Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was heißt hier Schrott? Berliner Fraunhofer-Forscher zeigen, wie gebrauchte Elektronikbauteile im Auto wiederverwendet werden

30.10.2008
Moderne Fahrzeuge vereinen ganze Berge an elektronischen Baugruppen.

Konzentrierte sich die Elektronik noch vor wenigen Jahrzehnten auf eine einzige Leiterplatte, sorgen mittlerweile elektronische Steuereinheiten, Sensoren und Prozessoren für optimalen Fahrkomfort und maximale Sicherheit*. Während die eigentliche Fortbewegung beinahe nebensächlich wird, stellt sich jedoch die Frage, wie sich die Versorgung mit Ersatzteilen für den gesamten Zeitraum des Fahrzeuglebens gestaltet.

Da nämlich der Innovationszyklus von Elektronik mit fünf Jahren deutlich unter der Produktlebensdauer von Autos - meist 20 Jahre - liegt, können Zulieferer angesichts vereinbarter Lieferverpflichtungen schnell ins Schwitzen geraten.
Dieser Angebotslücke versuchen Elektronikhersteller als Zulieferer bereits zu begegnen, indem sie Baugruppen nachfertigen, sie lange Zeit lagern oder für zukünftige Systeme abwärts kompatibel gestalten. Doch nur selten sind solche Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll. Deshalb haben Forscher des Fraunhofer IZM zusammen mit einem Konsortium aus Zulieferern und Recyclingunternehmen nun eine weitere Möglichkeit der Ersatzteilversorgung ins Spiel gebracht, die so alt ist wie der erste Schrottplatz: die Wiederverwendung gebrauchter Baugruppen.
Was lange Zeit nur für (elektro)mechanische Fahrzeugteile wie Lichtmaschine oder Anlasser galt, soll sich nun auch für winzige elektronische Bauteile durchsetzen? Zu groß waren bislang die Vorbehalte hinsichtlich Qualität und Garantie. Doch Studien der Partner in dem Projekt namens "ReECar" zeigen überraschende Ergebnisse: Um die Zuverlässigkeit gealterter Fahrzeug-Elektronik zu untersuchen, unterzogen sie u.a. etwa 10 Jahre alte, gebrauchte ABS- und Zentral-Steuergeräte extremen Belastungstests durch beschleunigte Alterung und ließen sie die Qualifikationsprogramme der jeweiligen Neuproduktion in mehrfachen Zyklen durchlaufen. Unter anderem wurden die Steuergeräte thermischen Schocks, langsamen Temperaturwechseln sowie Vibrations- und Feuchtebelastungen ausgesetzt. Ergebnis: Alle Prüflinge erfüllten sowohl die elektrischen als auch die mechanischen Anforderungen. Die zusätzliche Belastung durch den vorherigen Feldeinsatz hatte keinen funktionsrelevanten Einfluss auf die Steuergeräte.
Am Fraunhofer IZM wurden daraufhin die Lotgefüge, Chiplötverbindungen und Relaiskontakte mittels Metallografie und Röntgenmikroskopie bzw. REM untersucht. Bei betrachteten Bauelementen konnten keine charakteristischen belastungsrelevanten Eigenschafts- oder Schädigungsbilder festgestellt werden.
Neben wirtschaftlichen und logistischen Aspekten steht die Untersuchung der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit der Wiederverwendung im Vordergrund. Hierbei zeigt sich zunächst, dass die Rückführung gebrauchter Baugruppen im Vergleich zur alternativen Langzeitlagerung oder Nachfertigung in punkto sozialer Nachhaltigkeit nicht ganz so günstig abschneidet. Dies liegt aufgrund der etwas benachteiligten Prozesse wie Demontage, Prüfung oder Reparatur von gebrauchten und möglicherweise verunreinigten Bauteilen nahe. In punkto ökologischer Nachhaltigkeit übertrifft ein Wiederverwertungskonzept jedoch etablierte Methoden um ein Vielfaches.

Das Projekt, an dem neben dem Fraunhofer IZM auch die Elektronikhersteller Conti Temic microelectronic GmbH und Hella KGaA Hueck & Co., die Recyclingunternehmen Callparts System GmbH und RETEK AG sowie das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik beteiligt sind, wird vom BMBF mit rund 1,35 Mio. Euro gefördert. Eine Abschlusspräsentation zum Projekt mit allen wesentlichen Ergebnissen findet am 13. November 2008 in Dortmund statt. Weiterführende Infos hierzu unter: www.reecar.org

*Unternehmensberater prognostizieren dem Markt für Fahrzeug-Elektronik bis 2015 ein jährliches Plus von sechs Prozent. Dann wird die Elektronik bereits 30 Prozent des gesamten Fahrzeugwertes ausmachen.

Georg Weigelt | idw
Weitere Informationen:
http://www2.izm.fhg.de/Bilder/nachhaltigkeit_im_vergleich.tif
http://www2.izm.fhg.de/ReECar_Abschlusspraesentation_2008.pdf
http://www.izm.fhg.de/news_events/news/index.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Leuchtende Mikropartikel unter Extrembedingungen
28.02.2017 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren
22.02.2017 | IHP - Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie