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Nicht dahin rennen, wo schon alle sind - Herausforderungen suchen und die eigene Zukunft gestalten.

12.09.2000


Interview mit Karsten Förster, BTU-Absolvent, der nach drei Jahren
USA-Erfahrung nach Cottbus zurückgekehrt ist

Nach der Green-Card-Diskussion boomt im Moment der Informatikbereich an deutschen Hochschulen. An der Brandenburgischen Technischen Universität haben sich die Bewerberzahlen für die Studiengänge Informatik sowie Informations- und Medientechnik gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Aber nicht nur Informatiker sondern Fachleute in allen Ingenieurbereichen fehlen. Der Anteil der Ingenieure an der Gesamtbeschäftigungszahl ist auch in Branchen gestiegen, die wie der Maschinen- und Anlagenbau nicht zum boomenden Hochtechnologie- und IT-Bereich gehören.
Der BTU-Absolvent Karsten Förster hat nach erfolgreich abgeschlossenem Elektrotechnikstudium 1997 für weitere drei Jahre an der Michigan Technological University Maschinenbau studiert. Die finanzielle Untertstützung kam von der Firma Johnson Controls, ein weltweit führender Zulieferer für die Automobilindustrie und für Gebäudemangementsysteme. "Diese Firma wie auch viele andere sind an Fachkräften interessiert, die auf verschiedensten Gebieten Wissen und Erfahrungen vorweisen können, da die Grenzen zwischen den einzelnen Fachgebieten immer mehr verschmelzen. Meine amerikanischen Maschinenbau-Kommilitonen haben darüber geflucht, wie viel Elektronik heute in den Maschinen (z.B. im Auto aber auch in hochproduktiven und umweltgerechten Anlagen) drin steckt. Und was die Elektrotechnik für den IT-Bereich betrifft: Ohne Elektronik-Entwicklung gibt es keine Informationstechnologie. Gerade die Fortschritte in an sich klassischen Bereichen wie der Hochfrequenz und Nachrichtentechnik gepaart mit höchstintegrierter Elektronik haben erst die Voraussetzungen für die großen Wachstumsmärkte im IT-Bereich geschaffen, wie zum Beispiel der Mobilfunksektor zeigt, der mit UMTS (Universal Mobile Telecommunications Systems) seine eigentliche Zukunft noch vor sich hat. Es bleibt also noch eine Menge zu tun in dieser Industriegesellschaft, die ohne gut ausgebildete Ingenieure keine Zukunft hat. Daher sollte man sich bei der Studienwahl fragen, ob man eine Ingenieurlaufbahn einschlägt und falls man dies möchte, ob man dann das studiert, was gerade viele machen oder sich eher eine echte Herausforderung sucht" so Karsten Förster.
Prof. Bernd Falter, Doktorvater von Förster und Lehrstuhlinhaber Mikroelektronik sieht das so: "Die reine Elektrotechnik ist Kommunikationstechnik. Während die Informatiker ein Problem eher von der naturwissenschaftlichen Seite angehen, suchen die Elektrotechniker nach der praktischen Anwendung, die sie bis ins Detail umsetzen können müssen". Ausgebildete Elektrotechniker finden heute ihre Arbeitsplätze im Bereich der drahtlosen Kommunikation (Mobil-Kommunikation) und natürlich auch in der Automobilbranche, wo Verkehrsleitsysteme, Airbag und ABS ohne Elektronik nicht denkbar wären.
Ob nun Elektrotechnik oder Informatikstudium - letztlich müssen die persönlichen Neigungen und Fähigkeiten entscheiden. Jeder Studienanfänger sollte für sich selbst prüfen, welche Richtung er am besten einschlägt und dabei versuchen, in die verbleibenden echten Nischen vorzudringen. Karsten Förster wird erst einmal seine Promotion mit einem Thema aus dem Bereich der Automobilelektronik an der BTU abschließen. "Mein "advisor" in den USA hat mich darin bestärkt zu promovieren, aber wenn nicht familiäre Gründe den Ausschlag gegeben hätten, wäre ich in den USA geblieben. Dort gehören die Ingenieurwissenschaften wie Elektrotechnik und Maschinenbau sowie Computer Sciences zu den best bezahltesten Jobs. Die Einstiegsgehälter fangen bei 55.000 Dollar" sagt Karsten Förster.
Nach Jahren der geringen Absolventennachfrage in den Ingenieurwissenschaften gibt es in jüngster Zeit eine deutliche Trendwende auf dem Arbeitsmarkt: Die rückläufige Zahl der Absolventen hat in Verbindung mit der Hochkonjunktur für Hochtechnologien zu einem Rekordbedarf an jungen, gut ausgebildeten Fachkräften geführt. Das Verhältnis von Studierenden in Ingenieurberufen und Stellenangeboten war im Jahr 1999 nach dem Adecco Stellenmarktindex 1 : 2 (www.adecco.de). Das heißt, auf einen Ingenieurabsolventen kommen zwei Stellen. Gute Berufschancen also für diejenigen, die sich gerne mit naturwissenschaftlichen und technischen Fächern beschäftigen und in die Zukunft investieren wollen.

 Mitarbeiter Pressestelle Margit Anders |

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