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Vom kultischen Treiben in einer attischen Pan-Höhle

27.08.2004


Archäologen aus Jena und Berlin publizieren Band über "Die Pan-Grotte von Vari"


Gesamtansicht der Osthöhle nach Norden. Links ist das "Signet" des Bauherrn Archedemos erkennbar. (Foto: Goette/DAI)



Wenn dieser Tage nach Griechenland geblickt wird, dann geht es meist um Olympia. Doch nur 50 km von Athen entfernt liegt die Stadt Vari, in der bis jetzt weitgehend vergessen ein archäologisches Highlight schlummerte: die Pan-Grotte. Sie wurde zwar bereits vor rund 100 Jahren von amerikanischen Wissenschaftlern ausgegraben, ihre Reliefs und Funde gesammelt und in Museen gebracht - doch die Höhle selber geriet in Vergessenheit. Wieder ins Bewusstsein gebracht haben das ländliche Heiligtum jetzt deutsche Archäologen. Ihre neuen Erkenntnisse sind gerade unter dem Titel "Die Pan-Grotte von Vari" im Verlag Philipp von Zabern erschienen.

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PD Dr. Günther Schörner von der Universität Jena und Prof. Dr. Hans Rupprecht Goette vom Deutschen Archäologischen Institut (ehemals Athen, jetzt Berlin) haben in dreijähriger Arbeit den Band gemeinsam verfasst. Erstmals wurde die Grotte mit modernen geodätischen Methoden vermessen, fotografiert, ein exakter Plan angefertigt und die Verteilung der ursprünglichen Funde - wie Weihreliefs, Keramiken, Lampen und Inschriften - rekonstruiert. Doch neben der genauen Dokumentation konnte anhand vieler Quellen und der neuen Untersuchungen auch eine "schlüssige Gesamtrekonstruktion des Kultablaufs erarbeitet werden", freut sich Schörner, da dies bisher in der Wissenschaft selten ist.

Dem Hirtengott Pan und der Nymphen ist in sehr lebendiger, feucht-fröhlicher Art gehuldigt worden. Es wurde getanzt und gefeiert, geklatscht und laute Musik gespielt, weiß man aus Texten, Bildern und Reliefs. Wie dieser Kult in der Höhle ablief, konnten die deutschen Archäologen jetzt nachvollziehen und fanden sogar "einen planierten Tanzplatz", wie Schörner betont.

Im neuen Buch befasst sich Goette mit der Umgebung der Grotte und der antiken Siedlungsstruktur, während Schörner sein Augenmerk direkt auf bzw. in die Grotte richtet. "Am meisten beeindruckt hat mich die Unmittelbarkeit", schwärmt der Jenaer Archäologe von der kultischen Atmosphäre der rund 1200 qm großen Höhle. Denn wie die Akropolis in Athen ist die Pan-Grotte eine Kultstätte, doch durch ihre Abgelegenheit hat sich die Atmosphäre trotz der Verwitterungen und menschlichen Eingriffe durch die letzten 2500 Jahre erhalten.

Denn entstanden ist die Höhle im späten 5. Jahrhundert (Jh.) vor Christus, als der Pan-Kult in Griechenland Einzug hielt. Gefertigt wurde die Grotte von dem aus Thera stammenden Archedemos, der gleichzeitig Architekt, Bauherr und -arbeiter war. Bekannt wurde dies, weil Archedemos ein Signet hinterließ: Er verewigte sich selber als Relief. "Das ist außergewöhnlich", bewertet Schörner das bis heute erhaltene Abbild. Im 4. Jh. v. Chr. erlebte die Grotte einen Boom, der langsam abebbte. Für die folgenden 500 Jahre fehlen Funde, so dass wenig über die Nutzung bekannt ist. Erst im 3. und 4. Jh. nach Christus wurde Pan erneut nachweislich verehrt. Dann kamen die Christen, fügten Kreuzzeichen hinzu, zerschlugen manch heidnisches Relief und warfen diese in die Tiefe der Grotte - was viele Fundbruchstücke für die modernen Archäologen rettete. Im 5. Jahrhundert endete die Verehrung Pans in der Vari-Grotte - ohne großen äußeren Anlass.

Doch bereits während der letzten genutzten Jahrhunderte diente die Höhle nicht nur der Verehrung Pans und seiner Nymphen. Parallel wurden hier mehrere Götter verehrt. So gehörte zu "den großen Überraschungen", so Schörner, auch der Fund eines Gefäßfragments, das sich eindeutig dem Artemis-Kult zuordnen lässt. Ein Zeichen dafür, dass die Griechen auch damals bereits tolerant waren - was sie derzeit bei den Olympischen Spielen wieder unter Beweis stellen.

Kontakt:

PD Dr. Günther Schörner
Institut für Altertumswissenschaften der Universität Jena
Fürstengraben 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 - 944826, Fax: - 944802
E-Mail: Guenther.Schoerner@uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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