Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schillernde Tausendsassas

11.12.2000


©Fraunhofer IAP. Kleinste abbaubare

Mikropartikeln aus Polymilchsäure setzen im Körper kontrolliert

Medikamente frei. Breite des Bildfelds: 12

Mikrometer.


Mikropartikeln werden in der Medizin schon seit längerem als Depotpräparate eingesetzt. Zusehends erobern sie auch andere Bereiche: Beispielsweise können sie einen neuen Autolack in allen Regenbogenfarben
schillern lassen.

Für die Kugeln am Weihnachtsbaum ist sie vielleicht zu teuer, doch für Autos schon jetzt als besonderer Gag zu haben: eine Lackierung, die schillert wie ein Öltropfen auf einer Pfütze. Was sich da in allen Regenbogenfarben zeigt, ist das Interferenzmuster dünnster Schichten, die auf ultrakleinen Plättchen aufgebracht sind. Diese Mikropartikeln messen nicht einmal einen Zehntel Millimeter. Wegen ihrer besonderen Fähigkeiten sind die winzigen Teilchen groß im Kommen. Denn sie verleihen Produkten ungeahnte Eigenschaften. Drei Fraunhofer-Institute haben sich zur Wirtschaftsorientierten Strategischen Allianz »Mikrostrukturierte Kompositpartikeln« zusammengeschlossen. Ziel ist es, die Methoden zu verbessern, mit denen die Winzlinge hergestellt werden.

Mikropartikeln versorgen viele Materialien mit zusätzlichen, ungewöhnlichen Fähigkeiten: So sind Schrauben im Handel, die beim Festziehen verkleben, weil ihr Gewinde mit klebstoffhaltigen Mikrokapseln beschichtet ist. Durchschreibeformulare enthalten den Farbstoff in winzigen Partikeln und kommen ganz ohne Kohlepapier aus. Kunststoffe, die harte Mikroteilchen enthalten, sind formbar wie bisher, doch ungewöhnlich widerstandsfähig gegen Schläge. Medikamentenkapseln mit eisenhaltigen Einschlüssen können per Magnetfeld an ihren Wirkort dirigiert werden. Experten schätzen den Weltmarkt für die Mikroverkapselung auf rund fünf Milliarden Dollar pro Jahr.

Doch auf dem Weg zur Serienfertigung müssen noch zahlreiche Probleme geklärt werden: Welche Pulver lassen sich durch das Trocknen einer sehr fein versprühten Suspension gewinnen? Wie kann man aus einer Emulsion, also aus winzigen Tröpfchen in einer Flüssigkeit, Kristalle genau gleicher Größe erzeugen? Welche Reaktivharze oder Kunststoffe eignen sich am besten dazu, Mikropartikeln zu verkapseln? Dafür ist Hightech aus Chemie und Verfahrenstechnik gefragt. »Mit Hilfe von Computersimulationen analysieren wir das Verhalten der Mikropartikeln,« kommentiert Prof. Rolf Kümmel vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT. »So können wir besser verstehen, was bei den einzelnen Verfahren im Detail passiert.«

Zudem bauen die Fraunhofer-Forscher kleintechnische Produktionsanlagen auf, um bekannte Verfahren weiter zu entwickeln. Das UMSICHT-Team will in einem Sprühturm Musterchargen unter industrie-ähnlichen Bedingungen herstellen. Vor allem Betriebe aus der Kunststoff- und der Klebstoffbranche haben bereits ihr Interesse angemeldet.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Rolf Kümmel
Telefon: 02 08/85 98-0
Fax: 02 08/85 98-2 90 
ku@umsicht.fhg.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw

Weitere Berichte zu: Kunststoff Mikropartikel Regenbogenfarbe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

nachricht Die Verbindung macht’s
24.03.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

27.06.2017 | Informationstechnologie