Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Start der ersten Max-Planck-Forschungsgruppe an einer Universität

15.03.2004


Ein Experiment aus der Nano-Photonik: Charakteristisches Interferogramm für eine Überlagerung aus radial und linear polarisiertem Licht.
Bild: Max-Planck-Forschungsgruppe Erlangen


Das modernisierte Gebäude der Max-Planck-Forschungsgruppe auf dem Siemens-Forschungsgelände in Erlangen.
Bild: Max-Planck-Forschungsgruppe Erlangen


Feierliche Eröffnung der "Max-Planck-Forschungsgruppe für Optik, Information und Photonik" an der Universität Erlangen


Die erste Max-Planck-Forschungsgruppe, die direkt an einer Universität arbeiten soll, wird am 15. März 2004 ab 11 Uhr in Erlangen offiziell eröffnet. Die Max-Planck-Gesellschaft hatte bereits im Jahr 2001 beschlossen - in Reaktion auf Empfehlungen der internationalen Kommission zur Systemevaluation, ihre Forschung noch stärker mit Universitäten zu vernetzen - Max-Planck-Forschungsgruppen an Universitäten einzurichten. Die Erlanger "Max-Planck-Forschungsgruppe für Optik, Information und Photonik" ist ein zunächst auf fünf Jahre befristetes Gemeinschaftsprojekt des Freistaats Bayern und der Max-Planck-Gesellschaft, das als Institut der Universität Erlangen-Nürnberg geführt wird. Ziel der Forschungsgruppe ist es, die gesamte Bandbreite der modernen Optik von der klassischen Optik bis zur Quantenkommunikation unter einem Dach zu vereinen. Die Einrichtung der Max-Planck-Forschungsgruppe wird von der Universität Erlangen-Nürnberg als eine große Bereicherung für ihre Optikforschung, aber auch als ein wichtiges Signal für die gesamte Region Nordbayern angesehen. Nach der Eröffnung besteht für alle Gäste Gelegenheit zu einem Rundgang durch das neue Gebäude.

Zur feierlichen Eröffnung der gemeinsamen Forschungseinrichtung können der Präsident der Max-Planck Gesellschaft, Prof. Peter Gruss, und der Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Karl-Dieter Grüske, namhafte Gäste begrüßen. Als Gastredner für den Festakt konnten der bayrische Kultusminister Dr. Thomas Goppel, der Erlanger Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis, Dr. Peter Krause vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie Prof. Erich Reinhardt, Mitglied des Siemens-Vorstands, gewonnen werden. Die Kooperation mit Siemens ist für die Max-Planck-Gesellschaft von besonderer Bedeutung, da die neue Forschungsgruppe in einem Gebäude auf dem Siemens-Forschungsgelände angesiedelt ist, das speziell für diesen Zweck umgebaut wurde. Dort stehen der Forschungsgruppe, die bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigen wird, 2.600 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung.


Nach der feierlichen Eröffnung veranstaltet die Forschungsgruppe unter dem Titel "Frontiers in Modern Optics" ein hochrangig besetztes wissenschaftliches Symposium zu Fragestellungen der modernen Optik. Namhafte Wissenschaftler aus Europa, den USA und Japan nehmen daran teil, darunter Charles H. Townes und Emil Wolf, zwei der renommiertesten amerikanischen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Optik. Charles H. Townes bekam 1964 den Nobelpreis für die Erfindung des Lasers, Emil Wolf ist den meisten Physikern als Koautor des internationalen Fachbuchs "Principles of Optics", das bereits in der 6. Auflage erscheint, ein Begriff.

Die Max-Planck-Forschungsgruppe umfasst drei Abteilungen. Abteilung I leitet Prof. Gerd Leuchs, dessen Lehrstuhl an der Universität Erlangen-Nürnberg in die Max-Planck-Forschungsgruppe integriert wurde. Die Leitung der Abteilung II hat Prof. Lijun Wang übernommen, der in den letzten zehn Jahren an bedeutenden Forschungseinrichtungen in den USA geforscht hat, zuletzt am NEC Research Laboratory in Princeton. Das Berufungsverfahren für die Abteilung III soll im Lauf des Jahres 2004 abgeschlossen werden.

