Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gentechnik im Mais – Bt-Toxin dient Mikroorganismen als Nahrung

05.06.2015

Publikation des Thünen-Instituts klärt das Schicksal des Bt-Toxins Cry1Ab in Böden auf

Das Bt-Toxin Cry1Ab ist ein Protein (Eiweiß), das in der Natur von Bakterien der Gattung Bacillus gebildet werden kann. Es wirkt gegen bestimmte Insektenlarven und verleiht, wenn es gentechnisch übertragen wird, Pflanzen wie Mais die Fähigkeit, sich gegen Schadinsekten wie den Maiszünsler zu schützen.


Boden eines Maisfeldes

(Foto: Thünen-Institut)

Dieser sog. BT-Mais gehört heute zu den weltweit am häufigsten angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen überhaupt. Auch in der EU ist ihr Anbau prinzipiell zugelassen, die einzelnen Mitgliedstaaten können allerdings in Eigenregie über ein mögliches Anbauverbot entscheiden. Das Thünen-Institut erarbeitet in diesem Zusammenhang für die politischen Entscheidungsträger wissenschaftliche Grundlagen.

Frühere Untersuchungen des Thünen-Instituts durch das Forscherteam um Prof. Dr. Christoph Tebbe haben gezeigt, dass das Cry1Ab beim Anbau von BT-Mais in den Boden gelangt. Dies geschieht in geringem Maße während des Maisanbaus über die Wurzeln, vor allem aber nach der Ernte durch die auf dem Feld verbliebenen Pflanzenreste (1).

Für eine Umweltrisiko-Analyse ist es wichtig zu verstehen, was dann im Boden mit dem Protein geschieht. Bisherige Untersuchungen belegten bereits, dass Cry1Ab im Boden kaum nachweisbar war. Dabei blieb allerdings unklar, ob es nur im Boden gebunden oder auch tatsächlich abgebaut wurde.

Die Thünen-Forscher nutzten für ihre aktuellen Arbeiten ein Isotopen-markiertes Cry1Ab-Protein, das es ihnen erlaubte, die Kohlenstoffatome des Cry1Ab und ihre Abbauprodukte eindeutig nachzuweisen. Dabei zeigte sich, dass Cry1Ab zunächst an Bodenbestandteile, vor allem an Tonpartikel bindet, und von dort aus langsam in die wässrige Bodenphase abgegeben wird.

Sobald die Proteine im Bodenwasser auftauchen, werden sie von den dort lebenden Bodenmikroorganismen mit sehr hoher Effizienz abgebaut: Die Mikroorganismen nutzen das Protein als Nahrungsquelle, genau so, wie sie es mit den vielen anderen natürlichen Proteinen tun, die von Pflanzen in den Boden abgebeben werden.

Die Bindung des Cry1Ab an die Bodenbestandteile verlangsamt den Abbau, doch der Hunger der Bodenmikroorganismen sorgt dafür, dass die wassergelöst verfügbare Cry1Ab-Konzentration extrem niedrig bleibt. Damit ist eine Weiterverbreitung des Cry1Ab durch Regenwasser bis in unser Trinkwasser extrem unwahrscheinlich. Die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse wurden jetzt in einer internationalen Zeitschrift veröffentlicht (2).

(1) Baumgarte S, Tebbe CC (2005) Field studies on the environmental fate of the Cry1Ab Bt-toxin produced by transgenic maize (MON810) and its effect on bacterial communities in the maize rhizosphere. Molecular Ecology 14, 2539-2551

(2) Valldor P, Miethling-Graff R, Martens R, Tebbe CC (2015) Fate of insecticidal Cry1Ab protein of GM crops in two agricultural soils as revealed by 14C-tracer studies. Applied Microbiology and Biotechnology, online; DOI 10.1007/s00253-015-6655-5

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut
Weitere Informationen:
http://www.ti.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Kaskadennutzung auch bei Holz positiv
11.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Warum pflanzt man Bäume auf dem Acker?
29.11.2017 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik