Osterweiterung und ländlicher Raum – IAMO-Expertenrunde auf der Grünen Woche

Das Gewicht der Landwirtschaft und des ländlichen Raums für die Gestaltung der Lebensverhältnisse in der EU hat durch den Beitritt vieler mitteleuropäischer Staaten zugenommen. Namhafte Experten diskutierten daher im Rahmen des 12. Ost-West-Agrarforums der Grünen Woche auf einem agrarpolitischen Symposium „Ländliche Räume in Mittel- und Osteuropa – Chancen und Herausforderungen“ Perspektiven der ruralen Entwicklung. Veranstalter war das Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) aus Halle (Saale).


Die Rolle der Landwirtschaft für die zukünftige Entwicklung ländlicher Räume wurde im Zuge der zurückliegenden Reformen immer mehr zum Schlüsselthema der europäischen Agrarpolitik. Strukturwandel und marktwirtschaftliche Transformationsprozesse werfen die grundsätzliche Frage nach einer Neudefinition der Rolle der Landwirtschaft im ländlichen Raum auf. Prof. Csaba Csaki, Corvinus Universität, Budapest und langjähriger Mitarbeiter der Weltbank, Dr. Gerhard K. Heilig, International Institute for Applied Systems Analysis (IASA), Laxenburg, Österreich, Urszula Budzich Szukala, Fonds für Zusammenarbeit, Warschau, Prof. Alexander V. Petrikov, Russische Akademie der Agrarwissenschaften, Dr. Ulrich Neubauer, Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft sowie Sabine Baum und Dr. Peter Weingarten, beide Mitarbeiter des IAMO, stellten sowohl aktuelle agrarökonomische als auch soziale Aspekte der ländlichen Entwicklung in ihren Beiträgen zur Diskussion.

Der landwirtschaftliche Sektor hat in den meisten mittel- und osteuropäischen Ländern eine wesentlich größere wirtschaftliche und soziale Bedeutung als in der bisherigen EU-15. Dabei hat der Transformationsprozess erhebliche Auswirkungen auf die ländlichen Räume: Der Mangel an außerlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen, die Abwanderung von qualifizierten Arbeitskräften und das oftmalige Fehlen von leistungsfähigen Institutionen stellen nur einige Probleme dar. Das Symposium verfolgte das Ziel passende Ansätze für eine nachhaltige rurale Entwicklung zu identifizieren und diskutieren. Dabei wurden einige Punkte von fast allen Referenten genannt. Sie forderten insbesondere ein sektorübergreifendes Vorgehen als Voraussetzung für eine integrierte ländliche Entwicklung, die zu einer Verzahnung der Landwirtschaft mit vor- und nachgelagerten Sektoren sowie der Tourismusbranche führt. Des weiteren sollten politische Entscheidungsträger in Brüssel und auf nationaler Ebene bei der Gestaltung von regionalen Entwicklungsprogrammen darauf achten, dass die besonderen Potentiale jeder Region ausreichend Berücksichtigung finden. Auch eine Abstimmung der vielfältigen Förderprogramme für den ländlichen Raum wurde als wichtige Zukunftsmaßnahme angesehen.

Hierdurch lasse sich ermöglichen, dass gezielt bewährte Ansätze weiterverfolgt werden und gegenseitige Lerneffekte der Regionen Unterstützung findet. Ein Kernelement jedes Entwicklungsprozesses stelle die Mobilisierung lokaler Akteure dar. Das verdeutlichte Frau Budzich-Szukala am Beispiel einer regionalen Partnerschaft in Polen, die aus Protest gegen den staatlichen, monopolistischen Telekommunikationsanbieter gegründet wurde und sich im folgendem zu einem wichtigen Initiator regionaler Wertschöpfung entwickelte. Inzwischen gibt es weitere erfolgreiche Projekte in der Region, die auf die Unterstützung lokale Akteure bauen können.

Auf der einen Tag später stattfindenden traditionellen Kooperationsbörse im Rahmen des Ost-West Agrarforums fand der vom IAMO koordinierte Netzwerkbericht der Europäischen Kommission zur Zukunft der ländlichen Räume große Aufmerksamkeit. Dieser ist nun der Öffentlichkeit zugänglich. Der Bericht kann aus dem Internet heruntergeladen werden unter der Adresse http://europa.eu.int/comm/agriculture/publi/reports/ccrurdev/index_en.htm

Ansprechpartner: Dr. Klaus Reinsberg, IAMO, Tel. ++49 345 2928 133, Fax: -199, reinsberg@iamo.de.

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Dr. Klaus Reinsberg idw

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