Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Agrarökologie: Blühende Rapsfelder fördern Hummeln in der Agrarlandschaft

29.10.2003


Studie von Göttinger Forschern: Nicht nur Naturlandschaften bieten optimalen Lebensraum


Ackerhummel am Klee (Foto: Catrin Westphal)


Rapslandschaft (Foto: Susanne Schiele)



Als Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen haben Hummeln eine wichtige Funktion in unserer Agrarlandschaft. Ihr Vorkommen ist jedoch durch die Zerstörung naturnaher Lebensräume und die Intensivierung der Landwirtschaft bedroht. Wissenschaftler der Universität Göttingen haben herausgefunden, dass großflächig angebaute, blühende Kulturpflanzen wie etwa Raps die Verbreitung dieser Insekten fördert. Das Forscherteam des Fachgebietes Agrarökologie widerlegt mit seiner Studie die unter Wissenschaftlern und Naturschützern verbreitete Meinung, dass naturbelassene Landschaften den optimalen Lebensraum für Hummeln darstellen. Bei Umweltmaßnahmen im Agrarbereich soll daher, so folgern die Agrarökologen, auch der Beitrag großer Anbauflächen für den Umweltschutz und den Erhalt der Artenvielfalt berücksichtigt werden. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift "Ecology Letters" publiziert.



"Insbesondere Hummelköniginnen, die im Frühjahr neue Kolonien gründen und die erste Generation von Arbeiterinnen allein heranziehen, profitieren von den massenhaft verfügbaren Rapsblüten", erläutert Agrarwissenschaftlerin Catrin Westphal. Mit geringem Aufwand könnten die Insektenköniginnen größere Mengen Nektar und Pollen in den Blütenfeldern sammeln und so das Überleben ihrer Nachkommen sichern. Bisher wurde die Bedeutung des massenhaften Blütenangebots von blühenden Kulturpflanzen, so genannten Massentrachten, aufgrund der kurzen Blühperioden als gering eingestuft. Catrin Westphal: "Hummeln profitieren allerdings von Massentrachten nur dann, wenn ihnen zusätzlich ausreichend Nistplätze und ein kontinuierliches Blütenangebot in den naturnahen Lebensräumen der Agrarlandschaft zur Verfügung stehen. Aufgrund der hohen Mobilität von Hummeln sollten Agrarumweltmaßnahmen auf Landschaftsebene und nicht nur lokal für einzelne Lebensräume umgesetzt werden."

In der Umgebung von Göttingen hatten die Wissenschaftler 16 kreisförmige Untersuchungsgebiete definiert, die von intensiv landwirtschaftlich genutzen Gebieten bis zu Landschaften mit zahlreichen naturbelassenen Lebenräumen reichten. Im Zentrum dieser Landschaftsausschnitte wurde die Dichte der Hummeln bestimmt. "Gab es in den Landschaftsausschnitten durch blühende Massentrachten mehr verfügbare Nahrungsressourcen für die Hummeln, konnten wir einen positiven Effekt auf die Hummeldichten nachweisen", so Catrin Westphal. Die Agrarwissenschaftlerin hat die Untersuchung im Rahmen ihrer Doktorarbeit durchgeführt. Betreut wurde sie dabei von Privatdozent Dr. Ingolf Steffan-Dewenter und Prof. Dr. Teja Tscharntke. Ihr Projekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert und ist dem Biolog-Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) angegliedert.

Kontakt:

Catrin Westphal
Georg-August-Universität Göttingen
Agrarwissenschaftliche Fakultät
Fachgebiet Agarökologie
Waldweg 26, 37073 Göttingen
Telefon 0551-39-2111, Fax -8806
e-mail: c.westphal@uaoe.gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.gwdg.de/~uaoe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Acht europäische Länder im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer
06.01.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Kleinbauern in Afrika: Clevere Milchkühlung – dank Solar auch ohne Stromanschluss
02.01.2017 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie

Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht

23.01.2017 | Bildung Wissenschaft

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten