Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Viele deutsche Wissenschaftler wandern nach Großbritannien ab

16.06.2004


Viele deutsche Wissenschaftler zieht es nach Großbritannien. Die Zahl deutscher Akademiker an britischen Hochschulen ist in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 40 Prozent gestiegen. Nach Angaben der britischen Agentur für Hochschulstatistik (HESA) forschten und lehrten im vergangenen Studienjahr 2575 deutsche Wissenschaftler auf der Insel. 1998/99 waren es nur 1820.



Diese auch als «Brain Drain» - «Gripps-Abfluss» - bezeichnete Abwanderung ist in vielen Fällen von Dauer. Eine in diesem Monat veröffentlichte Umfrage des Vereins «berlinpolis» unter mehr als 300 deutschen Wissenschaftlern an amerikanischen und britischen Hochschulen ergab, dass nur ein Drittel «sehr wahrscheinlich» nach Deutschland zurückkehren wird.

... mehr zu:
»Akademiker »Habilitation


Gründe, nach Großbritannien zu wechseln, gibt es viele. Meistgenannt sind Unzufriedenheit mit dem deutschen Universitätssystem, verkrustete Strukturen, schlechte Aufstiegsmöglichkeiten. «Ich finde die akademische Kultur in Großbritannien viel sympathischer. Das System ist weniger hierarchisch, und die Bedingungen sind ausgezeichnet», sagt Ulinka Rublack (37), Geschichtsdozentin an der Universität Cambridge.

Christian Kaiser (34), Astrophysiker in Southampton, hat Deutschland das erste Mal 1994 nach drei Jahren Physik-Studium in München verlassen: «In England wurde ich schon nach diesen drei Jahren zur Promotion zugelassen und habe damit mindestens drei Jahre früher meinen Doktortitel erworben, als das in Deutschland möglich gewesen wäre.»

Auf einen Professorentitel legen die Briten viel weniger wert. Ein «Lecturer» forscht auch ohne «Prof.» unabhängig, hält Vorlesungen und betreut Doktoranden. «Die Stelle hier erlaubt mir Eigenständigkeit», bestätigt Michael Kuhn. Mit erst 34 ist er schon seit viereinhalb Jahren Dozent für Wirtschaftswissenschaften in York.

Oft sind es junge Wissenschaftler, die sich nach der Promotion in Deutschland fragen: Habilitation - ja oder nein? Theoretisch gibt es zwar die Junior-Professuren, aber in der Praxis sind sie rar. Viele ältere Professoren stehen dem akademischen Aufstieg ohne Habilitation zudem skeptisch gegenüber. Mit dem Umzug nach England erledigt sich für viele Jungwissenschaftler das Problem.

Wenn es beruflich vorwärts geht, spielt der Ort oft nur eine untergeordnete Rolle. Georg Hähner (40) hatte sich auch in den USA und Singapur beworben, bevor er Reader (außerordentlicher Professor) für Physikalische Chemie im schottischen St. Andrews wurde. «Wissenschaft ist international, man muss sehen, wo jemand gebraucht wird», meint er.

Beim Deutschen Akademischen Auslands-Dienst (DAAD) in New York gibt es inzwischen eine Initiative, die Nachwuchswissenschaftlern die Rückkehr aus Amerika erleichtern will. «Das German Academic International Network (GAIN) informiert ausgewanderte Akademiker über aktuelle Trends in Hochschule und Forschung und zeigt ihnen konkrete Möglichkeiten für eine berufliche Laufbahn in Deutschland», erklärt Projektleiterin Katja Simons. Unter anderem sollen die Auswanderer Ideen für Reformen in Deutschland beitragen. Vielleicht könnte es so eine Initiative bald auch für Großbritannien geben.

| pro-physik.de
Weitere Informationen:
http://www.hesa.ac.uk
http://www.daad.org
http://berlinpolis.de/braindrain/

Weitere Berichte zu: Akademiker Habilitation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

nachricht Gleich und Gleich gesellt sich gern!
21.03.2017 | Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften