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Institutionen und Wachstum: Forschungsprojekt Wirtschaftswachstum in Russland nach 1990

31.05.2010
BMBF-Kompetenznetzwerk „Institutionen und institutioneller Wandel im Postsozialismus (KomPost)“ / Osteuropazentrum der Universität Hohenheim bekommt 152.000 Euro

Schocktherapie oder graduelle Liberalisierung: Welche Faktoren für die wirtschaftliche Entwicklung Russlands ausschlaggebend sind soll jetzt ein neues Forschungsprojekt der Universität Hohenheim untersuchen.

Das Projekt „Social Capability, Wirtschaftswachstum und Strukturwandel in Russland nach 1990“ ist Teilprojekt im Kompetenznetzwerk „Institutionen und institutioneller Wandel im Postsozialismus (KomPost)“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Universität Hohenheim bis 2013 mit 152.000 von insgesamt 1,5 Mio. Euro für das gesamte Netzwerk. Das Projekt wird somit zu einem der Schwerpunkte der Forschung der Wirtschaftswissenschaften in Hohenheim.

Seit dem Zusammenbruch des Sozialismus habe sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Russlands mehr als verdoppelt, erklärt Prof. Dr. Harald Hagemann, Wirtschaftstheoretiker der Universität Hohenheim und stellvertretender Vorsitzender des Osteuropazentrums. Doch kann das Wirtschaftswachstum dank der russischen Öl- und Gasvorkommen von Dauer sein? „Das hängt vor allem davon ab, wie stark sich Institutionen wie Justiz, Politisches System und Verfassung, aber auch Moralvorstellungen und Bildung im postsozialistischen Staat entwickeln“, so die Aussage des wissenschaftlichen Leiters des Forschungsprojekts. Denn auch Russland ist von der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise in besonderem Maße betroffen und hatte im Jahr 2009 einen Wachstumseinbruch von annähernd 10% zu verzeichnen, fast doppelt so hoch wie Deutschland.

Genaueres soll nun das Hohenheimer Teilprojekt im interdisziplinären Netzwerk KomPost erforschen. Eine der Kernfragen: Beruhte das hohe Wirtschaftswachstum Russlands der Jahre 2000 bis 2008 primär auf den Rohstoffvorkommen oder wurde es von einem Wandel der Institutionen begleitet?

Ölboom als Wachstum ohne Nachhaltigkeit
Die Institutionen, die vom vorherrschenden Rechtssystem und der Verfassung bis zum Bildungsstand und den Moralvorstellungen der Gesellschaft reichen, bezeichnet Projektmitarbeiterin Constanze Dobler auch als „Spielregeln der Gesellschaft“. Ohne entsprechende Spielregeln kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum, so lautet die These der Dipl.-Volkswirtin, die sie am Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie jetzt untermauern will.

Denn Russland sei nach ersten Anzeichen ein guter Beleg für diese These, meint Constanze Dobler. „Nachdem der postsozialistische Staat anfangs versuchte, seine Märkte radikal an das westliche Wirtschaftsmodell der liberalen Marktwirtschaft anzugleichen ohne weitreichende institutionelle Reformen, ging die Wachstumsrate erstmal in den Keller“, sagt die Volkswirtin. „Der „Big Bang“-Ansatz führte nicht zum erhofften Erfolg.“ Danach hätten reiche Öl- und Gasvorkommen das Land vorerst aus der Krise gerettet, dennoch besteht innerhalb der russischen Gesellschaft ein großes Verteilungsproblem. Ein nachhaltiges Wirtschaftwachstum sei deshalb bisher nicht absehbar.

Institutionen als Soft Skills der Gesellschaft
Anhand formeller Institutionen wie dem vorherrschenden Rechtssystem und der Regierungsform, aber auch weicher Faktoren wie der Gesellschaftsstruktur, Moralvorstellungen und Religion, untersucht Constanze Dobler jetzt die wirtschaftliche Entwicklung Russlands nach 1990. Sie möchte die Zusammenhänge zwischen institutionellem und wirtschaftlichem Wandel in Russland aufdecken um sie dann mit der Entwicklung in Westeuropa zu vergleichen: „Institutionen könnte man als Soft Skills eines Landes bezeichnen. Entsprechend ihrer Ausgestaltung ist die Wahrscheinlichkeit auf wirtschaftlichen Erfolg höher oder geringer.“

Bezeichnet werden die schwer messbaren Faktoren auch als „Social Capability“. Die Expertin vermutet, dass die russische Wirtschaft langfristig nur wachsen wird, wenn das Land institutionelle Reformen durchführt.

In einem weiteren Schritt wird Constanze Dobler zentralasiatische und kaukasische Länder mit in die Studie einbeziehen. Davon erhofft sich KomPost Einblicke in die Unterschiede zwischen muslimisch und christlich geprägten Institutionen und deren Einfluss auf wirtschaftlichen Erfolg.

Hintergrund: Projekt Kom-Post
KomPost soll zum Aufbau einer Osteuropaforschung beitragen, in der unterschiedliche Disziplinen zusammenarbeiten. Das Kürzel steht für „Kompetenznetz Institutionen und institutioneller Wandel im Postsozialismus“ und wird von 2010 bis 2013 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunktes „Stärkung und Weiterentwicklung der Regionalstudien (area studies)“ unterstützt. Am Netzwerk sind Forschungsinstitute und Universitäten in Berlin, Göttingen, Hamburg, Hohenheim, Frankfurt/Main, Köln, München und Münster beteiligt. Ziel ist es, die regionalwissenschaftlichen Kapazitäten und Osteuropazentren an diesen Orten zu vernetzen und zu stärken. Das KomPost-Netzwerk wird von Prof. Dr. Petra Stykow (LMU München) koordiniert und mit insgesamt 1,5 Mio. Euro gefördert.
Hintergrund: Osteuropazentrum
Das Hohenheimer Zentrum für Forschung, Lehre, Weiterbildung und Beratung in und mit den wissenschaftlichen Einrichtungen der mittel-, ost- und südosteuropäischen Länder wurde 1995 gegründet. Als fakultätsübergreifende Einrichtung bündelt das Osteuropazentrum die wissenschaftlichen Kompetenzen der Universität Hohenheim in den Natur-, Agrar-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften um fachwissenschaftliche Kooperation mit Partnern in den mittel- und osteuropäischen Ländern zu initiieren und interdisziplinäre Projekte länderübergreifend zu koordinieren.
Hintergrund: Schwergewichte der Forschung
Rund 26 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Forscher der Universität Hohenheim allein im vergangenen Jahr – gut 20% mehr als im Vorjahr. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens einer viertel Million Euro bzw. 125.000 Euro in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.
Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Harald Hagemann, VWL insbes. Wirtschaftstheorie
Tel.: 0711 459-23592, Email: wi-theorie@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

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