Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kostensenkung durch Rehabilitation

27.10.2004


Von Politik und Wirtschaft wird befürchtet, dass die Zunahme der Zahl der über Sechzigjährigen bis zum Jahr 2050 den Zusammenbruch der Pflege- und Krankenversicherung aufgrund einer brisanten Zunahme Pflegebedürftiger und chronisch Kranker herbeiführen wird. In einer Arbeit an der Europa Fachhochschule Fresenius, Idstein, ist diese Projektion auf ihre Plausibilität untersucht worden*. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Hochrechnung weitgehend an der ersichtlich tempogeladenen Entwicklung in der Medizin vorbeigeht. Neues Wissen und neue Techniken zur Prävention, Heilung und Rehabilitation von Versicherten verdrängen in immer kürzeren Zeitabständen überholte Diagnostik, Behandlung, Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen. Ein Beleg dafür ist, dass heute 60-Jährige erheblich gesünder sind als ihre Altersgenossen vor 20 Jahren.



Auch die Prognosen über die Steigerung der Beiträge für Krankenkassen- und Rentenversicherung leiden an mangelnder Flexibilität, neue Entwicklungen zu simulieren. Die Zahl der Arbeitskräfte - und damit Beitragszahler - orientiert sich danach nur an dem erwarteten demographischen Zustand im Jahr 2050 im Vergleich zum Jahr 2000 und nicht an Überlegungen, die Erwerbstätigkeitquote zu erhöhen und den Eintritt in das Rentnerdasein zu verschieben. Das chronologische Alter als Ausgangspunkt für langfristige Prognosen zu verwenden ist fahrlässig, wenn daraus sozialpolitischer Kahlschlag abgeleitet wird. Das biologische Alter der Menschen hat sich stark verschoben in höhere Altersgruppen und wird sich weiter verschieben.



Der Rehabilitationssektor wird seit Jahren ausgehungert. Eine Gesellschaft, die auf Humankapital angewiesen ist, kann sich jedoch auf Dauer unnötige Produktionsausfälle, Milliarden Lohnersatzleistungen und vorgezogene Rentenzahlungen nicht leisten, die eine Folge fehlender Rehabilitationsangebote sind. Um die Unterversorgung zu beseitigen, ist eine Vernetzung der Sektoren im Gesundheitswesen nötig mit einer Regelung der Stufen, die ein Patient zu durchlaufen hat. Primäre Prävention in Kindergärten und Schulen sollte der Gesundheitsschulung dienen. Im Fall einer Krankheit erfolgt die Akutversorgung im ambulanten Bereich oder, wenn nötig, im Krankenhaus. Bei einem chronischen Verlauf einer Krankheit wird der Patient aus dem teuren Akutbereich in die ambulante Rehabilitation mit sekundärer und tertiärer Prävention übernommen.

Eine Stärkung des Rehabilitationsbereichs führt zu Kosteneinsparungen, die nicht nur die Kranken- und die Pflegeversicherung, sondern auch die Rentenversicherung finanziell entlasten. Die isolierten Disease-Management Programme könnten durch Fachleute aus dem Rehabereich kostengünstiger umgesetzt werden. Andererseits finanzieren zurzeit die Krankenkassen die Rehabilitation Pflegebedürftiger, obwohl gerade die Pflegeversicherung ein Interesse daran haben muß, mit Rehabilitationsmaßnahmen den Pflegebedarf ihrer Klienten zu senken. Die Übergänge von der Pflegestufe I in die Pflegestufen II oder III ließe sich durch Rehamaßnahmen vermeiden oder zumindest zeitlich verzögern. Die Rentenversicherung hat an der Rehabilitation ein ökonomisch bedingtes Eigeninteresse, da sie durch Rehamaßnahmen kürzere Rentenzeiten zu finanzieren hat und mit einer längeren Beitragszahlung rechnen kann.

Prof. Dr. Jens Jessen
Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie
Europa Fachhochschule Fresenius, Idstein

*Chancen der Rehabilitation im deutschen Gesundheitssystem

Bianca Stamm | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-fresenius.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet - Juni 2018
20.06.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge
28.05.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics