Bedrohte Korallenriffe im Fokus

Eine faszinierende Unterwasserwelt, die nicht mehr selbstverständlich ist. Denn die Existenz der Korallenriffe ist weltweit bedroht. Das Bild zeigt ein Riff auf den Philippinen.
(c) Heinz Krimmer

Vor einem Jahr musste sie wegen der Pandemie verschoben werden. Nun ist es soweit: Vom 19. bis 23. Juli 2021 organisiert die Universität Bremen virtuell die weltweit größte Korallenriffkonferenz. Beim International Coral Reef Symposium (ICRS) werden etwa 1.200 Teilnehmende erwartet. 2022 ist die Veranstaltung zudem in Präsenz geplant.

Das ICRS wird damit erstmals in seiner über 50-jährigen Geschichte in Bremen, Deutschland und Europa organisiert. Begleitend zu den beiden Symposien gibt es in diesem und nächsten Jahr in Bremen mehrere Veranstaltungen zur Bedeutung und Bedrohung der Korallenriffe – einige davon ebenfalls virtuell.

Ursprünglich sollte das Symposium im vergangenen Jahr unter dem Namen „14. ICRS 2020“ ausgerichtet werden. Wegen der Pandemie musste es verschoben werden. Das ICRS-Konferenzsekretariat der Universität Bremen entwickelte daraufhin unter der Leitung von Professor Christian Wild ein neues Konzept: eine rein digitale Veranstaltung, die in diesem Jahr unter dem Titel „14. ICRS 2021 VIRTUAL“ fünf Tage lang organisiert wird. Zudem soll es im nächsten Jahr eine Präsenz-Veranstaltung in Bremen unter dem Namen „15. ICRS 2022 IN-PERSON“ geben. Sie soll vom 3. bis 8. Juli 2022 stattfinden.

„Wir befinden uns in einer weltweiten Korallenriffkrise“

Das Internationale Korallenriff Symposium (ICRS) ist die mit Abstand wichtigste Veranstaltung, die sich mit den Ökosystemen der Korallenriffe beschäftigt. Seit 1967 treffen sich normalerweise alle vier Jahre Menschen aus Wissenschaft, Küstenmanagement, Umweltschutz und Politik und stellen ihre aktuellen Forschungsergebnisse vor. „Dieser Konferenz kommt eine ganz besondere Bedeutung zu“, sagt Professor Christian Wild von der Universität Bremen, der die Veranstaltung mit seinem Team organisiert. „Denn wir befinden uns in einer weltweiten Korallenriffkrise. Global sind 30 Prozent aller Korallenriffe schon verloren, 40 Prozent massiv bedroht und nur noch weniger als 30 Prozent in einem vergleichsweise guten Zustand.“ Ursachen seien vor allem der Klimawandel, die Überfischung und die Verschmutzung der Meere.

Veranstaltung „Wissenschaft und Politik im Dialog“: Teilnahme per Live-Stream möglich

Am Dienstag, 20. Juli 2021, wird um 14 Uhr im Rahmen des ICRS 2021 VIRTUAL ein bedeutendes Strategiepapier mit dem Titel „Rebuilding Coral Reefs: A Decadal Grand Challenge“ der Öffentlichkeit vorgestellt und danach zum freien Download zur Verfügung gestellt. Es richtet sich weltweit an Entscheidungstragende aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. „Wir wollen darin die Dringlichkeit von Maßnahmen deutlich machen, die zum Schutz und zur Wiederherstellung von Korallenriffen nötig sind“, sagt Dr. Sebastian Ferse vom Organisationskomitee des ICRS 2021 VIRTUAL und Organisator der Veranstaltung. Er ist Wissenschaftler am Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen. Das Strategiepapier bietet eine Zusammenfassung der relevantesten und neuesten natur- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse und liefert somit die Grundlage für Diskussionen und Verhandlungen zu Umwelt- und Naturschutz, Klimawandel und nachhaltiger Entwicklung auf lokaler und globaler Ebene.

Teilnehmende des ICRS 2021 und die interessierte Öffentlichkeit können die Veranstaltung per Live-Stream verfolgen. Sie ist hochkarätig besetzt. Zu den Sprecherinnen und Sprechern gehören:

• Botschafter Peter Thomson (Sondergesandter des UN-Generalsekretärs für die Ozeane)
• Nancy Knowlton (Leitende Autorin des Strategiepapiers, Smithsonian Institution)
• David Obura (Mitwirkender Autor, Gründungsdirektor von CORDIO Ostafrika)
• Rita Schwarzelühr-Sutter (Parlamentarische Staatssekretärin im deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU))
• Abdulla Naseer (Staatsminister für Umwelt, Malediven)
• Leticia Carvalho (Leiterin der Meeres- und Süßwasserabteilung, UN Umweltprogramm)
• David Souter (Global Coordinator, Global Coral Reef Monitoring Network)
• Andréa Grottoli (Präsidentin der International Coral Reef Society)

Organisiert wird „Wissenschaft und Politik im Dialog“ unter der Schirmherrschaft des Internationalen Korallenriff-Symposiums 2021 von Future Earth Coasts, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, der International Coral Reef Society, dem UN Umweltprogramm, der International Coral Reef Initiative, der Fürst Albert II von Monaco-Stiftung und der Kellner & Stoll Stiftung für Klima und Umwelt der Universität Bremen. Weitere Informationen gibt es unter: www.icrs2021.de/program/science-policy-dialogue

Zahlreiche Veranstaltungen 2021 und 2022 in Bremen

Um auf die Bedeutung und Bedrohung der Korallenriffe aufmerksam zu machen, plant das Organisationsteam des ICRS in diesem und nächsten Jahr zahlreiche Veranstaltungen in der Hansestadt gemeinsam und mit Unterstützung folgender Partner: Dem Übersee-Museum Bremen, dem Haus der Wissenschaft, der Meeresschutzorganisation DEEPWAVE und dem Magazin Science Notes. Folgende Veranstaltungen finden 2021 statt:

Überseemuseum Bremen

Bereits seit Mai dieses Jahres ist im Übersee-Museum Bremen die Ausstellung „Korallenriffe – vielfältig. verletzlich. verloren?“ zu sehen. Besucherinnen und Besucher können dort bis zum 10. Juli 2022 alles Wissenswerte über die Bedeutung der Korallenriffe für die Ozeane sowie über ihre Bedrohungen durch Überfischung, Verschmutzung, Klimawandel und Ozeanversauerung erfahren. Zudem gibt es Informationen über wirksame Schutzmaßnahmen. Die Ausstellung ist zweisprachig (englisch/ deutsch) und somit auch für internationale Gäste Bremens einen Besuch wert. Gemeinsam kuratiert wurde sie vom Übersee-Museum Bremen und dem Organisationsteam des ICRS 2021 der Universität Bremen. Begleitend zur Ausstellung erläutert am 21. September 2021 der Sachbuchautor Heinz Krimmer „Wie Korallen unsere Welt verändern“.

Virtueller Filmabend

Einen spannenden Filmabend verspricht das „Saving Corals – ICRS Filmfestival“, das von der Meeresschutzorganisation DEEPPWAVE ausgerichtet wird. Im Rahmen des ICRS 2021 VIRTUAL wird es am Sonntag, 18. Juli 2021, virtuell stattfinden: www.deepwave.org/icrs .

Virtueller Themenabend

Das Magazin Science Notes lädt am 4. November 2021 zu einer Abendveranstaltung ein, die sich vor allem an das junge Publikum richten. „Was tun gegen die Korallenriffkrise?“ ist das Thema der virtuellen Veranstaltung. Es informieren und diskutieren Professor Christian Wild sowie Dr. Carin Jantzen von SECORE INTERNATIONAL – give coral reefs a future.

Bremen ist ein bedeutender Wissenschaftsstandort in der Meeresforschung

Bremen verfügt in der Meeresforschung über geballtes Wissen und ein exzellentes Netzwerk an Partnerinnen und Partnern. An der Universität, den angrenzenden außeruniversitären Einrichtungen im Technologiepark Bremen und in der gesamten Region arbeiten Forschende in der Ozeanografie und Umweltphysik, den Marinen Geowissenschaften, Meeresbiologie und -chemie interdisziplinär zusammen. Eingebunden in die Meeresforschung sind auch die Rechts-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Meeres-, Polar- und Klimaforschung ist ein Wissenschaftsschwerpunkt der Universität Bremen, den sie strategisch fördert. Am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen ist der Exzellenzcluster „Der Ozeanboden – unerforschte Schnittstelle der Erde“ angesiedelt. Hier kooperieren Forschende eng mit den Einrichtungen in der Region sowie mit internationalen Partnerinnen und Partnern. So viel unterschiedliche Expertise an einem Standort ist in den Meereswissenschaften deutschlandweit einmalig und weltweit nur an sehr wenigen Standorten realisiert. Das zeigt sich zum Beispiel in der Korallenforschung. Hier beteiligen sich verschiedene Akteurinnen und Akteure der Universität Bremen – zum Beispiel das BreMarE-Zentrum für Marine Ökologie und das MARUM. Auch außeruniversitäre Einrichtungen aus dem Land Bremen beschäftigen sich mit Korallenriffen, etwa das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI) und das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Sie alle tragen zur Gestaltung des International Coral Reef Symposium (ICRS) in Bremen bei.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Heinz Krimmer
ICRS 2021 Konferenzsekretariat
Marine Ökologie
Universität Bremen
E-Mail: heinz.krimmer@icrs2021.de

Weitere Informationen:

http://www.icrs2021.de/press/deutsch
http://www.icrs2021.de/press/english
http://www.icrs2021.de/program/science-policy-dialogue
http://www.icrs2021.de
http://www.uebersee-museum.de
http://www.hausderwissenschaft.de
http://www.deepwave.org
https://sciencenotes.de
http://www.leibniz-zmt.de
http://www.uni-bremen.de

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