Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Facettenreiche Brückendisziplin

04.10.2012
Phonetiker und Phonologen tagen am 12. und 13. Oktober an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wer eine Fremdsprache wirklich beherrschen will, der muss mehr verinnerlicht haben, als deren Wortschatz und Grammatik. Wie Prof. Dr. Adrian P. Simpson, Sprechwissenschaftler der Universität Jena, insistiert, kommt es auch auf die Sprechmelodie an. Diese nämlich trage nicht nur Informationen, sondern sie sei nicht zuletzt ein Instrument zur Übertragung von Emotionen. Und das Wie, das sei in diesem Fall kulturell sehr unterschiedlich.

Der gebürtige Brite Simpson erklärt das am Beispiel einiger deutschsprachiger Englischlehrerinnen, die er zwar sprachlich als ansonsten sehr gut erlebt hatte, die sich aber offenbar schämten, die für das Englische typische Sprechmelodie zu verwenden. Und tatsächlich erweckt eine entsprechende Demonstration des Sprechwissenschaftlers beim Hörer unweigerlich Assoziationen mit ältlichen, etwas schrill „singenden“ Ladys beim Teekränzchen. Oft, erklärt Simpson wiederum am Beispiel des Schwedischen, erreichen Nicht-Muttersprachler die typische Sprechmelodie erst, wenn sie die entsprechende Fremdsprache parodieren wollen.

Die Sprechmelodie ist aber nur ein Teil der facettenreichen Wissenschaftsdisziplin, die jährlich ihre neuesten Ergebnisse auf einem Symposium an wechselnden Universitätsstandorten präsentiert. In diesem Jahr tagen die Phonetiker und Phonologen am 12. und 13. Oktober an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

„Phonetiker und Phonologen“, erklärt Prof. Simpson, „beschäftigen sich mit der gesprochenen Sprache, mit deren Lautsystem, damit, wie das Sprechen funktioniert, wie das Sprachsignal übertragen und wie die gesprochene Sprache wahrgenommen und interpretiert wird.“ An den Universitäten seien Phonetiker und Phonologen jeweils zahlenmäßig in recht kleiner Zahl vertreten. Wo genau die Disziplin angesiedelt sei, in Jena ist sie der Germanistik zugeordnet, das sei von Uni zu Uni verschieden. „Es handelt sich um ein Brückenfach zwischen Geistes- und Naturwissenschaft, das Wissensbestände aus unterschiedlichen Richtungen integriert – beispielsweise aus der Medizin“, erläutert Simpson. Entsprechend betreut Sprechwissenschaftler Simpson auch fächerübergreifend angesiedelte Arbeiten – etwa von Psychologen, Romanisten oder Anglisten.

Interdisziplinarität und Facettenreichtum der Sprechwissenschaft spiegeln sich auch in der Tagung wider. So ist beispielsweise ein Vortrag der Aussprache des Wortes „Cent“ bei Sprecherinnen und Sprechern von verschiedenen Altersgruppen gewidmet. Ein anderer ist beispielsweise der Verwendung des Wortes „so“ in spontanem Berliner Kiezdeutsch gewidmet. Simpson selbst wird über einen seiner Forschungsschwerpunkte, nämlich über die akustischen Korrelate von Gender und sexueller Orientierung sprechen. Gut die Hälfte der etwa vierzig Vorträge ist als Poster konzipiert.

„Die Tagung ist auch für Doktoranden eine wichtige Gelegenheit, ihre Arbeiten vor einem Fachforum zu präsentieren“, betont Adrian Simpson. Das genaue Programm finden Interessierte unter: www.sprechwissenschaft.uni-jena.de. Anmeldungen zur Tagung in den Rosensälen werden entgegengenommen unter: pundp8[at]googlemail.com.

Kontakt:
Prof. Dr. Adrian P. Simpson
Institut für Germanistische Sprachwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 30, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944330
E-Mail: Adrian.Simpson[at]uni-jena.de

Constanze Alt | idw
Weitere Informationen:
http://www.sprechwissenschaft.uni-jena.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht MS Wissenschaft startet Deutschlandtour mit Fraunhofer-KI an Bord
17.05.2019 | Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

nachricht Wie sicher ist autonomes Fahren?
16.05.2019 | Technische Universität Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quanten-Cloud-Computing mit Selbstcheck

Mit einem Quanten-Coprozessor in der Cloud stoßen Innsbrucker Physiker die Tür zur Simulation von bisher kaum lösbaren Fragestellungen in der Chemie, Materialforschung oder Hochenergiephysik weit auf. Die Forschungsgruppen um Rainer Blatt und Peter Zoller berichten in der Fachzeitschrift Nature, wie sie Phänomene der Teilchenphysik auf 20 Quantenbits simuliert haben und wie der Quantensimulator das Ergebnis erstmals selbständig überprüft hat.

Aktuell beschäftigen sich viele Wissenschaftler mit der Frage, wie die „Quantenüberlegenheit“ auf heute schon verfügbarer Hardware genutzt werden kann.

Im Focus: Self-repairing batteries

UTokyo engineers develop a way to create high-capacity long-life batteries

Engineers at the University of Tokyo continually pioneer new ways to improve battery technology. Professor Atsuo Yamada and his team recently developed a...

Im Focus: Quantum Cloud Computing with Self-Check

With a quantum coprocessor in the cloud, physicists from Innsbruck, Austria, open the door to the simulation of previously unsolvable problems in chemistry, materials research or high-energy physics. The research groups led by Rainer Blatt and Peter Zoller report in the journal Nature how they simulated particle physics phenomena on 20 quantum bits and how the quantum simulator self-verified the result for the first time.

Many scientists are currently working on investigating how quantum advantage can be exploited on hardware already available today. Three years ago, physicists...

Im Focus: Accelerating quantum technologies with materials processing at the atomic scale

'Quantum technologies' utilise the unique phenomena of quantum superposition and entanglement to encode and process information, with potentially profound benefits to a wide range of information technologies from communications to sensing and computing.

However a major challenge in developing these technologies is that the quantum phenomena are very fragile, and only a handful of physical systems have been...

Im Focus: A step towards probabilistic computing

Working group led by physicist Professor Ulrich Nowak at the University of Konstanz, in collaboration with a team of physicists from Johannes Gutenberg University Mainz, demonstrates how skyrmions can be used for the computer concepts of the future

When it comes to performing a calculation destined to arrive at an exact result, humans are hopelessly inferior to the computer. In other areas, humans are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

MS Wissenschaft startet Deutschlandtour mit Fraunhofer-KI an Bord

17.05.2019 | Veranstaltungen

Wie sicher ist autonomes Fahren?

16.05.2019 | Veranstaltungen

Chemie – das gemeinsame Element

16.05.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Integrierte Zuckermoleküle schonen Zellkulturen

17.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Erstmals Einsatz von gefäßschützendem Antikörper bei kardiogenem Schock

17.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Additive Maschinen lernen Superlegierungen kennen

17.05.2019 | Maschinenbau

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics