Renommierter Forschungspreis für jungen Krebsforscher

Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Olympus Europa Stiftung Wissenschaft fürs Leben vergeben den Forschungspreis für herausragende Leistungen von Nachwuchswissenschaftlern auf den Gebieten der Grundlagenforschung oder der klinischen Forschung im Bereich Endoskopie.

Seine prämierte Arbeit mit dem Titel „Colorectal cancer mortality prevented by use and attributable to nonuse of colonoscopy“, ist im März dieses Jahres als „issue highlight“ in der angesehenen US-amerikanischen Zeitschrift „Gastrointestinal Endoscopy“ erschienen. Christian Stock leistete mit der zugleich methodischen und empirischen Publikation einen wichtigen Beitrag zur Abschätzung des Effekts der Darmkrebsvorsorge in der Bevölkerung. Er nahm den Endoskopie-Forschungspreis am 16. September bei der 66. Jahrestagung der DGVS in Leipzig entgegen.

Die endoskopische Darmspiegelung mit gleichzeitiger Entfernung eventuell vorhandener Polypen spielt eine große Rolle bei der Früherkennung und der Prävention von Darmkrebs. Genau beziffern ließ sich der volksgesundheitliche Nutzen dieser Untersuchung bisher jedoch nicht. In der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung des Deutschen Krebsforschungszentrums wertete Christian Stock unter anderem Krebsregisterdaten und Daten aus Gesundheitsumfragen aus, um den Effekt und das Potenzial von Darmspiegelungen bezogen auf die Sterblichkeitsrate bei kolorektalem Krebs abzuschätzen. Grundlage seiner Analyse war das Jahr 2005. In diesem Jahr waren 49 700 US-Amerikaner im Alter von 50 Jahren und mehr an Darmkrebs verstorben. Stock konnte zeigen, dass im gleichen Jahr innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe durch vorherige Inanspruchnahme einer Darmspiegelung bereits bis zu 11 700 Todesfälle durch Darmkrebs verhindert werden konnten. Gleichzeitig legte seine Auswertung jedoch offen, dass bei einer flächendeckenden Anwendung der Untersuchung fast doppelt so viele, nämlich 22 100, Todesfälle durch Darmkrebs vermeidbar gewesen wären. Dieses Ergebnis unterstreicht die Bedeutung und das Potenzial von Darmkrebsscreening-Programmen. In Deutschland wird diese Untersuchung von den gesetzlichen Krankenkassen als Vorsorgeuntersuchung ab dem 55. Lebensjahr bezahlt.

„Die Verleihung eines so angesehenen Forschungspreises bereits während der Promotionsphase bestätigt das große Talent dieses jungen Wissenschaftlers“, betont Doktorvater Professor Hermann Brenner, Leiter der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung des Deutschen Krebsforschungszentrums.

„Für mich ist diese Auszeichnung ein toller Erfolg und zugleich eine Motivation weiter auf dem Gebiet der Darmkrebsprävention zu arbeiten“, freut sich Christian Stock. Das Preisgeld wird der Nachwuchswissenschaftler daher voraussichtlich für weitere Versorgungsforschungsprojekte in diesem Bereich einsetzen.

Preisträger Christian Stock ist 33 Jahre alt und studierte Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen in Osnabrück sowie Gesundheitswissenschaften in York, Großbritannien. Er war 2008 bis Juni 2011 Doktorand im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Stipendiat der Klaus Tschira Stiftung im Rahmen des Netzwerks Alternsforschung an der Universität Heidelberg. Derzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung des DKFZ. Die prämierte Veröffentlichung ist Teil seiner Doktorarbeit, in der er sich mit der Inanspruchnahme von Koloskopien in der Allgemeinbevölkerung befasst hat.

Christian Stock, Amy B. Knudsen, Iris Landsdorp-Vogelaar, Ulrike Haug, Hermann Brenner: Colorectal cancer mortality prevented by use and attributable to nonuse of colonoscopy. Gastrointestinal Endoscopy – March 2011, DOI: 10.1016/j.gie.2010.12.005

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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