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Ein Haus für die Sonne: Fraunhofer ISE weiht neues Institutsgebäude ein.

28.11.2001


Blick aus dem Atrium in das Shed-Dach mit Photovoltaik-Anlage


Kopfbau mit Haupteingang


Am 23. November 2001 weihte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE sein neues Institutsgebäude in Freiburg ein. Nach stetigem Wachstum auf heute rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat Europas größtes Solarforschungsinstitut nun erstmals ein eigenes Domizil. Der ausdrückliche Dank dafür gilt dem Land Baden-Württemberg sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, die mit jeweils 17,5 Mio Euro die Baukosten trugen.

Mit dieser Bausumme, die dem Kostenrahmen der öffentlichen Hand für Institutsgebäude dieser Größe entspricht, wurde ein Gebäude realisiert, das unter dem Motto "Vorbildliches Bauen mit der Sonne" Architektur und Solartechnik in beispielhafter Weise miteinander verbindet. Hohe Arbeitsplatzqualität und effiziente Energienutzung unter selbstverständlicher Integration von Solarsystemen waren die gemeinsame Zielsetzung des Bauherren, der Architekten Dissing+Weitling aus Kopenhagen, des Ingenieurbüros Rentschler&Riedesser aus Stuttgart sowie der Fachplaner aus dem Fraunhofer ISE. Vom gelungenen Ergebnis konnten sich die Geldgeber Bund und Land, vertreten durch Ministerpräsident Erwin Teufel und den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Siegmar Mosdorf, anlässlich des Festaktes überzeugen.

Das dreigeschossige Gebäude erstreckt sich auf 13.000 m² Nutzfläche und gliedert sich in einen Kopfbau mit angegliederter Erschließungsachse, von der kammartig drei Gebäudeflügel abgehen. Im Kopfgebäude empfängt ein Atrium mit Shed-Dach und Photovoltaik den Besucher und macht ihn mit den ästhetischen Merkmalen des Gebäudes bekannt: kommunikativ, offen, funktional-elegant. Zwei Drittel der Nutzfläche belegen Labors und Werkstätten, ein Drittel Büros.

Die Fassaden der drei Gebäudeflügel sind jeweils nord/süd-orientiert, die Abstände mit Rücksicht auf viel Tageslichtnutzung am Arbeitsplatz groß. Auf der Sonnenseite liegen die Büros, auf der Schattenseite die klimatisierten Labors. Eine zentrale Erschließungsachse, die sogenannte Magistrale, verläuft über 120 m in Nord/Südrichtung und schützt Innenhöfe wie Fassaden der Flügel vor der nachmittäglichen Sommersonne. Der Kopfbau an der Süd-spitze der Magistrale bündelt die Verwaltung und zentrale Dienste. An der westlichen Seite schließen parallel zu der Magistrale Technikum, Reinraum und Werkstätten an.

Zu den Maßnahmen, die den Energiebedarf senken und den Komfort am Arbeitsplatz steigern, zählen:

  • Eine durchgängige Lichtplanung am Computer vom Entwurf bis zum Detail optimiert die Beleuchtung am Arbeitsplatz bei minimalem Energieeinsatz
  • Die so genannte "passive Kühlung" durch nächtliche Lüftung und ein Luft-Erdregister sorgen in Verbindung mit wirkungsvollen Sonnenschutzsystemen und der Gebäudemasse für sommerlichen Temperaturkomfort ohne Klimaanlage
  • Die erhöhte Wärmedämmung, Solarenergienutzung über optimierte Verglasungen und eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung senken den winterlichen Wärmebedarf.

Die Energieversorgung basiert auf einem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk (BHKW) als Zentrum eines hauseigenen Kraft/Wärme/Kälte-Verbunds: Mit dem BHKW wird Strom selbst erzeugt und die dabei entstehende Wärme wird sowohl zum Heizen wie - über einen Umkehrprozess mit einer Absorptionskältemaschine - zum Kühlen genutzt. In dieses integrale Konzept passen sich die Solaranlagen für Strom und Wärmeerzeugung wie selbstverständlich ein. Der Neubau des Fraunhofer ISE in Zeiten knapper öffentlicher Kassen setzt ein Zeichen. "Sonnenenergie ist keine Utopie, sondern eine wirtschaftliche Realität, mit der Geld verdient wird und Arbeitsplätze entstehen", so Prof. Joachim Luther, der das Institut seit 1993 leitet. Dass die technische Nutzung der Sonnenenergie ein zunehmend relevanter Industriebereich mit zweistelligen Wachstumsraten wird, zeigen die Marktzahlen des vergangenen Jahres. Die Solarbranche hat im Jahr 2000 die Grenze von 150 Megawatt installierter photovoltaischer Leistung und von drei Millionen Quadratmetern installierter Kollektorfläche auf deutschen Dächern überschritten. Prof. Luther: "Eine nachhaltige Integration erneuerbarer Energien in die Versorgungssysteme kann nur über fortlaufende Innovationen durch Forschung und Entwicklung erreicht werden. Hier hat sich das Fraunhofer ISE gut positioniert,35% des Institutsbudgets werden durch direkte Aufträge aus der Wirtschaft generiert."

Das Jahr 2001 ist für das Fraunhofer ISE noch durch ein weiteres Ereignis geprägt: vor 20 Jahren, im Juli 1981 wurde das Institut von Prof. Adolf Goetzberger, damals Leiter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik IAF, gegründet. Vor dem Hintergrund der Ölkrisen der 70er Jahre waren die erneuerbaren Energien ins Blickfeld des politischen Interesses gerückt und die Fraunhofer-Gesellschaft wagte den Schritt der Ausgründung einer Arbeitsgruppe Solarenergie aus dem Fraunhofer IAF in ein eigenständiges Institut.

Mit einem Jahresbudget von 18 Mio Euro (ohne Investitionen) hat sich das Institut, das sich zu mehr als 80% über Auftragsforschung finanziert, zum größten Solarforschungsinstitut Europas entwickelt. Die Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte liegen in der Photovoltaik, der Solarthermie mit Solarem Bauen sowie der Wasserstofftechnologie mit Brennstoffzellenentwicklung. Von der Materialforschung über die Entwicklung von Systemen, Komponenten und Verfahren bis hin zur Ausführung von Prototypen und Demonstrationsanlagen finden Industrie und öffentliche Auftraggeber Ansätze für Problemlösungen und Innovationen.

In ihrem neuen Institutsgebäude arbeiten die Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer ISE weiter an der Zukunftstechnologie Solarenergie. Eine Fülle innovativer Entwicklungen und Produkte warten darauf, vermarktet zu werden: Sonnige Aussichten für eine nachhaltige Welt der Zukunft.

Informationsmaterial: Fraunhofer ISE, Presse und Public Relations Tel. +49 (0) 7 61/45 88-1 50, Fax +49 (0) 7 61/45 88-3 42 E-Mail: info@ise.fhg.de

Karin Schneider | idw

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