Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diabetes Herbsttagung: Individualisierte Bewegungskonzepte in der Diabetestherapie

26.10.2012
Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme, Schulung und Bewegung sind die vier Säulen einer Diabetestherapie, die ohne Medikamente oder in Kombination versucht, Blutzuckerwerte in den Griff zu bekommen.

Vor allem ein aktiver Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Bewegung und Sport kann helfen, das Risiko einer Diabetesmanifestation zu verringern. Welche Modelle der dauerhaften Verhaltensänderung in Bezug auf Bewegung bei Menschen mit Diabetes Typ 2 erfolgreich sind, diskutieren Experten auf der Pressekonferenz der 6. Diabetes Herbsttagung vom 16. bis 17. November 2012 im ICC Berlin.

In Deutschland erreichen noch immer vier Fünftel der erwachsenen Bevölkerung nicht die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sich 2,5 Stunden pro Woche zu bewegen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) 2012. Es sind also nicht nur Menschen mit Diabetes Typ 2, die sich zu wenig bewegen. Aber für sie sind körperliche Aktivitäten und Sport besonders wichtig. Universitäts-Professorin Dr. Petra Wagner, Direktorin des Instituts für Gesundheitssport und Public Health in Leipzig, hält die Zunahme der Typ-2-Diabetiker um zwei Prozent innerhalb der letzten zwölf Jahre für allarmierend. „Zu den Untergruppen mit besonders ausgeprägtem Anstieg in der Häufigkeit gehören Männer ab 70 Jahren, Frauen unter 40 Jahren sowie Männer und Frauen mit Fettleibigkeit, auch Adipositas genannt.“ In der Gruppe der Adipösen sind vor allem Menschen im jungen Erwachsenenalter betroffen. „Wenn wir Menschen mit Diabetes zu mehr Bewegung bringen wollen, müssen wir die einzelnen Zielgruppen sehr genau betrachten und Alter, Geschlecht, Lebensumstände etc. in unsere Bewegungskonzepte einbeziehen.“

Ein grundlegendes Problem bestehe darin, dass zwei Drittel der Typ-2-Diabetiker älter als 60 Jahre ist. Diese Altersgruppe leidet häufiger als Jüngere an mehreren Krankheiten gleichzeitig, ist weniger mobil sowie weniger motiviert und kann nicht oder nur eingeschränkt an Bewegungsprogrammen teilnehmen, weiß die Expertin aus Leipzig. Bei der Gruppe der Frauen unter 40 oder den Adipösen im jungen Erwachsenenalter können personalisierte Bewegungskonzepte ansetzen, wenn die Lebenssituation – zu der Beruf, Kinder und Familie gehören – berücksichtigt wird. Auf diesem Gedanken aufbauend, ist eine Bewegungsförderung insgesamt zu „individualisieren”, so Wagner. „Für denjenigen, der noch nie über eine Verhaltensänderung nachgedacht hat, ist das konkrete Angebot eines Bewegungsprogramms wahrscheinlich gar nicht das Richtige. Aber für denjenigen, der bereits die Absicht hat, etwas zu ändern, ist es genau richtig.“ Es gehe nicht um konkrete Bewegungsprogramme (beispielsweise in Disease Management Programmen), sondern um Bewegungsförderung insgesamt.

Einen konzeptionellen Rahmen für individualisierte Bewegungsförderung bietet das Transtheoretische Modell (TTM) der Verhaltensänderung. „Dieses Modell wird auch als Stufenmodell der Verhaltensänderung bezeichnet. Es basiert auf der Idee, dass Menschen im Prozess der Verhaltensänderung unterschiedliche, aufeinander aufbauende Stufen/Stadien durchlaufen“, erläutert Wagner. Konkrete Bewegungsprogramme sind eine Maßnahme, um „individualisiert“ auf die Menschen mit ihrer Erkrankung einzugehen.“ Dabei ist beispielsweise mit jedem einzelnen Patienten zu klären, was für ihn passende Wege zu einer Aktivitätssteigerung sind, welcher Sport und welche Bewegung zu ihm passt.

Um Patienten in diesem Prozess zu unterstützen, spielt Planung eine große Rolle. „Das Planen ist für alle Menschen wichtig und zugleich ist es uns vertraut. Im Gespräch mit dem Patienten sind Handlungs- und Ausführungspläne zu erarbeiten, sind Ziele zu thematisieren und auch ein mögliches Scheitern durch potenzielle Barrieren.“ Hier sieht die Expertin aus Leipzig noch Optimierungsbedarf. „Die Aufrechterhaltung des gesteigerten Ausmaßes an körperlicher Aktivität muss gestärkt werden, damit es ein dauerhaft aktiver Lebensstil wird. Hier brauchen die Patienten noch mehr Unterstützung.“

Es gibt bereits Bewegungsprogramme, die in die bereits etablierten Disease Management Programme (DMP) eingebunden sind. Aber noch viel zu wenige. „Aktuelle Studien haben gezeigt, dass es mit dem Einbinden von Bewegungsprogrammen in das DMP gelingt, insbesondere diejenigen zu erreichen, die es nötig haben, und auch entsprechende Effekte, beispielsweise auf die Lebensqualität, zu erzielen“, erläutert Wagner.

Terminhinweis:
Pressekonferenz der DDG im Rahmen der 6. Herbsttagung
Termin: Freitag, 16. November 2012, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Raum 43 im ICC Berlin
Vorläufiges Programm:
Neues DDG Zertifikat: Wie Kliniken sich auf die „Nebendiagnose Diabetes“ spezialisieren können
Professor Dr. med. Stephan Matthaei
Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Chefarzt des Diabetes-Zentrums am Christlichen Krankenhaus Quakenbrück (CKQ)
Programm-Highlights der Diabetes Herbsttagung: Neues aus der Forschung für die Praxis
Professor Dr. med. habil. Peter Schwarz
Tagungspräsident, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Diabetes bei geriatrischen Patienten: Was ist anders, was ist schwierig?
Dr. med. Ann-Kathrin Meyer
Chefärztin der Abteilung Geriatrie Asklepios Klinik Wandsbek, Hamburg, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Geriatrie der DDG
Prävention des Typ-2-Diabetes im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD)
Professor Dr. med. Dr. h. c. Hans-Ulrich Häring, Mitglied des Vorstands des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München
Personalisierte Medizin: Wie bringt man Menschen mit Diabetes in Bewegung?
Univ.-Professorin Dr. Petra Wagner
Direktorin des Instituts für Gesundheitssport und Public Health, Leipzig
Zuckerkrank und Autofahren: Was tun, wenn der Blutzuckerspiegel absinkt?
Dr. med. Hermann Finck, Niedergelassener Diabetologe, Schenklengsfeld, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses Soziales der DDG
Ihr Kontakt für Rückfragen:
Dagmar Arnold, Corinna Spirgat
Kongress-Pressestelle DDG 2012
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-380 oder - 293, Fax: 0711 8931-167
arnold@medizinkommunikation.org

Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.herbsttagung-ddg.de/
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Innovation – the name of the game
18.07.2018 | Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH)

nachricht Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht
17.07.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics