Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tiefer Blick ins Fliegenhirn

03.07.2001


Wer schon einmal versucht hat, eine Stubenfliege zu fangen, weiß, wie schwer es einem die lästigen Insekten machen können: Sobald sie die Hand nahen sehen, reagieren sie mit einer blitzschnellen Ausweichbewegung - der Mensch zieht da meist den kürzeren. Doch wie schafft es das winzige Fliegenhirn, die Informationen, die das Auge liefert, so rasend schnell zu verarbeiten? Um Fragen wie diese dreht sich der internationale Neuroethologie-Kongress vom 29. Juli bis zum 3. August im Hauptgebäude der Universität Bonn. Die Forscher diskutieren dabei unter anderem auch den Einfluss der Gene auf das menschliche Verhalten.

Die alte Frage, ob menschliches Verhalten angeboren oder erlernt ist, beantworten die Wissenschaftler heute mit einem entschiedenen sowohl - als auch. "Die Gene geben nur die Grundregeln vor", erklärt der Bonner Neurobiologe Prof. Dr. Horst Bleckmann. "Wie wir in bestimmten Situationen genau reagieren, wird innerhalb dieses genetisch festgelegten Rahmens von den individuellen Erfahrungen mitbestimmt." Besonders anschaulich wird das Zusammenspiel zwischen Genen und Umwelt am Beispiel der Singvögel, das auch auf dem Kongress diskutiert wird. Eine Grundkenntnis ihres arteigenen Gesangs ist in den Erbanlagen der Vögel verankert. Singvögel, die ohne Artgenossen isoliert aufgezogen werden, singen aber anders als ihre Verwandten in der freien Natur. Und auch die singen nicht alle gleich; vielmehr gibt es - wie beim Menschen - eine Vielzahl regionaler Dialekte, die dem Kenner sogar den ungefähren Geburtsort eines Tieres verraten. "Die konkrete Ausbildung des Gesangs ist nicht angeboren, sondern erfolgt durch Imitation der Eltern", betont Bleckmann. Jüngste Forschungen auf diesem Gebiet haben übrigens erstaunliche Parallelen zum Spracherwerb bei Kindern aufgezeigt.

Dass auch Fische ausgefeilte Methoden der Kommunikation nutzen, ist dem Laien weniger bekannt. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel diskutieren die Neuroethologen in Bonn: die Fähigkeit schwachelektrischer Fische, sich mittels selbst erzeugter elektrischer Felder zu verständigen - eine Begabung, die im Laufe der Evolution unabhängig voneinander bei verschiedenen Fischarten entstanden ist. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit der Verarbeitung von Bildern und Gerüchen.

Zum Kongress, der alle drei Jahre stattfindet, haben sich mehr als 550 Wissenschaftler aus 26 Ländern angemeldet. Neben aktuellen Ergebnissen werden die Neuroethologen auch neue Versuchstechniken und Forschungsansätze vorstellen und diskutieren. Das vollständige Programm findet sich im Internet unter http://www.zoologie.uni-bonn.de/ICN2001/.


Weitere Informationen: Prof. Dr. Horst Bleckmann, Institut für Zoologie der Universität Bonn, Tel.: 0228/73-5453, Fax: 0228/73-5458, E-Mail: bleckmann@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.zoologie.uni-bonn.de/ICN2001/

Weitere Berichte zu: Fliegenhirn Neuroethologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen
19.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Innovation – the name of the game
18.07.2018 | Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics