Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Konferenz fordert verbesserte Integration von Gehörlosen in die Informationsgesellschaft

02.03.2004


Anlässlich einer Konferenz über die Verbesserung des Zugangs zur Informationsgesellschaft für gehörlose und hörbehinderte Menschen wurde die Erarbeitung einer neuen Strategie auf europäischer Ebene gefordert, um unterstützende Technologien zum Mainstream zu machen und damit wettbewerbsfähiger zu gestalten.



Die Konferenz wurde vom Royal National Institute for the Deaf (RNID) mit Unterstützung der Europäischen Kommission organisiert und beschäftigte sich mit den zentralen Problemstellungen in diesem Bereich, insbesondere mit der Frage, wie Untertitelung und Gebärdensprache im Fernsehen qualitativ und quantitativ verbessert werden können sowie mit der Notwendigkeit, universelle interaktive Textkommunikationssysteme zu entwickeln, um Gehörlosen den gleichen Zugang zum Telefonnetz zu gewähren wie Hörenden.



Johan Wesemann, Direktor der Europäischen Union der Gehörlosen, erklärte, im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) seien in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte zugunsten gehörloser Menschen erzielt worden. Dennoch bestehen massive Probleme aufgrund einer unfreiwilligen sozialen Isolation.

Beim Fernsehen als einer der wichtigsten Informations-, Bildungs- und Unterhaltungsquellen, sei der Zugang in den meisten EU-Ländern aufgrund mangelnder Untertitelung, Gebärdensprache und anderer unterstützender Technologien immer noch eingeschränkt.

Im Bereich der Telekommunikation seien Texttelefone teuer und nicht überall erhältlich. Zudem arbeiten sie mit unterschiedlichen inkompatiblen Protokollen.

John Low, Geschäftsführer des RNID, erklärte in seiner Eröffnungsrede: "Die neuen Technologien bieten ein ungeheures Potential, um das Leben von gehörlosen und hörbehinderten Menschen zu verändern und eine barrierefreie Gesellschaft zu schaffen. Allerdings besteht die Gefahr, dass diese neuen Technologien, sofern sie nicht überall verfügbar ist und nicht auf dem Grundsatz "Design für alle" basieren, neue Hürden für behinderte Menschen schaffen, anstatt alte Hindernisse abzubauen."

Alle Redner waren sich darin einig, dass im Hinblick auf die Schaffung eines universellen interaktiven Textkommunikationssystems oder eine verstärkte Untertitelung von TV-Sendungen nicht technologische Hindernisse das zentrale Problem seien, sondern die mangelnde Bereitschaft vonseiten der politischen Entscheidungsträger, Normungsinstitute, Gesetzgeber und der Industrie.

Sie stellten heraus, dass es von entscheidender Bedeutung sei, Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene zu fördern, damit alle Akteure eine einheitliche Strategie erarbeiten können, die starke wirtschaftliche und ethische Argumente für ein barrierefreies Design umfasst.

In einem ersten Schritt könne der Industrie aufgezeigt werden, dass die erforderlichen Technologien bereits vorhanden sind und es plausible wirtschaftliche Argumente für ein Design für alle gebe. "Ich bin verwundert darüber", erklärte Guido Gybels, Leiter Neue Technologien des RNID, "wie wenig sich die Industrie, Service-Anbieter und Netzwerkbetreiber der Tatsache bewusst sind, dass sie ihre Produkte und Dienstleistungen für alle Nutzer verbessern und ihre Nutzerbasis mithilfe eines gut durchdachten bis barrierefreien Designs erweitern können. Wenn mehr Menschen über barrierefreies Design die gesellschaftliche Teilhabe als Verbraucher ermöglicht wird, wirkt sich dies positiv auf die gesamte Wirtschaft aus."

Per Blixt, Leiter des Referats für behinderte und ältere Menschen der Generaldirektion Informationsgesellschaft, forderte die Behindertenorganisationen auf, gemeinsam auf eine verstärkte Sichtbarkeit und Präsenz dieses Problems hinzuarbeiten, da auch hier der Grundsatz "kein Mainstream, kein Markt" gelte.

Derzeit gibt es in der EU 22 Millionen gehörlose und hörbehinderte Menschen. Bis 2005 werden über 81 Millionen Europäer eine Verschlechterung ihres Gehörs erleiden. Im Jahr 2015 wird einer von sieben Europäern Hörprobleme haben.

Nach Aussage des EU-Kommissars für Unternehmen und die Informationsgesellschaft Erkki Liikanen, der ebenfalls zu den Konferenzteilnehmern gehörte, "geht es bei der Verfolgung des Ansatzes "Design für alle" nicht nur um Wohltätigkeit, sondern auch um wirtschaftliche Vernunft. In einer alternden Gesellschaft gibt es einen Wachstumsmarkt für Waren und Dienstleistungen, die die Bedürfnisse behinderter bzw. älterer Menschen befriedigen."

| cn
Weitere Informationen:
http://ictrnid.org.uk/euc/prog.html
http://dbs.cordis.lu/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie