Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tubulysine: Vom Kompost in die Krebsforschung

11.03.2003


Morphochem und GBF schließen Kooperationsvertrag .


Mit einem roten Fluoreszenzfarbstoff werden Mikrotubuli kultivierter Zellen der Beutelratte sichtbar gemacht. Deutlich zu erkennen sind die fädigen Strukturen. Die Zellkerne wurden blau angefärbt.


Eine Zugabe von Tubulysin A zu den Zellen führt zu einem Abbau der Mikrotubuli. Nach acht Stunden sind keine fädigen Strukturen mehr zu erkennen. Dafür werden die Ursprungsorte der Mikrotubuli, die Centrosomen, als leuchtende Flecken sichtbar.



Braunschweig/München. Neue Wirkstoffe gegen Krebs zu entwickeln ist das Ziel der Kooperation der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF), Braunschweig, mit dem Münchner Biotechnologie-Unternehmen Morphochem. Morphochem erhält die alleinigen Rechte für die Nutzung der Forschungsergebnisse der GBF über die Naturstoffgruppe der Tubulysine, die GBF erhält dafür Projektmittel für die Forschung sowie Lizenzeinnahmen aus der späteren Vermarktung. Für die GBF hat die Patentmanagementagentur Ascenion die Verträge ausgehandelt.



Eine Zugabe von Tubulysin A zu den Zellen führt zu einem Abbau der Mikrotubuli. Nach acht Stunden sind keine fädigen Strukturen mehr zu erkennen. Dafür werden die Ursprungsorte der Mikrotubuli, die Centrosomen, als leuchtende Flecken sichtbar.
Tubulysine sind Zellgifte, die GBF-Wissenschaftler aus Myxobakterien isoliert haben. Diese Bakterien kommen überall im Boden vor, doch nicht alle sind produktiv. Der Erfolg versprechende Myxobakterien-Stamm wurde vor einigen Jahren vom damaligen Leiter der GBF-Naturstoffbiologie, Prof. Dr. Hans Reichenbach, in einem Komposthaufen des Botanischen Gartens Freiburg entdeckt. Bei den Tubulysinen handelt es sich um kleine Peptide, die aus seltenen Aminosäuren bestehen. Die Tubulysine wirken auf die Mikrotubuli, die wichtig für Transportvorgänge in der Zelle sind und außerdem eine entscheidende Rolle bei der Zellteilung spielen.


Es gibt verschiedene Varianten von Tubulysinen, die sich auch in ihrer Wirkung unterscheiden: Gibt man Zellen Tubulysin A, verschwinden die Mikrotubuli des Zellskeletts vollständig. Dadurch werden lebenswichtige Transportvorgänge auch in normalen Zellen unterbunden. Tubulysin D dagegen kann so dosiert werden, dass nur die Mikrotubuli sich teilender Zellen betroffen sind. Der Teilungsvorgang wird dadurch so stark gestört, dass diese Zellen absterben. Da Krebszellen sich besonders intensiv teilen, kann so das Tumorwachstum aufgehalten bzw. verhindert werden.

"Wir haben große Erfahrung mit Naturstoffen und wollen nun gemeinsam mit Morphochem die Naturstoffklasse der Tubulysine zu klinisch brauchbaren Wirkstoffkandidaten für die Krebstherapie weiterentwickeln", sagt Prof. Dr. Gerhard Höfle, Leiter des Bereichs Naturstoffe an der GBF. Ein Weg dazu sind beispielsweise gezielte chemische Veränderungen des Moleküls. Hier kommt unter anderem die proprietäre Technologieplattform von Morphochem zum Einsatz. "Wir freuen uns sehr über die Kooperation mit der GBF. Die Lizenzierung der gesamten Tubulysin-Naturstoffklasse ermöglicht es uns, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und damit auch mehrere unterschiedliche Wirkstoffkandidaten zu entwickeln und in die Klinik zu bringen", sagt Dr. Wolfgang Richter, Vorstandsmitglied von Morphochem.

Die GBF (www.gbf.de) ist ein Zentrum für Infektionsforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft. Im Mittelpunkt steht die Aufklärung grundlegender Mechanismen von Infektionen sowie der Reaktionen des Immunsystems auf einen Erreger. Die GBF verfügt über eine große Erfahrung mit Naturstoffen. Epothilon - ebenfalls ein in der GBF entdeckter Anti-Tumor-Wirkstoff - befindet sich bereits in der klinischen Testphase.

Die Ascenion GmbH (www.ascenion.de) ist die Patentmanagementagentur mehrerer führender Forschungseinrichtungen in Deutschland und beschäftigt sich mit der Vermarktung von wissenschaftlichem Know-how.

Morphochem (www.morphochem.de) ist ein Biotechnologie-Unternehmen, das hochselektive Wirkstoffkandidaten (Small Molecules) für Medikamente gegen schwer heilbare Krankheiten wie Krebs und Entzündungen entdeckt und entwickelt. Hierzu setzt Morphochem seine Chemical Genomics Expertise, die Multi Component Reaction (MCR) Technologieplattform und die proprietäre MolMindTM Software ein

Thomas Gazlig | iddw
Weitere Informationen:
http://www.gbf.de
http://www.ascenion.de
http://www.morphochem.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Physik-Didaktiker aus Münster entwickeln Lehrmaterial zu Quantenphänomenen
22.09.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Meilenstein in der Forschung: Enabling Innovation
06.09.2017 | Rheinische Fachhochschule Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

Junge Physiologen Tagen in Jena

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

25.09.2017 | Messenachrichten

Fraunhofer ISE steigert Weltrekord für multikristalline Siliciumsolarzelle auf 22,3 Prozent

25.09.2017 | Energie und Elektrotechnik

Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte

25.09.2017 | Medizin Gesundheit