Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Hefepilz gegen Hühnerviren

31.01.2012
Wenn von Viren im Geflügel die Rede ist, dann meist in Verbindung mit Vogelgrippe oder ähnlichen Seuchen.
Viren werden Hühnern aber auch gezielt unter die Haut gespritzt, um die Tiere vor Krankheiten zu schützen. Weniger riskant und zudem kostengünstiger ist ein Impfstoff aus Hefe, den Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) jetzt entwickelt haben. Anstatt eines Virus enthält die neue Hefe-Impfung lediglich ein virales Protein.

„95 Prozent der damit geimpften Hühner waren nach zwei bis drei Testimpfungen gegen die Geflügelkrankheit Infektiöse Bursitis immun“, berichtet Professor Sven-Erik Behrens. Gemeinsam mit der Hefegenetikerin Prof. Karin Breunig arbeitet der Virologe im Forschungsprojekt VAKZiNOVA seit drei Jahren an der Entwicklung neuartiger Hefe-Impfstoffe. „Hefen gehören zu den Mikroorganismen, deren Oberflächenmerkmale das Immunsystem anstoßen können“, erläutert Karin Breunig, die seit über 25 Jahren mit Milchhefestämmen arbeitet.

Damit die Hühner nach der Impfung die gewünschten Antikörper produzieren, isolierte die Arbeitsgruppe von Sven-Erik Behrens zunächst die Gene verschiedener Virusproteine, mit denen immunisiert werden sollte. „Anschließend musste die Hefe genetisch so modifiziert werden, dass sie in größeren Mengen solche Virusproteine mit antigenen Eigenschaften herstellt“, erläutert Karin Breunig.

Hefen haben gegenüber anderen Impfstoffen mehrere Vorteile: „Sie lassen sich kostengünstig in großen Mengen herstellen und einfach lagern. Außerdem haben sie klare Anwendungsvorteile, da wir mit einem sogenannten Subunit-Vakzin impfen. Damit können geimpfte Tiere von natürlich infizierten Tieren unterschieden werden, was bei einem Krankheitsausbruch sehr wichtig ist“, erklärt Behrens. In gängigen Impfverfahren werden die Hühner mit einem abgeschwächten oder abgetöteten Virus geimpft, das zuvor in Tieren herangezüchtet wurde. Der neu entwickelte Hefe-Impfstoff enthält hingegen lediglich ein virales Protein. „Damit ist die Impfstoffentwicklung tierfreundlicher, und es entfallen auch die Risiken, die mit einer Viren-Impfung verbunden sind.“

Im Herbst 2011 ließen die halleschen Wissenschaftler ihren Impfstoff an Hühnern in den USA testen. Mit Erfolg: Nahezu alle Tiere entwickelten den passenden Antikörper gegen Infektiöse Bursitis. Die Patente auf den erfolgreichen Hefestamm und das neue Impfverfahren haben die Forscher bereits beantragt. Mithilfe von klinischen Tests wollen sie den Prototyp nun so optimieren, dass das Verfahren bald industriell umgesetzt werden kann. Um die kostenintensiven Tests finanzieren zu können, bewerben sich die beiden Forscher zurzeit um neue Fördergelder. Bis 2011 wurde VAKZiNOVA vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Daneben setzen Sven-Erik Behrens und Karin Breunig auch ihre Grundlagenforschung fort: „Unser Ziel ist es, auch für andere Virussysteme Impfstoffe zu entwickeln. Das erfordert weitere Grundlagenforschung zur Wirkung der jeweils eingesetzten Virusproteine“, erläutert Behrens. Auch an einer Form der oralen Impfung durch Hefe im Futter arbeiten die beiden Wissenschaftler der MLU.
Anprechpartner:
Prof. Dr. Sven-Erik Behrens
Naturwissenschaftliche Fakultät I, Institut für Biochemie und Biotechnologie
Telefon: 0345 55 24960
E-Mail: sven.behrens@biochemtech.uni-halle.de

Prof. Dr. Karin Breunig
Naturwissenschaftliche Fakultät I, Institut für Genetik
Telefon: 0345 55 26302/04
E-Mail: karin.breunig@genetik.uni-halle.de

Corinna Bertz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft
06.12.2016 | Steinbeis-Europa-Zentrum

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie