Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vollgas auf der Teilchenrennbahn

17.05.2000


Blick in die ANKA-Halle während der

Aufbauphase.


Synchrotronstrahlungsquelle ANKA im Forschungszentrum Karlsruhe erreicht maximale Energiestufe

In der neu errichteten Synchrotronstrahlungsquelle ANKA im Forschungszentrum Karlsruhe konnte ein gespeicherter Elektronenstrahl erstmals auf die geplante Endenergie beschleunigt werden. Kurzfristig stand damit das gesamte Spektrum der Synchrotronstrahlung zur Verfügung, das bald für Kunden aus Industrie und Wissenschaft bereitstehen wird. Noch kann der Elektronenstrahl nur für kurze Zeit gespeichert werden. Bis die Anlage Ende August an die Betreibergesellschaft ANKA GmbH übergeben wird, soll die Lebensdauer des Strahls auf mehr als vier Stunden gesteigert werden.

In Industrie und Wissenschaft wächst die Nachfrage nach Untersuchungen mit Synchrotronstrahlung. Auch im Forschungszentrum selbst besteht ein wachsender Bedarf, insbesondere für die Mikroproduktionstechnik. Um eine solche wichtige Einrichtung der wissenschaftlichen Infrastruktur vor allem auch für Industriekunden in Baden-Württemberg verfügbar zu machen, wurde im September 1996 im Forschungszentrum Karlsruhe mit dem Bau der ANKA (= ÅNgströmquelle KArlsruhe) begonnen. Das Projekt zur Errichtung der Anlage mit einem Gesamtaufwand von 70 Mio. DM wird aus Mitteln des Bundes, des Landes Baden-Württemberg und des Forschungszentrums Karlsruhe finanziert. Das große Engagement des Landes Baden-Württemberg, das abweichend vom normalen Finanzierungsschlüssel 50 % der Beschaffungskosten von 56 Mio. DM trägt, zielt vor allem darauf ab, kleinen und mittelständischen Unternehmen im Land Synchrotronstrahlung für Analytikzwecke und für die Mikrofertigung zur Verfügung zu stellen.
Der Betrieb der Synchrotronstrahlungsquelle soll plangemäß ab Ende August von der ANKA GmbH übernommen werden, die je zur Hälfte vom Forschungszentrum Karlsruhe und vom Land Baden-Württemberg getragen wird. Die wirtschaftlich eigenständige, innovations- und dienstleistungsorientierte Betreibergesellschaft wird sich vor allem an den Bedürfnissen externer Nutzer aus Industrie und Wissenschaft orientieren. Informationen zum Angebot der ANKA GmbH lassen sich im Internet unter www.anka-online.com abrufen.

Synchrotronstrahlung

In einem Synchrotron werden Elementarteilchen (z. B. Elektronen oder Protonen) auf einer kreisförmigen Bahn auf hohe Energien beschleunigt; in ANKA erreichen Elektronen eine Endenergie von 2,5 GeV (Giga-Elektronenvolt = Milliarden Elektronenvolt). Die Elektronen kreisen dann mit beinahe Lichtgeschwindigkeit in einem ringförmigen Speicherrohr von 110 m Umfang im Hochvakuum.


Die Ablenkung der Elektronen auf die Kreisbahn erfolgt durch Magnete. Bei der Ablenkung im Magnetfeld erzeugen die Elektronen die so genannte Synchrotronstrahlung. Synchrotronstrahlung ist elektromagnetische Strahlung wie beispielsweise Sonnenlicht oder Radiowellen. Doch weist sie besondere Eigenschaften auf, die sie für viele Anwendungen wertvoll macht: Sie überstreicht einen großen Bereich von Wellenlängen, von der Röntgenstrahlung über Ultraviolett und sichtbares Licht bis ins ferne Infrarot. Darüber hinaus hat sie eine hohe Intensität und ist noch besser parallel als Laserlicht. Für die meisten Anwendungen ist insbesondere der Röntgenanteil der Strahlung von Interesse.
Die Synchrotronstrahlung soll im Forschungszentrum hauptsächlich für die Mikrofertigung und für analytische Aufgaben eingesetzt werden. Mittels Synchrotronstrahlung kann man das Innere von Bauteilen und Materialien zerstörungsfrei untersuchen. Zusammensetzung, Struktur, chemische, elektronische, magnetische und mechanische Eigenschaften werden so, im wahrsten Sinne des Wortes, einsehbar. Beispielsweise lassen sich auch Gläser untersuchen, deren amorphe Struktur mit konventionellen Methoden nicht erfasst werden kann. Auf dieser Grundlage können Fertigungsprozesse kontrolliert und optimiert werden.
Bei der Mikrofertigung stellt man durch gezielte Bestrahlung von Plexiglas hochgenaue Mikrobauelemente her, die man anschließend mit Metallen, Kunststoffen oder Keramik vervielfältigen kann. Auf diesem Gebiet nimmt das Forschungszentrum eine weltweit führende Stellung ein, die durch ANKA ausgebaut werden soll.

Joachim Hoffmann 13. Mai 2000

Das Farbfoto senden wir Ihnen auf Wunsch gerne zu
(Telefon: 07247/82-2860 oder -2861, Fax: 07247/82-5080).

Inge Arnold |

Weitere Berichte zu: ANKA Elektron Mikrofertigung Synchrotronstrahl

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Mit neuen Verfahren zu bakterienfreien Werkstoffen und keimfreien Lebensmitteln
23.04.2020 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht 3D-Oberflächenmessung in Hochgeschwindigkeit durch konfokale Rastermikroskopie
21.04.2020 | Technologie Lizenz-Büro (TLB) der Baden-Württembergischen Hochschulen GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: I-call – Wenn Mikroimplantate miteinander kommunizieren / Innovationstreiber Digitalisierung - »Smart Health«

Die Mikroelektronik als Schlüsseltechnologie ermöglicht zahlreiche Innovationen im Bereich der intelligenten Medizintechnik. Das vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT koordinierte BMBF-Verbundprojekt »I-call« realisiert erstmals ein Elektroniksystem zur ultraschallbasierten, sicheren und störresistenten Datenübertragung zwischen Implantaten im menschlichen Körper.

Wenn mikroelektronische Systeme für medizintechnische Anwendungen eingesetzt werden, müssen sie hohe Anforderungen hinsichtlich Biokompatibilität,...

Im Focus: I-call - When microimplants communicate with each other / Innovation driver digitization - "Smart Health“

Microelectronics as a key technology enables numerous innovations in the field of intelligent medical technology. The Fraunhofer Institute for Biomedical Engineering IBMT coordinates the BMBF cooperative project "I-call" realizing the first electronic system for ultrasound-based, safe and interference-resistant data transmission between implants in the human body.

When microelectronic systems are used for medical applications, they have to meet high requirements in terms of biocompatibility, reliability, energy...

Im Focus: Wenn aus theoretischer Chemie Praxis wird

Thomas Heine, Professor für Theoretische Chemie an der TU Dresden, hat 2019 zusammen mit seinem Team topologische 2D-Polymere vorhergesagt. Nur ein Jahr später konnten diese Materialien von einem italienischen Forscherteam synthetisiert und deren topologische Eigenschaften experimentell nachgewiesen werden. Für die renommierte Fachzeitschrift Nature Materials war das Anlass, Thomas Heine zu einem News and Views Artikel einzuladen, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Unter dem Titel "Making 2D Topological Polymers a reality" beschreibt Prof. Heine, wie aus seiner Theorie Praxis wurde.

Ultradünne Materialien sind als Bausteine für nanoelektronische Bauelemente der nächsten Generation äußerst interessant, da es viel einfacher ist, Schaltungen...

Im Focus: When predictions of theoretical chemists become reality

Thomas Heine, Professor of Theoretical Chemistry at TU Dresden, together with his team, first predicted a topological 2D polymer in 2019. Only one year later, an international team led by Italian researchers was able to synthesize these materials and experimentally prove their topological properties. For the renowned journal Nature Materials, this was the occasion to invite Thomas Heine to a News and Views article, which was published this week. Under the title "Making 2D Topological Polymers a reality" Prof. Heine describes how his theory became a reality.

Ultrathin materials are extremely interesting as building blocks for next generation nano electronic devices, as it is much easier to make circuits and other...

Im Focus: Mikroroboter rollt tief ins Innere des Körpers

Mit einem Leukozyten als Vorbild haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme in Stuttgart einen Mikroroboter entwickelt, der in Größe, Form und Bewegungsfähigkeit einem weißen Blutkörperchen gleicht. In einem Labor simulierten sie dann ein Blutgefäß – und es gelang ihnen, den Mikroroller durch diese dynamische und dichte Umgebung zu steuern. Der Roboter hielt dem simulierten Blutfluss stand und brachte damit das Forschungsgebiet rund um die zielgenaue Medikamentenabgabe einen Schritt weiter: Es gibt keinen besseren Zugangsweg zu allen Geweben und Organen im menschlichen Körper als den Blutkreislauf.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme (MPI-IS) in Stuttgart haben einen winzigen Mikroroboter entwickelt, der einem weißen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Dresden Nexus Conference 2020 - Gleicher Termin, virtuelles Format, Anmeldung geöffnet

19.05.2020 | Veranstaltungen

Urban Transport Conference 2020 in digitaler Form

18.05.2020 | Veranstaltungen

Erfolgreiche Premiere für das »Electrochemical Cell Concepts Colloquium«

18.05.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

I-call – Wenn Mikroimplantate miteinander kommunizieren / Innovationstreiber Digitalisierung - »Smart Health«

25.05.2020 | Medizintechnik

Wie Drohnen explosive Vulkane überwachen können

25.05.2020 | Geowissenschaften

Verlustfreie Stromleitung an den Kanten

25.05.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics