Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Gentechnik-Kennzeichnung - Ende einer jahrelangen Debatte

04.07.2003


Ab Anfang 2004 werden Verbraucher möglicherweise vermehrt Lebensmittel in den Regalen finden, die den Hinweis "genetisch verändert" oder "aus genetisch verändertem.... hergestellt" tragen. Diese Entscheidung fiel gestern im Europaparlament durch die Verabschiedung von zwei wichtigen Verordnungen in Sachen "Gen-Food". Die europäischen Kennzeichnungsvorschriften für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sind nun die strengsten der Welt. Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Mais oder Soja waren bisher auch schon zugelassen. Sie mussten allerdings nicht gekennzeichnet werden, wenn sie so gereinigt waren, dass die gentechnisch veränderten Bestandteile nicht mehr nachweisbar waren. Das gilt zum Beispiel für Sojaöl aus gentechnisch veränderten Sojabohnen oder Glukosesirup aus gentechnisch verändertem Mais.

Was ist neu?

Die neuen Regelungen schreiben vor, dass Hersteller von gentechnisch veränderten Lebensmitteln oder Lebensmittelzutaten den Einsatz der Gentechnik über den ganzen Produktionsprozess dokumentieren müssen. Das kann dazu führen, dass ein Hinweis auf Gentechnik in der Zutatenliste einer Wurst erscheint, die Dextrose (ein Zuckerbaustein) aus gentechnisch verändertem Mais enthält. Die Kennzeichnungsvorschriften gelten auch für Futtermittel, nicht jedoch für Fleisch von Tieren, die gentechnisch verändertes Futter erhalten haben. Die Regelungen schreiben weiter vor, dass alle Produkte, die schon einmal zugelassen wurden, jetzt noch einmal ein neues Zulassungsverfahren durchlaufen müssen. Diese Zulassung gilt nur für 10 Jahre. Für Lebensmittel, die zufällig mit gentechnisch verändertem Material verunreinigt sind gibt es einen Schwellenwert. Enthält ein herkömmliches Lebensmittel oder eine Lebensmittelzutat mehr als 0,9 Prozent GVO-Material, dann tritt auch hier die Kennzeichnungspflicht in Kraft.

Die Konsequenzen

Mit den beiden neuen Rechtsvorschriften wird eine jahrelang andauernde Diskussion beendet. Verbraucher, die keine GVO-Lebensmittel kaufen wollen, können dies mit einem Blick auf das Etikett vermeiden. Bundesverbraucherministerin Renate Künast bezeichnete die Beschlüsse des Europäischen Parlamentes als wichtigen Schritt zur Sicherheit der Wahlfreiheit. Gegner der Gentechnik bedauern, dass das so genannte "europäische Gentechnik-Moratorium" fällt. Fünf Jahre lang hatte die EU keine GVO-Pflanzen mehr zugelassen, weil die entsprechenden Rechtsvorschriften fehlten. Mit einem Boom von gentechnisch veränderten Lebensmitteln rechnet die Umweltorganisation Greenpeace jedoch nicht. "Viele Firmen sind auf diese Entwicklung schon vorbereitet und haben ihre Produktion so umgestellt, dass sie keine GVO-Bestandteile nutzen und dementsprechend auch nicht kennzeichnen müssen", meint Henning Strodthoff, Gentechnik-Experte von Greenpeace. Nach einer Greenpeace-Umfrage wollen 170 von 216 befragten Lebensmittelherstellern definitiv auf jegliche Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen verzichten. Besonders bei Soja und Sojaprodukten wird das nicht einfach sein, da bereits 70 Prozent der Weltsojaernte aus GVO-Soja besteht. Weltweit werden auf rund 50 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, diese Fläche ist doppelt so groß wie Italien.

Gesa Maschkowski | aid
Weitere Informationen:
http://www.transgen.de
http://www.greenpeace.de

Weitere Berichte zu: Gentechnik Kennzeichnungsvorschriften Lebensmittelzutat Mais Soja

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie