): "Berufsbezeichnungen und ihr Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen. Theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse". Die Veröffentlichung kann zum Preis von 18,90 Euro bezogen werden beim W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19, E-Mail: service@wbv.de

Dr. Ilona Zeuch-Wiese | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de/

Weitere Berichte zu: Berufswahl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Meilenstein in der Forschung: Enabling Innovation
06.09.2017 | Rheinische Fachhochschule Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops