Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Lage der Welt": Konsum plündert den Planeten

19.03.2010
Bericht gibt Hauptverantwortung für Raubbau den Industrienationen

Der exzessive Konsum, dem die Bewohner der Industrienationen frönen, plündert den Planeten Erde aus und trägt wesentlich zur Zerstörung globaler Ökosysteme bei. Zu diesem Schluss kommt der Bericht "Zur Lage der Welt 2010", der vom Worldwatch-Institute http://www.worldwatch.org herausgegeben wurde. Gestern, Donnerstag, ist die deutsche Ausgabe von der Heinrich-Böll-Stiftung http://www.boell.de und Germanwatch http://www.germanwatch.org der Öffentlichkeit präsentiert worden.

In den vergangenen fünf Jahrzehnten sind die Ausgaben für den Konsum um das Sechsfache gegenüber den 4,9 Bio. Dollar des Jahres 1960 angestiegen. Nur ein Teil dieses Anstiegs ist auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen, denn die Zahl der Menschen ist zwischen 1960 und 2006 nur um den Faktor 2,2 gestiegen. Damit haben sich die Ausgaben für den Konsum pro Kopf noch immer beinahe verdreifacht.

Jährlich 60 Mrd. Tonnen Ressourcenentnahme

Im Jahr 2006 wurden weltweit 30,5 Bio. Dollar für Waren und Dienstleistungen ausgegeben (nach dem Dollar-Kurs von 2008). In diesen Ausgaben waren Grundbedürfnisse wie Nahrung und Unterkunft enthalten. Je mehr das frei verfügbare Einkommen stieg, desto mehr gaben die Menschen für Konsumgüter aus - von reichhaltigerer Nahrung und größeren Häusern bis zu Fernsehern, Autos, Computern und Flugreisen. 2008 kauften die Menschen auf der ganzen Welt 68 Mio. Fahrzeuge, 85 Mio. Kühlschränke, 297 Mio. Computer und 1,2 Mrd. Mobiltelefone.

"Insgesamt werden heute jährlich 60 Mrd. Tonnen an Ressourcen der Erde entnommen. Das sind ungefähr 50 Prozent mehr als vor 30 Jahren. Zwischen 1950 und 2005 sind die Metallproduktion um das Sechsfache, der Ölverbrauch ums Achtfache und der Erdgasverbrauch ums Vierzehnfache gestiegen", so Erik Assadourian, einer der Direktoren des Worldwatch-Institute. Heute verbraucht jeder Europäer im Durchschnitt täglich 43 kg an Ressourcen und der Amerikaner 88 kg. Alles in allem zieht die Menschheit jeden einzelnen Tag den Gegenwert von 112 Wolkenkratzern wie das Empire State Building aus der Erde.

60 Forscher zeichnen innovative Verhaltensmuster

Derzeit übernutzt die Weltbevölkerung die natürlichen Kapazitäten der Erde um rund ein Drittel. Die Hauptverantwortung dafür liegt in den hoch industrialisierten Ländern. Nach Einschätzung der rund 60 Forscher, die am diesjährigen Bericht mitgearbeitet haben, ist ein Wandel der Konsumkultur möglich und sogar schon im Gang. Der 300-seitige Band dokumentiert neue Verhaltensmuster und Lebensstile für eine neue Kultur.

"Nach dem Unvermögen der Regierungen, sich auf eine globale Antwort auf den Klimawandel zu verständigen, kommt es umso mehr auf die aufgeklärten Bürger an", so Ralf Fücks, Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung. Jeder Einzelne könne zum Vorreiter für ein nachhaltiges Wohlstandsmodell werden und dazu beitragen, umweltfreundliche Produkte und fairen Handel zu fördern.

"Aber letztlich kann individuelles Verhalten die großen Weichenstellungen in der Energie-, Verkehrs- oder Steuerpolitik nicht ersetzen. Verantwortlicher Konsum, schärfere Standards für Industrie und Landwirtschaft sowie Lenkungsinstrumente wie die Ökosteuer gehören zusammen", so Fücks.

Bürger und Regierungen sind gefordert

"Der Staat muss die Rahmenbedingungen setzen, die es Bürgern ermöglichen, nachhaltig zu handeln. Nachhaltiges Handeln muss zum Normalfall werden, nicht-nachhaltiges Handeln hingegen teurer und reguliert", erklärt Hendrik Vygen, Mitglied im Vorstand Germanwatch. "Nicht nur mit Gesetzesinitiativen wie dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz kann der Staat wichtige Akzente setzen."

Mit einer klimafreundlich ausgerichteten öffentlichen Beschaffung könne der Staat zum Vorbild werden, Investitionsströme in Richtung nachhaltiger Produkte und Unternehmen lenken und gleichzeitig für eine deutliche Reduzierung des CO2-Haushalts sorgen, meint der Experte.

Die deutsche Ausgabe von "2010 State of the World: From Madison Avenue to Mad Max?" ist unter dem Titel "Zur Lage der Welt 2010. Einfach besser leben. Nachhaltigkeit als neuer Lebensstil" im oekom-Verlag http://www.oekom.de erschienen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.oekom.de
http://www.worldwatch.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hitzewellen im Meer bedrohen Ökosysteme
16.08.2018 | Universität Bern

nachricht Meeresmüll in entlegensten Regionen
13.08.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit

16.08.2018 | Informationstechnologie

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics