Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Perspektiven für die optimale Verwertung von Elektronikschrott

07.06.2001

Das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising entwickelt derzeit ein neues Recyclingverfahren für den im Elektronikschrott enthaltenen Kunststoffanteil. Die in Mischfraktion anfallenden Kunststoffabfälle konnten bisher nicht verwertet werden, weil sie Stör- und Gefahrstoffe enthalten. Mit dem neuen Verfahren wird es zukünftig möglich, diese problematischen Kunststoffabfälle in qualitativ hochwertige Sekundärrohstoffe umzuwandeln.

Gefahrstoffe im Elektronikschrott

Das Wachstum in den Bereichen der Unterhaltungselektronik, der Telekommunikation sowie der Datenverarbeitung lässt die Elektronikschrottmengen stetig ansteigen. Allein in Deutschland fallen jährlich etwa 1,8 Mio t Elektronikschrott an. Dieser Abfall enthält fast 20 % Kunststoffe, die hauptsächlich aus hochschlagzähem Polystyrol (HIPS) und Acrylnitrilbutadienstyrol (ABS) bestehen. Große Stückzahlen von Elektro- und Elektronikgeräten werden aus Ländern importiert, in denen nach wie vor Flammschutzmittel auf Basis bromierter Diphenylether (PBDE) und bromierter Biphenyle (PBB) eingesetzt werden. Durch thermische Belastung entstehen daraus bromierte Dioxine und Furane. Die in der Chemikalienverbotsverordnung (ChemVV) vorgeschriebenen Grenzwerte für diese Gefahrstoffe werden in den realen Abfällen teilweise überschritten. Deshalb kam bisher für ca. 50 000 t post-consumer-Kunststoffe aus Elektronikschrott die stoffliche Verwertung nicht in Frage. Sie wurden ausschließlich thermisch entsorgt, bei mangelnder Kenntnis des Abfalls aber auch deponiert oder unsachgemäß rezykliert.

Das neue Verfahren

Die Fraunhofer-Experten entwickeln nun ein Verfahren, mit dem auch die flammgeschützten Kunststoffabfälle rezykliert werden können. Bromierte Gefahrstoffe aus der Kunststoff-matrix werden entfernt und die hoch toxischen Komponenten durch ein geeignetes Dehalogenierungsverfahren zerstört. Die zurückgewonnenen ABS-Rezyklate entsprechen den Anforderungen der ChemVV. Damit Rezyklathersteller die Qualität nachweisen können, konzipiert das Fraunhofer IVV ein leistungsfähiges Qualitätssicherungssystem.

Das neue Verfahren zur sicheren Elektronikschrottverwertung wird von den Fraunhofer-Forschern in Zusammenarbeit mit Demontage- und Recyclingunternehmen aus Bayern bis in den industriellen Produktionsmaßstab umgesetzt. Recyclern werden damit attraktive Verwertungspfade erschlossen. Das Projekt läuft seit Anfang 2001 und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie gefördert.

Kunststoffrecycling - gewusst wie

Das Fraunhofer IVV knüpft bei seinem Vorhaben an sein langjähriges Know-how im Kunststoffrecycling an. Die Basis für das neue Verfahren ist das Kunststoffrecycling mittels selektiver Extraktion und Fällung. Dieses Recyclingverfahren wurde vom Fraunhofer IVV entwickelt. Es besitzt ein hohes Reinigungspotential für vermischte, verschmutzte oder im Verbund vorliegende Kunststoffabfälle. Darauf aufbauend wurde die selektive Extraktion auf das Recyceln von Weich-PVC zugeschnitten. Den Experten ist es gelungen, im Gegensatz zu konventionellen werkstofflichen Verfahren, sortenreine und störstofffreie Weich-PVC-Rezyklate zu erzeugen. Das Recyclingverfahren mittels selektiver Extraktion ist auch auf andere Thermoplasten wie ABS, PVB und PET anwendbar. Damit das enorme Reinigungspotential des Verfahrens vollständig ausgenutzt werden kann, muss es auf die stoffspezifischen Randbedingungen der Kunststoffe angepasst werden.

In Ergänzung zum derzeit laufenden Projekt möchte das Fraunhofer IVV das ABS-Recycling verfahrenstechnisch weiterentwickeln. Mit konkreten Abfallströmen, auch außerhalb des Elektronikschrottbereiches, sollen geschlossene Verfahrens- und Produktkonzepte erarbeitet und umgesetzt werden. Hierfür sucht das Fraunhofer IVV Kooperationspartner aus der Entsorgungswirtschaft.

Ansprechpartner am Fraunhofer IVV ist

Dr.-Ing. Thomas Luck
Tel. 0 81 61/491-650
Fax 0 81 61/491-678
E-Mail: luck@izk.fhg.de

Karin Agulla | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Wie bioökonomisch optimierte Ressourcen- und Energiekreisläufe bei der Produktion nachhaltiger Lebensmittel helfen
14.02.2020 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Von der Natur für die Creme-Dose: neues Verfahren aus dem LIKAT auf der Basis von Zuckerrohr
31.01.2020 | Leibniz-Institut für Katalyse e. V. an der Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten aktuellen Stand der Anwendung des Maschinenlernens bei Forschung an aktiven Materialien

Verfahren des Maschinenlernens haben durch die Verfügbarkeit von enormen Datenmengen in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Anwendungen in vielen Gebieten erfahren: vom Klassifizieren von Objekten, über die Analyse von Zeitreihen bis hin zur Kontrolle von Computerspielen und Fahrzeugen. In einem aktuellen Review in der Zeitschrift „Nature Machine Intelligence“ beleuchten Autoren der Universitäten Leipzig und Göteborg den aktuellen Stand der Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten des Maschinenlernens im Bereich der Forschung an aktiven Materialien.

Als aktive Materialien bezeichnet man Systeme, die durch die Umwandlung von Energie angetrieben werden. Bestes Beispiel für aktive Materialien sind biologische...

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Im Focus: High-pressure scientists in Bayreuth discover promising material for information technology

Researchers at the University of Bayreuth have discovered an unusual material: When cooled down to two degrees Celsius, its crystal structure and electronic properties change abruptly and significantly. In this new state, the distances between iron atoms can be tailored with the help of light beams. This opens up intriguing possibilities for application in the field of information technology. The scientists have presented their discovery in the journal "Angewandte Chemie - International Edition". The new findings are the result of close cooperation with partnering facilities in Augsburg, Dresden, Hamburg, and Moscow.

The material is an unusual form of iron oxide with the formula Fe₅O₆. The researchers produced it at a pressure of 15 gigapascals in a high-pressure laboratory...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

Genomforschung für den Artenschutz - Internationale Fachtagung in Frankfurt

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Riesiger 3D-Drucker soll tonnenschwere Getriebeteile aus Stahl fertigen

27.02.2020 | Maschinenbau

Immunologie - Rachenmandeln als Test-Labor

27.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Pestizide erhöhen Risiko für Tropenkrankheit Schistosomiasis / Belastete Gewässer fördern Zwischenwirt des Erregers

27.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics