Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MAK-Wert für chlorierte Biphenyle gesenkt

20.07.2012
Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe legt MAK- und BAT-Werte-Liste 2012 mit 94 Änderungen und Neuaufnahmen vor

Chlorierte Biphenyle (PCB) sind eine der Stoffgruppen, für die die von der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vorgelegte MAK- und BAT-Werte-Liste 2012 neue, in diesem Fall deutlich geringere Grenzwerte als zuvor empfiehlt.

Insgesamt enthält die aktuelle Liste, die wie in jedem Jahr der Bundesministerin für Arbeit und Soziales übergeben wurde und die Grundlage für die Gesetzgebung zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ist, neue Daten zu insgesamt 94 Stoffen. Diesen Daten liegen jeweils eine ausführliche wissenschaftliche Begründung und transparente Entscheidungsprozesse zugrunde. Erstmals steht die MAK-BAT-Werte-Liste auch im Open Access zur Verfügung – wie seit Anfang dieses Jahres alle Publikationen der Kommission.

Dass PCB giftig und krebserregend sind, ist lange bekannt. Die bis in die 1980er-Jahre unter anderem als Hydraulikflüssigkeiten sowie in Kondensatoren und anderen elektronischen Bauteilen verwendeten Stoffe verbot die „Stockholmer Konvention“ bereits im Jahr 2001. Nun beschäftigte diese Stoffgruppe wieder die Senatskommission aufgrund von Problemen bei der Entsorgung. Sie schlägt auf Basis der aktuellen Datenlage eine drastische Absenkung des MAK-Wertes für höherchlorierte (mit mehr als vier Chloratomen versehene) Biphenyle von 0,1 auf 0,003 mg/m³ vor.
Außerdem bewertet sie die Stoffgruppe als krebserzeugend. Die Einstufung in Kanzerogenitätskategorie 4 bedeutet jedoch, dass bei Einhaltung des MAK-Wertes kein Beitrag zum Krebsrisiko des Menschen zu erwarten ist. Dasselbe gilt für die Wirkung auf Keimzellen. Für mono-, di- und trichlorierte Biphenyle konnte diesbezüglich noch kein Wert festgelegt werden. Sie bleiben weiter unter Verdacht, Krebs zu erregen. Für alle chlorierten Biphenyle gilt jedoch, dass sie während einer Schwangerschaft zu meiden sind.

MAK-Werte geben an, wie viel eines Stoffes als Gas, Dampf oder Aerosol in der Luft am Arbeitsplatz langfristig keinen Schaden verursacht. Zusätzlich führt die MAK- und BAT-Werte-Liste auf, ob Arbeitsstoffe Krebs erzeugen, Keimzellen oder in der Schwangerschaft das Kind schädigen, Haut oder Atemwege sensibilisieren oder über die Haut aufgenommen werden. Darüber hinaus weist die Liste auch die Konzentration eines Stoffes im Körper aus, der ein Mensch sein Arbeitsleben lang ausgesetzt sein kann, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen (BAT-Werte). Außerdem werden die Biologischen Leit- sowie die Arbeitsstoff-Referenz-Werte (BLW- beziehungsweise BAR-Werte) beschrieben.

Stoffe, für die entsprechende Daten zur Bewertung fehlen, erhalten keine MAK-Werte. Diese wurden aufgrund neuer Erkenntnisse 2012 beispielsweise für Kampfer und Siliciumcarbid gestrichen. Von diesen beiden Stoffen lagen Werte aus den 1950er-Jahren vor, die nun überprüft und daraufhin verworfen wurden. Auch den Stoff Aceton betrachtete die Kommission erneut. Hieraus resultierte kein geänderter MAK-Wert, aber aufgrund neuer Daten die Einschätzung, dass auch bei eingehaltenem MAK-Wert eine Gefährdung während der Schwangerschaft nicht ausgeschlossen werden kann. Doch nicht immer ergibt eine erneute Überprüfung der Werte eine Senkung: Im Falle von Tetrachlormethan bestätigte sich auch auf Basis aktueller Studien der bislang festgelegte Wert.

Die Begründungen für alle Neuaufnahmen und Änderungen in der MAK- und BAT-Werte-Liste 2012 können bis zum 31. Dezember 2012, gegebenenfalls unter Einsendung neuer Daten, wissenschaftlich kommentiert werden. Erst dann verabschiedet die Senatskommission die vorgeschlagenen Werte und ihre Begründungen endgültig. Das Erstellen der MAK- und BAT-Werte-Liste gehört zentral zum Auftrag der Politikberatung in der Satzung der DFG.

Die Veröffentlichung der MAK- und BAT-Werte-Liste 2012 ist ein weiterer Schritt in der elektronischen Bereitstellung von Forschungsdaten im Open Access. Sie ergänzt die „MAK-Collection“ der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe, die bereits Daten sowie detaillierte wissenschaftliche Begründungen zu mehr als Tausend Arbeitsstoffen für die Nutzenden kostenfrei online zur Verfügung stellt. Die Informationen stehen auf den Seiten des Vertragspartners der DFG, des Wiley-VCH Verlags, bereit. Die Webseite im Bereich der WileyOnlineLibrary ermöglicht eine umfangreiche Suche nach deutschen und englischen Substanznamen, ihren Synonymen oder CAS-Nummern. Zusätzlich zu den Internetansichten bietet die Seite druckbare pdf-Dokumente.
Weitere Informationen über die Arbeit der Senatskommission sowie eine detaillierte Liste mit allen Neuaufnahmen und Änderungen finden Sie unter:
www.dfg.de/dfg_profil/gremien/senat/gesundheitsschaedliche_arbeitsstoffe
Dort finden Sie auch die Ansprechpersonen bei der DFG und die Kontaktdaten des Kommissionssekretariates.

Informationen rund um den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz finden Sie im DFG-Magazin im Internet unter:
www.dfg.de/dfg_magazin/forschungspolitik_standpunkte_perspektiven/
gesundheitsschutz_arbeitsplatz

Hinweis für Redaktionen:
Redaktionen können bei der DFG-Geschäftsstelle ein kostenloses Rezensionsexemplar anfordern.

Ansprechperson im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Michael Hönscheid, Tel. +49 228 885-2109, Michael.Hoenscheid@dfg.de

Cornelia Lossau | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Fungizide als unterschätzte Gefahr für Organismen in Gewässern
17.09.2019 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Alpine Ökosysteme im Klimawandel: Auf den Boden kommt es an
13.09.2019 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer Cluster of Excellence auf der K 2019: Frischer Wind für die Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen

Der weltweite Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt muss gestoppt werden. Wie ein Kunststoff beschaffen sein muss, damit er kreislauffähig, schnell und rückstandlos abbaubar wird oder im besten Fall nicht in die Umwelt gelangt, ist Thema des Fraunhofer Cluster of Excellence »Circular Plastics Economy«. Auf der K 2019 präsentieren die beteiligten fünf Fraunhofer-Institute am Beispiel Kunststoff den Forschungsansatz, der Energie- und Materialströme einer Wertstoffkette in eine zirkuläre Wirtschaftsform überführen soll. Halle 7, Stand SC1.

350 Millionen Tonnen Kunststoff wurden 2017 weltweit produziert, rund 65 Millionen Tonnen davon in Europa. Kunststoff ist unverzichtbar für...

Im Focus: 'Nanochains' could increase battery capacity, cut charging time

How long the battery of your phone or computer lasts depends on how many lithium ions can be stored in the battery's negative electrode material. If the battery runs out of these ions, it can't generate an electrical current to run a device and ultimately fails.

Materials with a higher lithium ion storage capacity are either too heavy or the wrong shape to replace graphite, the electrode material currently used in...

Im Focus: Nervenzellen feuern Hirntumorzellen zum Wachstum an

Heidelberger Wissenschaftler und Ärzte beschreiben aktuell im Fachjournal „Nature“, wie Nervenzellen des Gehirns mit aggressiven Glioblastomen in Verbindung treten und so das Tumorwachstum fördern / Mechanismus der Tumor-Aktivierung liefert Ansatzpunkte für klinische Studien

Nervenzellen geben ihre Signale über Synapsen – feine Zellausläufer mit Kontaktknöpfchen, die der nächsten Nervenzelle aufliegen – untereinander weiter....

Im Focus: Stevens team closes in on 'holy grail' of room temperature quantum computing chips

Photons interact on chip-based system with unprecedented efficiency

To process information, photons must interact. However, these tiny packets of light want nothing to do with each other, each passing by without altering the...

Im Focus: Happy hour für die zeitaufgelöste Kristallographie

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD), der Universität Hamburg und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) hat eine neue Methode entwickelt, um Biomoleküle bei der Arbeit zu beobachten. Sie macht es bedeutend einfacher, enzymatische Reaktionen auszulösen, da hierzu ein Cocktail aus kleinen Flüssigkeitsmengen und Proteinkristallen angewandt wird. Ab dem Zeitpunkt des Mischens werden die Proteinstrukturen in definierten Abständen bestimmt. Mit der dadurch entstehenden Zeitraffersequenz können nun die Bewegungen der biologischen Moleküle abgebildet werden.

Die Funktionen von Biomolekülen werden nicht nur durch ihre molekularen Strukturen, sondern auch durch deren Veränderungen bestimmt. Mittels der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte internationale Konferenz zur Erforschung von Gebärdensprachen an der Universität Hamburg

23.09.2019 | Veranstaltungen

92. Neurologie-Kongress: Mehr als 6500 Neurologen in Stuttgart erwartet

20.09.2019 | Veranstaltungen

Frische Ideen zur Mobilität von morgen

20.09.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neues Analyse-Tool für Datenbankmanagementsysteme: Mowgli weist den Weg im Datenbanken-Dschungel

23.09.2019 | Informationstechnologie

Fraunhofer Cluster of Excellence auf der K 2019: Frischer Wind für die Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen

23.09.2019 | Messenachrichten

Qualitätskontrolle in der Immunkommunikation: Chaperone erkennen unfertige Signalmoleküle im Immunsystem

23.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics