Mobile Payment: Nur eingeschränkt anwendbarer Rechtsrahmen und fehlende Geschäftsmodelle

Obwohl die Einführung kontaktloser Karten in Deutschland begonnen hat, ist der Durchbruch eines wirklich marktfähigen Mobile Payment-Systems noch immer nicht in Sicht. Dabei fehlt es an einem umfassenden Konzept zur Integration einzelner Bausteine wie Mobile Mar-keting, M-Couponing, M-Loyalty, M-Ticketing, Mobile Social Media sowie der Einbeziehung des Handels. Erst dadurch kann ein Mobile Payment-System marktdurchbruchsfähig werden. „Sollte bis Ende nächsten Jahres kein solches System entstehen, erscheint es wahrscheinlich, dass die großen US-amerikanischen Player am Zuge sein könnten“, so der Augsburger Wirtschaftsinformatiker und Mobile Payment-Experte PD Dr. Key Pousttchi. Neben zahlreichen weiteren aktuellen Trends im Mobile Payment, Mobile Marketing und Mobile Social Media werden auch diese Herauforderungen Thema auf der 13. Konferenz Mobile Communications – Technologie, Märkte, Anwendungen (MCTA 2013) zu der Pousttchi und seine Augsburger Forschungsgruppe wi-mobile für den 28. und 29. Ja-nuar 2013 wieder nach Berlin einladen.

Der Markt für Mobile Payment ist reif

Der Markt für Mobile Payment ist attraktiv. Gartner zum Beispiel erwartet für das Jahr 2015 ein weltweites Zahlungsvolumen von 429 Milliarden US-Dollar, das über Mobiltelefone abgewickelt wird. Dabei ist kontaktloses Bezahlen keine völlig neue Idee. Bereits 1997 wurde in Hong Kong die Octopus Card, eine auf Guthaben basierte kontaktlose Bezahlkarte, eingeführt. Zudem sind seit 2008 für kontaktlose Transaktionen geeignete Kreditkarten, wie etwa die Lufthansa Ma-sterCard, in größerer Zahl im Markt verfügbar, werden jedoch mangels Infrastruktur nahezu ausschließlich für klassische Transaktionen genutzt. In Deutschland haben die Sparkassen erst kürzlich eine der Octupus Card entsprechende Karte unter der Marke „girogo“ eingeführt. Über den derzeitigen Pilotversuch mit rund 1,5 Millionen Karten hinaus soll „girogo“ bis 2015 sollen alle 45 Millionen SparkassenCards mit der neuen Technologie ausgestattet werden. Von „girogo“ wird insbesondere die Entwicklung der kontaktlosen Infrastruktur am Point of Sale erwartet.

Konkurrenz aus dem Ausland

US-amerikanische Unternehmen aus dem stationären Internet wie PayPal, Google, Apple, Face-book und Amazon verfolgen allesamt bereits Payment-Aktivitäten und schaffen damit erstmals einen hohen Innovationsdruck. Dabei geht es ihnen um die Erlangung der zentralen Kundenbe-ziehung. Sie versuchen immer stärker, die Nutzer in ihren geschlossenen Systemen zu halten und ihre Lebens- und Konsumgewohnheiten zu beeinflussen. M-Payment (insbesondere auf-grund der entstehenden Transaktionsdaten) stellt hierbei eine wichtige Schlüsselposition dar. So hat PayPal in Kooperation mit der Deutschen Bank und dem Technologieanbieter Itellium einen auf QR-Codes basierenden Pilotversuch am stationären Handel gestartet. Ziel ist neben dem Testen neuer Verkaufskonzepte auch die Kundenbindung und letztendlich die Akzeptanz des Kunden, ohne die sich ein M-Payment-Verfahren nicht durchsetzen kann.

Immer noch überwiegend Trials

Gründe für die zunehmenden Mobile Payment-Aktivitäten, die derzeit allerdings noch immer überwiegend auf Trial-Ebene stattfinden, sind insbesondere die steigende Verbreitung von Smartphones sowie die Akzeptanz von Mobile Commerce und die Verschmelzung von mobilen Finanzdienstleistungen mit Zusatzdiensten. „Mobile Finanzdienstleistungen verschmelzen im-mer mehr miteinander. Auf der einen Seite generieren Banken durch Mobile Banking Services einen erheblichen Mehrwert für ihre Kunden. Zum anderen nutzen Unternehmen und Mobil-funkanbieter ihre Marketingerfahrung und werten ihr Angebot mit entsprechenden Finanz-dienstleistungen auf. In Deutschland wird z.B. die DZ Bank AG nach der erfolgreichen Umsetzung von Mobile Banking sukzessive Mobile Payment Services einführen und mit mPass ist ein erfolg-reicher mPayment-Standard der Mobilfunkanbieter Vodafone, O2 und T-Mobile eingeführt“, so Carsten Kress, Senior Director Sales EMEA bei Sybase 365.

