Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Labor für Medizinische Genomforschung auf dem Campus Berlin-Buch offiziell eröffnet

30.06.2006
In Anwesenheit des Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, ist am Freitag, den 30. Juni 2006, das Labor für Medizinische Genomforschung auf dem Campus Berlin-Buch offiziell eröffnet worden. Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan hatte wegen der Debatte im Bundestag kurzfristig abgesagt.

Das Gebäude haben das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gemeinsam gebaut. Sie schufen damit die Voraussetzung, unterschiedliche Ansätze in der Genomforschung, die systematische Suche nach Kranheitsgenen sowie die Erforschung der Funktion von Genen und ihren Produkten, den Proteinen, zusammenzuführen. Diese Forschung ist für die Entwicklung neuer Therapiekonzepte wichtig. Der für rund 19 Millionen Euro errichtete Bau des Berliner Architekten Volker Staab wurde zu 56 Prozent aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) finanziert, die restlichen rund 8,4 Millionen Euro tragen der Bund mit 6,5 Millionen Euro und das Land Berlin mit 1,9 Millionen Euro. Das Gebäude wurde nach dem russischen Genetiker Nikolai Wladimirovich Timoféeff- Ressovsky* benannt, der von 1930 - 1945 am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch gearbeitet hatte. Er gilt mit Max Delbrück, dem Namensgeber des MDC, als einer der Begründer der molekularen Genetik. Vor der Schlüsselübergabe wurde vor dem Gebäude die Büste Timoféeffs enthüllt, die der Berliner Bildhauer Stefan Kaehne 2006 geschaffen hat. Zugleich begingen MDC und FMP 75 Jahre medizinisch-biologische Forschung in Berlin-Buch. Das Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin-Buch war am 2. Juni 1931 offiziell mit Max Planck eröffnet worden.


Das neue Labor für Medizinische Genomforschung. Es wird vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und dem Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gemeinsam betrieben. (Photograph: Uwe Eising/Copyright: MDC)

Prof. Walter Birchmeier, MDC-Stiftungsvorstand, würdigte bei seiner Begrüßung das große Engagement von Bund, Land Berlin und Europäischer Union für den Campus Berlin-Buch. "Sie haben in den vergangenen Jahren in den Campus rund 237 Millionen Euro investiert. Damit konnte er zu einem hochmodernen, international kompetitiven Forschungsstandort ausgebaut werden, wie wir jetzt heute auch bei dem Labor für Medizinische Genomforschung sehen", betonte er.

"Der Campus hat eine hervorrragende Ausgangsposition, die Aufklärung von Krankheitsursachen erfolgreich mit neuen Therapiekonzepten zu verbinden", betonte Prof. Walter Rosenthal, Direktor des FMP. Dazu gehöre auch das neue Laborgebäude. Er dankte dem Architekturbüro Staab für die ausgezeichnete Arbeit und sagte weiter: "Das Timoféeff-Ressovsky-Haus ist vielleicht der attraktivste Bau auf diesem Campus - sozusagen der Höhepunkt der Bauaktivitäten, die dieses Areal über die vergangenen knapp 15 Jahre zu dem werden ließen, was es heute ist: Ein moderner, weltoffener Forschungscampus mit exzellenter Infrastruktur."

... mehr zu:
»FMP »Genomforschung

Die Festvorträge hielten der Neurobiologe Prof. Thomas Jentsch, Direktor des Instituts für Molekulare Neuropathobiologie Hamburg (HMNH), der vor kurzem auf eine W3-Professur der Charité - Universitätsmedizin Berlin in Kooperation mit dem FMP berufen wurde und der Bioinformatiker Prof. Nikolaus Rajewsky, der von der New York University (New York, USA) an das MDC, ebenfalls auf eine W3- Professur berufen worden ist. Beide werden in dem neuen Gebäude ihre Labors haben.

Prof. Jentsch, dessen Arbeitsgruppe zu gleichen Teilen von FMP und MDC finanziert wird, sprach über "Funktion erklärt durch Fehlfunktion: Krankheiten geben Einblick in die Rolle des Ionentransports". Seine Forschungen auf diesem Gebiet trugen dazu bei, die Entstehung verschiedener Krankheiten zu verstehen. Prof. Rajewsky referierte über "Neue Therapiemöglichkeiten? Winzige menschliche Gene regulieren tausende von Zielgenen". Er entwickelte eine Computermethode, mit der im Hochdurchsatz die Stellen im Genom identifiziert werden können, an die winzige RNA-Molekule binden und darüber letztlich die Produktion von Proteinen regulieren.

Das vierstöckige Genomforschungszentrum hat rund 3 200 Quadrameter Fläche und ist nach zweijähriger Bauzeit in diesem Jahr fertig gestellt worden. Darin befindet sich jetzt das vor einigen Jahren vom MDC im Rahmen des Deutschen Humangenomprojekts mit Fördermitteln des Bundesforschungsministeriums gegründete Gene- Mapping-Center. In dem Speziallabor mit hochmoderner technischer Ausstattung identifizieren die Wissenschaftler im Hochdurchsatzverfahren die Gene, die an der Entstehung von Krankheiten beteiligt sind. Diese Forschung ist eingebunden in das Nationale Genomforschungsnetzwerk 2 (NGFN2). Sie knüpft eng an die Proteomforschung des MDC an und ist für die Verknüpfung von klinischer und Grundlagenforschung von großer Bedeutung.

Weiter befinden sich in dem Neubau die "Proteinstrukturfabrik" des Deutschen Humangenomprojekts (DHGP) und Berliner Strukturbiologen, an der auch MDC und FMP beteiligt sind. Ziel ist die Analyse des räumlichen Aufbaus von Proteinen mit hohem Durchsatz. Das FMP betreibt in dem Gebäude außerdem seine "Academic Screening Unit", in der im Hochdurchsatzverfahren kleine Moleküle identifiziert werden, die an Proteine binden und eine biologische Wirkung entfalten. Diese kleinen Moleküle stellen wichtige Werkzeuge für die Forschung dar und sind zugleich auch Prototypen für neuartige Arzneimittel. Die Arbeit der "Screening Unit" wird ergänzt von der Forschungsgruppe "Medizinische Chemie" des FMP.

Darüber hinaus planen MDC und Charité ein "Experimental and Clinical Research Center" (ECRC) auf dem Campus Berlin-Buch. Ziel all dieser Forschungsaktivitäten ist, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in der Klinik für Patienten umzusetzen.

Das MDC wurde 1992 in Berlin-Buch gegründet und hat seit dieser Zeit ein zukunftsweisendes Konzept erarbeitet, das es erlaubt, verschiedene Krankheitsbilder wie Krebs, Herz-Kreislauf- Erkrankungen sowie Hirnerkrankungen unter der Klammer der molekularen Medizin zu erforschen und die Entstehung solch komplexer Krankheitsbilder in ihrem Ursprung - in den Genen und ihren Produkten - zu verstehen. Wissenschaftler des MDC arbeiten eng mit Onkologen und Kardiologen der nahegelegenen Forschungskliniken der Charité - Universitätsmedizin Berlin im Helios Klinikum Berlin zusammen. Das MDC wird zu 90 Prozent vom Bund und zu zehn Prozent vom Land Berlin finanziert. Es ist Mitglied in der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft.

Das FMP, ebenfalls 1992 gegründet, wird zu je 50 Prozent von Bund und Land gefördert. Ende 2000 zog das FMP von Berlin- Friedrichsfelde auf den Campus Berlin-Buch. Es betreibt Grundlagenforschung für die Arzneimittelentwicklung. Ziel ist es, zelluläre Regulationsprozesse aufzuklären und Möglichkeiten zu ihrer pharmakologischen Beeinflussung auf molekularer Ebene aufzuzeigen. Zu diesem Zweck erforscht das Institut Struktur, Funktion und Interaktionen von Proteinen. Einen Schwerpunkt bildet die Identifizierung von kleinen Molekülen, die an Proteine binden und deren Funktion beeinflussen. Diese Moleküle kommen als neue Wirkstoffe für Arzneimittel sowie als Werkzeuge für die Forschung in Frage. Kennzeichnend für die Forschung des Instituts ist eine enge Verknüpfung von Biologie und Chemie. Das FMP gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. und ist Mitglied der Leibniz- Gemeinschaft.

Weitere Informationen:


Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Barbara Bachtler
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: 0049/30/94 06 - 38 96
Fax: 0049/30/94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) im Forschungsverbund Berlin
Dr. Björn Maul
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: 0049/30/94 79 31 02
Fax: 0049/30/94 79 31 09
e-mail: maul@fmp-berlin.de

Barbara Bachtler | MDC-Berlin
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de
http://www.fmp-berlin.de

Weitere Berichte zu: FMP Genomforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?
21.06.2018 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

nachricht Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?
21.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics