Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Agrarpolitik der Europäischen Union vor Ost-Erweiterung reformieren"

18.09.2001


Institut für Agrarökonomie, DIW und Institut für Europäische Politik legen Studie vor

Nach der Ost-Erweiterung der Europäischen Union (EU) im Jahr 2007 muß im Bereich der Agrarpolitik mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 15,7 Milliarden Euro für Direktzahlungen an Landwirte, Preisstützungen und Strukturmaßnahmen im ländlichen Raum gerechnet werden, wenn die EU die ohnehin erforderlichen Reformen nicht so schnell wie möglich in Angriff nimmt. "Der Beitritt von zehn Ländern Ost- und Mitteleuropas sowie von Malta und Zypern ist zwar in jedem Fall finanzierbar, doch wird der Reformdruck immer stärker", so Prof. Dr. Stefan Tangermann vom Institut für Agrarökonomie der Georg-August-Universität Göttingen. Die Göttinger Forschungseinrichtung hat zusammen mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) und dem Institut für Europäische Politik Berlin für das Bundesministerium der Finanzen eine Studie über die ökonomischen Folgen der geplanten EU-Erweiterung und die möglichen strukturellen Konsequenzen vorgelegt.

Wie Prof. Tangermann erläutert, müssten für Preisstützung bei Agrarprodukten sowie Strukturmaßnahmen im ländlichen Raum 2,8 und 3,2 Milliarden Euro zusätzlich aufgewendet werden. Der größte Kostenfaktor allerdings seien die Direktzahlungen an Landwirte. Sie machen nach Angaben des Göttinger Wissenschaftlers inzwischen die Hälfte aller Ausgaben für die EU-Agrarpolitik aus und werden, in der bestehenden Form auf die Beitrittsländer ausgedehnt, voraussichtlich Zusatzkosten in Höhe von 9,7 Milliarden Euro verursachen. "Andererseits können die Landwirte in den neuen Mitgliedsländern der Europäischen Union nicht einfach von diesen Zahlungen ausgeschlossen werden, wenn sie in den alten EU-Mitgliedsstaaten unverändert weiterlaufen", betont der Agrarökonom. Er fordert: "Eine Reform der Agrarpolitik sollte vor dem Beitritt der ersten Länder aus Ost- und Mitteleuropa beschlossen werden, denn die neuen Mitgliedsstaaten werden an Veränderungen kein Interesse haben, weil sie von der bisherigen Politik profitieren würden."

Für eine Neustrukturierung der Direktzahlungen an die Landwirte könnten, so der Göttinger Agrarökonom, verschiedene Wege beschritten werden. Prof. Tangermann: "Eine Möglichkeit wäre, die Zahlungen nicht mehr voll aus Brüssel zu finanzieren, sondern zum Teil aus den Haushalten der Mitgliedsstaaten selbst zu begleichen." Eine andere Option sei die schrittweise Reduktion der Zahlungen und eine teilweise Umwidmung dieser Gelder für Maßnahmen der ländlichen Entwicklung. "In jedem Fall aber sollten die Direktzahlungen von der Produktion entkoppelt werden, um nicht weiter die Erzeugung von Überschüssen anzuheizen."

Die Reformanstrengungen sind nach den Worten von Prof. Tangermann gerade für die Bundesrepublik von besonderer Bedeutung. "Bleibt die gegenwärtige EU-Agrarpolitik unverändert, so muss Deutschland nach der Osterweiterung zusätzlich 2,4 Milliarden Euro an den Haushalt der EU zahlen, wird also noch mehr Netto-Zahler als bisher."

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Stefan Tangermann
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Institut für Agrarökonomie
Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen
Tel. 0551/39-4822, Fax 0551/39-4823
E-Mail: stanger@gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.gwdg.de/~uaao/

Weitere Berichte zu: Direktzahlungen Göttinger Landwirt Zahlungen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz