Das IoT-Plattform-Massensterben

Bild: Paulo Ferreira da Silva (Novatec Consulting GmbH)

Überlebensstrategien für den digitalen Wandel.

IoT-Plattformen sind für IoT-Infrastrukturen von entscheidender Bedeutung. Sie sammeln Daten von verschiedensten Datenquellen wie Sensoren, ermöglichen darauf basierend Datenanalysen und managen IoT-Geräte. Dadurch werden neue Anwendungen ermöglicht, die zuvor undenkbar waren. Die dynamische Natur der digitalen Technologie und der zunehmende Wettbewerb führen jedoch zu schnellen Veränderungen, die sich auch als „Massensterben von IoT-Plattformen“ äußern, wie prominente Beispiele zeigen. Dies birgt vielfältige Risiken für die betroffenen Unternehmen. Mit alternativen Strategien jedoch minimieren Unternehmen ihre Abhängigkeit von einzelnen IoT-Plattformen und gehen so gestärkt aus der Krise hervor.

Herausforderungen der Digitalen Transformation

Der digitale Wandel erfordert stets den Einsatz neuer Technologien und eine permanente Weiterentwicklung von Unternehmenskultur und Geschäftsmodellen. Unternehmen müssen neue Kompetenzen erwerben, Prozesse optimieren und Arbeitsweisen überdenken, um mit Big Data, fortschrittlichen Analysetools, digitalen Infrastrukturen, Datensicherheit und neuen Arbeitsprozessen umzugehen. 

Die Nutzung einer IoT-Plattform bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich:

  • Die Auswahl einer IoT-Plattform, die sich auf Effizienz, Sicherheit und Skalierbarkeit auswirkt, ist angesichts von mehr als 600 verfügbaren Plattformen aufwendig und nicht leicht zu treffen. Welche wird überleben?
  • Die Integration von IoT-Plattformen in bestehende IT-Systeme erfordert immer Entwicklungsarbeit.
  • IoT-Plattformen sind oft geschlossen und erschweren damit eine maßgeschneiderte Integration in individuelle Infrastrukturen.
  • Die Bewertung der Aktualität von IoT-Plattformen hinsichtlich Standards und technologischer Entwicklung ist komplex und erfordert Erfahrung.

Die rasante Entwicklung der Technologie stellt die Zukunftsfähigkeit von IoT-Plattformen in Frage. Was heute fortschrittlich ist, kann morgen schon veraltet sein. Der wettbewerbsintensive IoT-Markt führt zu schnellen Veränderungen. Unternehmen sollten sich daher für einen IoT-Plattformwechsel wappnen.

Große IoT-Plattformen verschwinden

Die Auswirkungen des schnellen Verschwindens von IoT-Plattformen sind bereits sichtbar, wie IBM Watson IoT, SAP Internet of Things und Google Cloud IoT Core zeigen. Weitere Beispiele sind Integrationen von IoT-Plattformangeboten in übergeordnete Angebote, bei denen der IoT-Bezug nur eines von vielen weiteren Features ist. Gründe dafür sind Sparzwang oder strategische Konsolidierung.

Trotz der anhaltenden Nachfrage nach IoT-Lösungen gelingt es etablierten Anbietern nicht immer, ihre Angebote erfolgreich zu platzieren. Intensiver Wettbewerb, Kostendruck, technische Entwicklungen und hohe Gewinnerwartungen führen zu einer natürlichen Auslese. Gleichzeitig hat der jahrelange IoT-Hype zu einem Überangebot an Produkten geführt.

Risiken für Unternehmen

Das Verschwinden einer IoT-Plattform hat erhebliche Konsequenzen für Unternehmen:

  • Die Betriebsunterbrechung verursacht finanzielle Einbußen.
  • Die Umstellung auf eine andere IoT-Plattform erfordert einen erheblichen Aufwand.
  • Das Vertrauen der Kunden leidet unter möglichen Störungen.
  • Langfristige Investitionen in eine bestimmte Plattform gehen verloren.

Um die Auswirkungen eines IoT-Plattformwechsels zu minimieren, müssen Abhängigkeiten minimiert und die digitale Transformation vorangetrieben werden.

Strategien zur Minimierung der Abhängigkeit von IoT-Plattformen

  • Aufbau von IoT-Know-how und Verständnis der aktuellen Lösung:

Eine ausführliche Dokumentation ermöglicht die Weiterentwicklung oder den Wechsel auf eine andere Plattform. Stets aktuelle Lösungen lassen sich leichter auf andere Anbieter migrieren, als veraltete.

  • Interoperable Werkzeuge und offene Standards:

Der Einsatz von Standards wie MQTT und OPC UA für die Datenkommunikation, Standardarchitekturen wie Sensor-Gateway-Cloud vereinfachen einen Plattformwechsel.

  • Nicht alles auf eine Karte setzen:

Definition klarer Verantwortlichkeiten für die IoT-Plattform und Nutzung dedizierter Tools für langfristige Datenspeicherung, Geschäftsprozesse und komplexe Datenanalysen, minimieren die Geschäftsrisiken.

  • APIs bewusst einsetzen:

Der Einsatz unterstützter APIs (Schnittstellen) zur Interaktion zwischen Systemen ermöglicht eine flexible und einfache Anpassung der Infrastruktur.

  • Notfallplanung:

Für Risiken, die aufgrund des hohen Nutzens in Kauf genommen werden, zum Beispiel bei spezialisierten IoT-Plattformen, sollte ein Notfallplan erstellt werden, der alternative Lösungen vorhält.

Diese proaktiven Schritte helfen, das Risiko eines Ausfalls von IoT-Plattformen zu managen und eine nachhaltige, robuste digitale Transformationsstrategie zu entwickeln.

Digitale Transformation als Chance

Das Sterben der IoT-Plattformen birgt allerdings auch Chancen: Unternehmen können ihre Innovationskraft stärken, indem sie Abhängigkeiten minimieren und dadurch resilienter, offener und transparenter werden. Wenn sie diese Herausforderung annehmen und ihre digitalen Strategien und Prozesse kontinuierlich überdenken, haben sie einen klaren Wettbewerbsvorteil: Sie werden als selbstbewusste Mitgestalter wahrgenommen und können ihren Kunden digitale Mehrwerte bieten. Dies geschieht auf Basis einer robusten, anpassungsfähigen Infrastruktur, ohne Gefahr zu laufen, bei jedem kleinen digitalen Erdbeben Risse zu bekommen.

Ausblick

Die Zukunftsfähigkeit von IoT-Plattformen birgt Unsicherheiten, aber auch Chancen. Unternehmen minimieren ihre Abhängigkeit von einzelnen Plattformen, indem sie eine nachhaltige Strategie für die digitale Transformation entwickeln. Investitionen in Interoperabilität und Notfallplanung sind dabei hilfreiche Maßnahmen, denn die Konsolidierung der IoT-Plattformen schreitet weiter voran und es bleibt unklar, welche Plattformen sich langfristig durchsetzen werden. Unternehmen profitieren von dieser Herausforderung, wenn sie sich digital robust und resilient aufstellen. Genauso, wie sie es im analogen Teil ihrer Geschäftsprozesse tun.

(Autorenprofil)

(c) Novatec

Jonas Grundler, Director New Business Development der Novatec Consulting GmbH, ist seit 2011 als Senior Managing Consultant bei Novatec in der Kundenberatung tätig. Dabei geht es ihm insbesondere darum, die Innovationskraft und Kreativität der Kunden zu stärken – Stichwort Enabling Innovation. Zudem ist Grundler auch für die strategische Weiterentwicklung der Novatec-Dienstleistungen für die Fertigungsbranche zuständig. Seit 2018 leitet er darüber hinaus den Bereich New Business Development und ist damit auch für das unternehmenseigene Business Development verantwortlich. Zudem tritt Grundler regelmäßig als Fachredner im Forum digitaler Mittelstand und seiner Webinar-Serie „Digitalisierung im Manufacturing“ auf.

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Jonas Grundler
Novatec Consulting GmbH

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