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Uni Marburg erhält 9. Leibniz-Preis und neuen Sonderforschungsbereich

06.12.2002


DFG würdigt den Zellbiologen Professor Roland Lill mit 1,55 Millionen Euro. Lill ist zugleich Sprecher des neu bewilligten "Mechanismen der zellulären Kompartimentierung und deren krankheitsrelevante Veränderungen"



Die Marburger Philipps-Universität hat einen neuen Leibniz-Preisträger. Mit dem höchstdotierten deutschen Förderpreis, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) alljährlich an besonders qualifizierte Wissenschaftler vergibt, wird nach einem Beschluss des DFG-Hauptausschusses vom heutigen Freitag Professor Roland Lill, Direktor des Instituts für Klinische Zytobiologie und Zytopathologie, ausgezeichnet. Lill (47) erhält für die nächsten fünf Jahre für Forschungen auf seinen Arbeitsgebieten 1,55 Millionen Euro, die er nach eigenen Bedürfnissen flexibel einsetzen kann. Er ist zugleich Sprecher eines neuen Marburger Sonderforschungsbereichs zum Thema "Mechanismen der zellulären Kompartimentierung und deren krankheitsrelevante Veränderungen", den die DFG ebenfalls bewilligt hat.

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Durch die aktuelle Auszeichnung erhöht sich die Zahl der Marburger Leibniz-Preisträger auf nunmehr neun - eine erneute Bestätigung der besonderen Forschungsstärke der Philipps-Universität. Der 1986 eingeführte Leibniz-Preis ist bislang an 207 herausragende Forscher verliehen worden. Professor Lill ist der einzige hessische Wissenschaftler unter den aktuell zehn Preisträgern. Die Auszeichnung wird ihm am 17. Februar 2003 in Berlin durch DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker verliehen.

Roland Lill hat bei seinen Untersuchungen auf dem intensiv bearbeiteten Feld der Mitochondrien-Biogenese eine völlig neue Facette der Mitochondrien-Funktion aufgedeckt. Mit seiner Arbeitsgruppe fand er heraus, dass die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, für die Bildung der so genannten Eisen-Schwefel-Proteine lebensnotwendig sind. Die ursprünglich an Hefen durchgeführten Untersuchungen deckten ein Dutzend mitochondrialer Proteine auf, die für die Biogenese von Eisen-Schwefel-Zentren in Eiweißen der gesamten Zelle von Bedeutung sind. Mutationen in den entsprechenden Transportproteinen beim Menschen sind bereits als Ursachen zweier genetisch bedingter Krankheiten bekannt. Professor Lill hat durch diese Entdeckung ein völlig neues Teilgebiet der Zellbiologie eröffnet und laut DFG ein überzeugendes Beispiel für die Bedeutung von Modellorganismen in den Biowissenschaften geliefert.

Lill lehrt und forscht seit 1996 an der Philipps-Universität, zunächst auf einer C3-, seit Sommer 2002 auf einer C4-Professur. Er studiert Chemie in Ulm und München, promovierte in Biochemie und war nach einer zweijährigen Postdoktorandenzeit an der University of California in Los Angeles von 1990 bis 1995 wissenschaftlicher Assistent an der Universität München. Danach wurde er nach Marburg berufen.

Mit dem renommierten Leibniz-Preis werden besonders herausragende wissenschaftliche Leistungen gewürdigt. Ziel des Leibniz-Programms der DFG ist es, die Arbeitsbedingungen der ausgezeichneten Wissenschaftler weiter zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern und ihnen die Beschäftigung von besonders qualifiziertem Nachwuchs zu erleichtern. Die Preisträger haben größtmögliche Freiheit, wie sie die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel einsetzen.

Neuer Sonderforschungsbereich

Der neu bewilligte Sonderforschungsbereich "Mechanismen der zellulären Kompartimentierung und deren krankheitsrelevante Veränderungen" hat sich zum Ziel gesetzt, die molekularen Grundlagen der zellulären Kompartimentierung, also der Aufteilung der Zelle in Abteilungen, umfassend zu untersuchen. Das Verständnis dieser Vorgänge ist notwendig, um den Ablauf und die Steuerung spezifischer biologischer Prozesse zu verstehen. An unterschiedlichen Beispielen und Organismen soll untersucht werden, wie die Kompartimentierung in der gesunden und der krankhaft veränderten Zelle abläuft und wie sich Störungen auf die Zelle und den Gesamtorganismus auswirken. Das gewählte Forschungsthema gilt als eines der hochaktuellen Felder der modernen Zellbiologie mit hoher Bedeutung auch für klinische Anwendungen.

An dem neuen Sonderforschungsbereich sind Arbeitsgruppen aus den Fachbereichen Medizin und Biologie beteiligt. Die Gruppen aus dem medizinischen Bereich sind an den Instituten für Molekularbiologie und Tumorforschung, Pharmakologie und Toxikologie, Physiologie, Virologie und Zytobiologie angesiedelt. Aus dem Fachbereich Biologie kommen Gruppen aus der Parasitologie und der Zellbiologie hinzu.

Klaus Walter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

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