Fehlende Marktmacht und Geschäftsmodelle

Trotz zahlreicher Versuche von Mobilfunkanbietern, Banken und spezialisierten M-Payment-Anbietern hat es bisher noch keinen folgerichtigen und konsequenten Ansatz gegeben. „Um heutzutage einen Marktdurchbruch zu erzielen, müssen M-Payment-Systeme neben der reinen Bezahlfunktionalität zusätzliche Bausteine wie etwa Mobile Marketing, Mobile Couponing, Mobi-le Loyalty, Mobile Ticketing und Mobile Social Media integrieren“, so Yvonne Hufenbach, Pro-jektleiterin für Mobile Marketing der Forschungsgruppe wi-mobile. Hierbei müssen insbesonde-re zwei Fragen gelöst werden: Einerseits die Frage nach der Marktdurchdringung und wie es gelingt, gleichzeitig eine hohe Anzahl an Händlern und Kunden in das System zu holen, anderer-seits die Frage nach dem Wertschöpfungsnetz und dem Geschäftsmodell.

Eingeschränkt anwendbarer Rechtsrahmen

Neben diesen wirtschaftlichen Fragen stellt auch der noch fehlende Regulierungsrahmen eine Herausforderungen dar. „Der allgemein geltende rechtliche Rahmen für mobile Zahlungssyste-me ist bislang nur eingeschränkt auf die Besonderheiten des mobilen Marktes eingestellt, insbe-sondere im Vertragsrecht, im Datenschutzrecht und im Finanzaufsichtsrecht“, erläutert Dr. Die-ter Neumann, Partner der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Olswang. Welche Auswirkun-gen diese Trends auf Kommunen und den öffentlichen Nahverkehr haben können, wird auch auf der TelematicsPRO Jahrestagung am 28.11.2012 in Berlin diskutiert.

Save the Date: MCTA am 28. und 29. Januar 2013 in Berlin

Aktuelle Trends im Mobile Payment, Mobile Marketing und Mobile Social Media werden auch auf der 13. Konferenz Mobile Communications – Technologie, Märkte, Anwendungen (MCTA 2013) diskutiert.
Am Workshop Day (28.01.2013) vermitteln ausgesuchte Forscher und Praktiker in Halbtages-Workshops Insights zu aktuellen Themen im Mobile. Schwerpunkte sind in diesem Jahr Mobile Security (mit Live-Demos), Multichannel-Strategien für Handelskonzerne und die Auswirkungen der Regulierung (SEPA/Interchange) auf Payment-Verfahren.

Am Conference Day (29.01.2013) erörtern Experten die mobile Zukunft. Themenschwerpunkte sind der mobile Kanal für Handel und Banken, Mobile Payment, Mobile Marketing, Mobile Social Media und Mobile Ticketing. Neben Vorträgen und Panels stehen eine Mobile Case Study Session sowie der MCTA Mobile Innovation Award auf dem Programm.

Die MCTA wird seit 2001 von der Forschungsgruppe wi-mobile der Universität Augsburg in Ko-operation mit der Gesellschaft für Informatik (GI) veranstaltet und ist im Bereich mobiler Be-zahlverfahren die führende Industrieveranstaltung im deutschsprachigen Raum. Zu ihren Allein-stellungsmerkmalen zählen die spannende Mischung der Teilnehmer aus Industrie (75%) und Wissenschaft (25%), die intensive fachliche Diskussion und das hochwertige Networking. Seit 2010 wird im Rahmen der Konferenz zudem der „MCTA Mobile Innovation Award“ verliehen, der Ausklang erfolgt traditionell bei „Cocktails & Jazzmusik“.

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Für Fragen zur MCTA 2013:
Yvonne Hufenbach, Forschungsgruppe wi-mobile, Universität Augsburg, 86135 Augsburg
Telefon +49(0)821-598-4435, yvonne.hufenbach@wi-mobile.de

Ansprechpartner für die Presse:
PD Dr. Key Pousttchi, Forschungsgruppe wi-mobile, Universität Augsburg, 86135 Augsburg
Telefon +49(0)177-6319508, key.pousttchi@wi-mobile.de

Die Augsburger Forschungsgruppe wi-mobile im Web:
http://www.wi-mobile.de

Ansprechpartner für Medien

Klaus P. Prem idw

Weitere Informationen:

http://www.wi-mobile.de

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