Die Forschungsarbeiten der Abteilung I (Prof. Gerd Leuchs) verteilen sich über ein weites Spektrum der modernen Optik. Anhand optischer Technologien wie der Interferometrie sowie trigonometrischer Verfahren entwickeln die Wissenschaftler Methoden, mit deren Hilfe man die dreidimensionale Form von Körpern mit optisch glatten oder auch rauen Oberflächen bestimmen kann. Die dazu untersuchten Objekte reichen von einer Statue aus dem Bamberger Dom bis hin zu asphärischen Linsen für die Lithographie mit extrem ultraviolettem Licht. Ziel ist es hierbei sowohl neue Methoden zu entwickeln als auch deren Messempfindlichkeit und Präzision zu erhöhen. Dazu gehört auch die Entwicklung und der Bau neuer mikrooptischer Instrumente. Ein weiteres Forschungsgebiet sind die Eigenschaften optischer Felder auf der Wellen- und Subwellenlängen-Skala sowie ihre Wechselwirkungen mit kleinen Strukturen, auch als "Nano-Photonik" bekannt. Die Nanophotonik ist für die Mikroskopie, die Lithographie, die optischen Datenträger sowie die Quanteninformation von großer Bedeutung. Auch hier wollen die Forscher möglichst rasch bestehende Erkenntnisgrenzen überwinden.

Viele dieser Forschungsgebiete haben Relevanz sowohl für die Grundlagenforschung als auch für Hightech-Anwendungen. So untersucht man in einem Projekt quantenkorrelierte intensive Lichtfelder, beispielsweise als Solitonen (zeitliche Pulse, die sich ausbreiten, ohne ihre Form zu ändern). Solitonen werden einerseits dazu genutzt, um in der Grundlagenforschung das Einstein-Podolsky-Rosen-Gedankenexperiment für kontinuierliche Quantenvariablen umzusetzen. Darauf aufbauend untersucht man auch Quantenkommunikationsprotokolle, die zum Beispiel an der sicheren Verteilung kryptographischer Verschlüsselungskodes beteiligt sind. Der gleiche experimentelle Aufbau dient aber auch dazu, neuartige Instrumente für eine Telekommunikationstechnik mit ausschließlich optischen Übertragungskomponenten zu entwickeln - ein Beispiel dafür, wie fließend der Übergang zwischen Grundlagenforschung und Anwendung sein kann.

In der im Aufbau befindlichen Abteilung II (Prof. Lijun Wang) konzentriert man sich auf die Forschung im Bereich der Laserwissenschaften, -technologien und ihre Anwendungen. So versuchen die Forscher mit einem einzelnen eingefangenen Indium-Ion als Quantenoszillator die Frequenz eines ultrastabilen Lasers zu regulieren und - darauf aufbauend - eine Atomuhr zu bauen, die mit Hilfe eines optischen Frequenzstandards arbeitet. Eine solche "optische Atomuhr" bietet zahlreiche Vorteile gegenüber konventionellen Radiofrequenz-Atomuhren. Außerdem dürfte die auf einem Indium-Ion basierende optische Uhr eine drei Größenordnungen genauere Präzision als die derzeit genauesten Atomuhren erreichen, gleichzusetzen mit einer Messunschärfe von nur 30 Pikosekunden pro Jahr. Zudem bietet das gefangene Einzel-Ion ein sauberes und kontrollierbares quantenmechanisches System, in dem neue Erkenntnisse über die Quantenwelt überprüft werden können.

Auf die Optik als Mittel zur Präzisionsmessung gestützt, wollen die Wissenschaftler aber auch ein hochgenaues absolutes Schwerkraftmessgerät konstruieren, um Variationen der Erdanziehungskraft in Echtzeit messen zu können. Ein Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie durchgeführt wird. Im Bereich der Materialverarbeitung sollen Experimente einem intensiven Ultrakurzpulslaser durchgeführt werden: Ein fokussierter, gepulster Laser kann die optischen Eigenschaften transparenter Stoffe, wie etwa Glas, permanent verändern. Das ermöglicht es, verschiedene optische Strukturen für zukünftige Anwendungen in der Telekommunikation zu entwerfen und auch zu erzeugen. Darüber hinaus will man auch neue Einsatzmöglichkeiten für Laser in der Biologie und Medizin erforschen.

Die künftige Abteilung III wird sich vorrangig der Erforschung neuartiger optischer Materialien, mit Techniken zur Mikrostrukturierung derartiger Materialien sowie mit den physikalischen Eigenschaften von räumlich stark begrenztem Licht widmen.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Sabine König
Max-Planck-Forschungsgruppe für Optik, Information und Photonik, Erlangen
Tel.: 09131-6877-500, Fax: -199
E-Mail: sabine.koenig@optik.uni-erlangen.de

Dr. Sabine König | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.optik.uni-erlangen.de/leuchs/aktuelles.html

Weitere Berichte zu: Atomuhr Forschungsgruppe Grundlagenforschung Laser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Meilenstein in der Forschung: Enabling Innovation
06.09.2017 | Rheinische Fachhochschule Köln

nachricht Max Planck School of Photonics: Nationales Exzellenznetzwerk für Photonikforschung ausgewählt
04.09.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie