Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gründächer können mehr Energiekosten sparen als bisher bekannt

06.08.2001


Dass Gründächer im Sommer vor Hitze und im Winter vor Kälte schützen, ist bekannt. Die Vegetationsschicht bewirkt im Sommer tagsüber einen Kühleffekt durch Verschattung und Verdunstung. Im Winter entsteht durch das eingeschlossene Luftpolster und das Abhalten des Windes eine Wärmedämmwirkung. Dabei reduziert die Erdschicht durch ihre Wärmespeicherwirkung noch zusätzlich die Temperaturschwankungen erheblich. Dass diese positiven Wirkungen in ihrem Ausmaß durch eine optimierte Ausbildung des Gründachs erheblich gesteigert werden können und somit viel Heizenergie eingespart werden kann, haben die vom Forschungslabor für Experimentelles Bauen (FEB) der Universität Gesamthochschule Kassel unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Gernot Minke durchgeführten Untersuchungen gezeigt.

Untersucht wurde ein Gründach mit 15 cm Leichtsubstrat und einer dichten extensiven Begrünung aus speziellen Wildgräsern mit einem geringen Anteil an Wildkräutern. Die Messungen liefen über einen Zeitraum von sechs Monaten. An einem heißen Oktobertag, an dem über dem Gras des Daches im Schatten 30°C gemessen wurden, traten unter dem Gras nur 23°C und unter der Erde, also über der Dachhaut, nur 17,5°C auf. Nachts betrug die niedrigste Lufttemperatur 7°C, die niedrigste Temperatur über der Dachhaut dagegen nur 15°C. An einem kalten Wintertag, als nachts die Lufttemperatur auf -14°C sank, war die Temperatur oberhalb der Dachhaut 0°C, oberhalb der Erdschicht -3°C.

Wenn die Innenraumtemperatur 21°C beträgt und die Außentemperatur -14°,so beträgt die Temperaturdifferenz, die für die Transmissionswärmeverluste zuständig ist, 35°C. Bei dem Gründach dagegen nur 21°, also drei Fünftel. In diesem Fall werden zwei Fünftel, das entspricht 40 Prozent des Transmissionswärmeverlustes durch das Gründach eingespart. Da nach Vorschrift die Dimensionierung der Heizung auf eine extreme Außentemperatur von -15° C bzw. -20° C ausgelegt werden muss, diese aber im Dachbereich gar nicht auftritt (minimal 0°C), werden dabei Heizanlagen unnötigerweise überdimensioniert und teuer. Doch nicht allein niedrigere Beschaffungskosten, sondern vor allem der durch das Gründach verringerte Energieverlust sparen dem Hausbesitzer Kosten.
Diese Energieeinsparungsmöglichkeiten sind nicht in den Normen und damit nicht in der jetzigen Wärmeschutzverordnung und nicht in der zukünftigen Energieeinsparverordnung (ab 2002) berücksichtigt. Deshalb werden sie auch bei der Wärmebedarfsermittlung unbeachtet gelassen.

Bei Gründächern mit üblichem Aufbau von nur 8 - 12 cm Substrat und weniger dichter Vegetation aus Wildkräutern, Wildgräsern und Sedum sind die genannten positiven Wirkungen wesentlich geringer. Das Kasseler Labor konnten mit seiner Untersuchung beweisen, dass es für eine möglichst positive Klimatisierungswirkung wichtig ist, eine spezielle dichte Wildgräservegetation und eine ausreichend dicke Erdschicht zu wählen, um diese positiven Effekte zu erreichen.

... mehr zu:
»Energiekosten »Gründach

Ein dichtes Vegetationspolster ist vor allem durch Wildgräser wie Rotschwingel (festuca rubra genuina und commutata) Schafschwingel (festuca ovina) und Wiesenrispe (poa pratensis) sowie mit einem Magersubstrat mit 14-16 cm Dicke erreichbar. An Dachrändern haben sich wegen ihrer höheren Dürreresistenz und dichten Polsterwirkung Thymian-Sorten bewährt.

Kontakt und weitere Information:
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Gernot Minke
Forschungslabor für Experimentelles Bauen


Universität Gesamthochschule Kassel
Menzelstrasse 13
34109 Kassel
Tel.0561-804-5312/-5315 oder abends (0561) 88 30 50
Fax: 0561-804-5428
E-Mail feb@archtektur.uni-kassel.de

Ingrid Hildebrand | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de/fb12/fachgebiete/feb/

Weitere Berichte zu: Energiekosten Gründach

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Holzhäuser bei grauer Energie im grünen Bereich
22.06.2017 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Wie Menschen Schäden an Gebäuden wahrnehmen
22.06.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften