Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Austausch mit USA: Die `68-er legten den Grundstein

23.12.2008
Vor 40 Jahren sind die ersten Physikstudenten der Uni Würzburg zum Auslandsstudium in die USA aufgebrochen. Seitdem haben rund 600 Studierende an dem Programm teilgenommen.

Damit auch in Zukunft Nachwuchsphysiker aus Würzburg in amerikanischen Labors forschen und lernen können, arbeitet die Fakultät an einem neuen Konzept, das in das Bachelor/Master-System passt.

"Insgesamt bot mir das Jahr vielfältige, persönlich sehr bereichernde Erfahrungen. Ich bin sowohl den deutschen als auch den amerikanischen Organisatoren sehr dankbar, dass sie mir diesen Austausch ermöglicht haben. Ich kann jeden Physikstudenten in Würzburg nur dazu ermutigen, an dem Amerikaprogramm teilzunehmen."

Ein Jahr hat der Verfasser dieser Zeilen an der University at Stony Brook, etwa 100 Kilometer östlich von New York City, verbracht. Wie man seinem Erfahrungsbericht, den die Fakultät auf ihrer Homepage veröffentlicht hat entnehmen kann, hat er diese erlebnisreiche Zeit durchaus genossen.

Damit steht er nicht alleine da: Rund 600 Studierende haben in den vergangenen 40 Jahren an dem Amerikaprogramm der Fakultät für Physik und Astronomie teilgenommen - in manchen Jahren hat sich ein Drittel eines Jahrgangs auf die Reise über den großen Teich begeben. Das Programm, das auf eine Initiative des Physikers Professor Max Scheer zurückgeht, war von seinem Anfang im Jahr 1968 an so erfolgreich, dass die Fakultät sich sehr schnell darum bemühen musste, neben der ersten Anlaufstelle, der New York State University in Albany, weitere Kooperationspartner zu finden, um "deutsche Enklaven" in den USA zu vermeiden.

Viele kehren mit dem Master zurück

Heute existieren mit sechs Universitäten Kooperationsverträge: Neben Stony Brook und Albany können Physikstudierende aus Würzburg in Rutgers, Albuquerque, Buffalo und Austin die amerikanische Art, Physik zu lehren und zu erforschen, kennenlernen. Und dieses Kennenlernen gestaltet sich durchaus intensiv: Dank der Kooperationsverträge besteht für die Studierenden die Möglichkeit, den USA-Aufenthalt mit einer Masterprüfung abzuschließen und somit einen wertvollen Nachweis für den erfolgreichen Aufenthalt mit nach Hause zu bringen.

Fast alle Studenten haben bisher von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht; viele haben darüber hinaus sogar eine Masterarbeit geschrieben, die in Deutschland als gleichwertig mit dem Diplom anerkannt wird. Wer mit der Masterarbeit in der Tasche aus den USA zurückkehrte, konnte somit gleich die Doktorarbeit in Angriff nehmen. In diesem Fall führt der Auslandsaufenthalt also sogar zu einer Studienzeitverkürzung.

Studieren in den USA ist normalerweise eine teure Angelegenheit: Die Reisekosten, der Lebensunterhalt und hohe Studiengebühren von bis zu 20.000 US-Dollar für ein Studienjahr brächten manchen Traum vom Gang nach Übersee sehr schnell zum Platzen, hätte die Fakultät für Physik und Astronomie nicht auch dafür Vorsorge getroffen. Da sind zum einen die amerikanischen Partneruniversitäten, die mit zum Teil erheblichen Nachlässen bis hin zum kompletten Gebührenerlass sowie mit Forschungs- und Lehrstipendien so manche Finanzklemme lockern.

Da sind zum anderen der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD und neue Regeln zum Auslandsbafög, die durch die Vergabe von Stipendien und anderen Formen von Finanzspritzen den Auslandsaufenthalt unterstützen. Zu guter Letzt ist auch der Anteil privater Förderer nicht unerheblich; so gewährt beispielsweise die Swaine-Stiftung jedes Jahr einer begabten Studentin einen Zuschuss für ein Studium in den USA. Insgesamt, so rechnet die Fakultät vor, konnten auf diese Weise in den 40 Jahren seit Bestehen des Amerikaprogramms mehr als 20 Millionen Euro Fördergelder eingeworben werden, die den Eigenbeitrag der Studierenden "auf ein erträgliches Maß reduzierten".

Anpassung an Bachelor und Master

Inzwischen ist das Würzburger Amerikaprogramm auch keine Einbahnstraße mehr; regelmäßig verbringen jedes Jahr Studierende aus Austin im Sommer drei Monate in Würzburg, um hier erste Erfahrungen in der Forschung zu sammeln. 40 erfolgreiche Jahre hat das Amerikaprogramm der Fakultät für Physik und Astronomie hinter sich. Jetzt steht eine Zäsur an: Die Umstellung der deutschen Studiengänge auf das Bachelor/Master-System fordern Veränderungen, die noch nicht bis ins Detail geregelt sind. Ziel könnte sein, die bewährte Kooperation mit den Partnern in den USA in der Lehre noch enger zu gestalten, um sie in die Vergabe eines gemeinsamen Mastertitels der beteiligten Universitäten münden zu lassen.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Wie ein Roboter Kita-Kindern Sprachen beibringt
14.07.2017 | Universität Bielefeld

nachricht MINT Nachwuchsbarometer 2017: Digitale Bildung in Deutschland braucht ein Update
22.06.2017 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten