Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regionale Nähe gegen die globale Krise

06.08.2009
Überlegungen aus dem Institut Arbeit und Technik zu einer sich selbst stabilisierenden Finanzmarktarchitektur

Bei den regionalorientierten Banken liegt ein erhebliches Potenzial für stabile Bankenmärkte. Dieses gilt es auszubauen und politisch zu unterstützen, wie eine aktuelle Publikation aus dem Institut Arbeit und Technik (IAT) der Fachhochschule Gelsenkirchen zeigt.

Der deutsche Bankenmarkt mit seinen vielen Genossenschaftsbanken und Sparkassen biete empirische Hinweise darauf, dass räumliche Nähe in der Kunden-Bank-Beziehung und Verantwortung der Institute für die Wirtschaft in der Region Finanzkrisen abmildern und die kreditwirtschaftliche Versorgung sogar in schwachen Räumen aufrechterhalten kann.

So sind die ins Strudeln geratenen Banken vor allem größere Privatbanken und öffentlich rechtliche Landesbanken, die sich eben gerade bei Geschäften, bei denen der geographische Raum weniger bedeutend ist, verhoben haben. "Verbesserte Finanzmarktregulierung, eine strengere Aufsicht und eindringliche Appelle an die Wirtschaftselite sind wichtig, können aber nur bedingt gegen zukünftige Krisen schützen", so der IAT-Regionalforscher Dr. Stefan Gärtner. Notwendig seien vielmehr "Strukturen, die auch dann wirken, wenn findige Spekulanten neue Wege für ihre waghalsigen Geschäfte gefunden haben und erneut globale Krisen riskieren".

Die rund 1.100 regional orientierten Genossenschaftsbanken und 430 Sparkassen bieten gutes Anschauungsmaterial für die Funktionsweise und die Bedeutung räumlicher Nähe: Ein Grundsatz, der die Erfüllung des öffentlichen Auftrags der Sparkassen sicherstellen soll, ist das Regionalprinzip. Danach dürfen Kredite im Grundsatz nur an Institutionen, Unternehmen und Personen in der Region vergeben und nur dort Zweigstellen eröffnet werden. Ziel ist, das in der Region angesparte Geld in erster Linie zur Förderung der einheimischen Wirtschaft und Bevölkerung einzusetzen. Diese Regionalabgrenzung gilt in ähnlicher Form auch bei den Genossenschaftsbanken.

Die Informationsbeschaffung ist für Banken besonders aufwändig, wenn sie sich nicht in räumlicher Nähe zu ihren potenziellen Kreditnehmern befinden, daher ihre Kunden nicht persönlich kennen und die lokalen Märkte nicht einschätzen können. Fehlen Banken in räumlicher Nähe, kann es infolge der damit einhergehenden aufwändigeren Informationsbeschaffung zu einer kreditwirtschaftlichen Unterversorgung kommen und es besteht die Gefahr, dass selbst erfolgversprechende Investitionsvorhaben nicht finanziert werden. Diese Gefahr ist in der Krise besonders groß, wenn Banken sich mit internationalen Geschäften verspekuliert haben und ihr Eigenkapital schonen müssen.

Nach Einschätzung Gärtners sollte die räumliche Dimension in der ordnungspolitischen Debatte um Marktversagen und die Legitimation staatlichen Handelns in der Finanzwirtschaft stärker berücksichtigt werden. Räumliche Nähe in der Kunden-Bank-Beziehung kann dabei Informationsungleichgewichte reduzieren und die Verantwortungsnahme der dort ansässigen Banken bedingen.

Aktuelle Publikation zum Thema:
Stefan Gärtner, 2009: Lehren aus der Finanzkrise: räumliche Nähe als stabilisierender Faktor. Internet-Dokument. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. Forschung Aktuell, Nr. 08/2009
Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. Stefan Gärtner, Tel. : 0209/1707-164, E-Mail:
Institut Arbeit und Technik
der Fachhochschule Gelsenkirchen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iat.eu
info@iat.eu

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iat.eu
http://www.iat.eu/forschung-aktuell/2009/fa2009-08.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet - Juni 2018
20.06.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge
28.05.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics