Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Forschungsprojekt: Großsäugetiere in freier Wildbahn erforschen

29.03.2006


Sie galten bislang als beinahe ausgestorben in Europa. Vor kurzem nun wurden vier Wisente (ein Stier und drei Kühe) als Grundstock für eine Herde im Arenberger Eleonorenwald bei Vrees im Landkreis Emsland ausgewildert. Die Begleitforschung wird von der Arbeitsgruppe Ethologie der Universität Osnabrück unter der Leitung von apl. Prof. Dr. Heinz Düttmann und Prof. Dr. Rüdiger Schröpfer durchgeführt. Botanisch werden die Ethologen von Prof. Dr. Rainer Buchwald von der Universität Oldenburg unterstützt. "Für uns eröffnet das Projekt die Möglichkeit, an Großsäugetieren experimentell im Freiland aktuelle Fragestellungen zu bearbeiten", erklärt Düttmann.



Der Arenberger Eleonorenwald ist mit ca. 2.000 Hektar eines der größten Privatwaldgebiete West-Niedersachsens, das auf eine lange Beweidungstradition zurückblicken kann. 1909 wurde dort mit dem Bau eines Jagdgatters begonnen. Dieses Gatter war die Voraussetzung für die Wiederansiedlung des Rothirsches, dessen letzte Vorkommen im Emsland um 1800 ausgerottet worden waren. Mit dem Auswilderungsprojekt werden verschiedene Ziele verfolgt, wie Schröpfer erklärt: "Zum einen wird ein wichtiger internationaler Beitrag zum Erhalt der vom Aussterben bedrohten, größten europäischen Wildrindart geleistet. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die letzten freilebenden Wisente in Osteuropa ausgerottet. Alle heutigen Wisente gehen somit auf Nachzuchten in Zoologischen Gärten und Wildparks zurück." Mit der Auswilderung erhofft man sich darüber hinaus für den Eleonorenwald eine Offenhaltung wertvoller Sandheiden und Magerrasen mittels Beweidung durch große Pflanzenfresser.



Im Mittelpunkt der Forschung steht die Frage, welchen Einfluss spezielle Huftier-Arten von unterschiedlicher Größe und mit unterschiedlichen Ernährungsansprüchen auf die Struktur und die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften terrestrischer Ökosysteme in Mitteleuropa besitzen. "Experimentelle Untersuchungen in Ostafrika haben gezeigt, dass große Pflanzenfresser besonders die Struktur der Ökosysteme beeinflussen. Kleinere Pflanzenfresser dagegen bestimmen maßgeblich die qualitative Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaften. Beide Faktoren, Struktur und floristische Zusammensetzung, nehmen wiederum Einfluss auf die Zusammensetzung der Tiergemeinschaften", so Düttmann. Ob die genannten Befunde auch auf Mitteleuropa übertragbar sind, ist unklar. Auch die ethologischen Interaktionen zwischen den verschiedenen einheimischen Weidegängern wurden bislang wenig beachtet. Nach dem von der Arbeitsgruppe Ethologie in den letzten Jahren entwickelten Modell europäischer Säugetiergemeinschaften ergänzen sich Arten konkurrenzarm in ihren Ansprüchen, wenn sie in einer bestimmten Lebensformtypen-Kombination auftreten. Dieses könnte auch für die Wiederansiedlung der Wisente im Eleonorenwald gelten, wo sie mit Rothirschen, Damhirschen und Rehen, also in einer Wiederkäuergemeinschaft, zusammenleben sollen.

Die Auswilderung des Wisents wird von allen Beteiligten getragen: Das Land Niedersachsen unterstützt die Arenberg Meppen GmbH, als Besitzer der Waldgebietes, bei der Umsetzung des Projektes mit einer Anschubfinanzierung sowie in den Folgejahren mit Mitteln des Vertragsnaturschutzes. Auch die Gemeinde Vrees steht dem Vorhaben positiv gegenüber, da sie darin einen wichtigen Baustein für eine naturverträgliche Erholungsnutzung sieht. Erste Ergebnisse wollen die Wissenschaftler in fünf Jahren vorlegen.

Weitere Informationen:
apl. Prof. Dr. Heinz Düttmann, Universität Osnabrück,
Fachbereich Biologie/Chemie,
Barbarastr. 11, 49076 Osnabrück,
Tel. +49 541 969 2830, Fax: +49 541 969 2862,
E-Mail: heinz.duettmann@biologie.uni-osnabrueck.de

Oliver Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-osnabrueck.de/

Weitere Berichte zu: Eleonorenwald Pflanzenfresser Wisente Zusammensetzung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Klimaspatz Piaf signalisiert, ob die Luft rein ist
07.02.2019 | Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH

nachricht Wasserwiederverwendung in der Landwirtschaft: Fallstudien zeigen Machbarkeit
07.02.2019 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Grüne Spintronik: Mit Spannung Superferromagnetismus erzeugen

Ein HZB-Team hat zusammen mit internationalen Partnern an der Lichtquelle BESSY II ein neues Phänomen in Eisen-Nanokörnern auf einem ferroelektrischen Substrat beobachtet: Die magnetischen Momente der Eisenkörner richten sich superferromagnetisch aus, sobald eine elektrische Spannung anliegt. Der Effekt funktioniert bei Raumtemperatur und könnte zu neuen Materialien für IT-Bauelemente und Datenspeicher führen, die weniger Energie verbrauchen.

In heutigen Datenspeichern müssen magnetische Domänen mit Hilfe eines externen Magnetfeld umgeschaltet werden, welches durch elektrischen Strom erzeugt wird....

Im Focus: Regensburger Physiker beobachten, wie es sich Elektronen gemütlich machen

Und können dadurch mit ihrer neu entwickelten Mikroskopiemethode Orbitale einzelner Moleküle in verschiedenen Ladungszuständen abbilden. Die internationale Forschergruppe der Universität Regensburg berichtet über ihre Ergebnisse unter dem Titel “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunnelling microscopy on insulators” in der weltweit angesehenen Fachzeitschrift ,,Nature‘‘.

Sie sind die Grundbausteine der uns umgebenden Materie - Atome und Moleküle. Die Eigenschaften der Materie sind oftmals jedoch nicht durch diese Bausteine...

Im Focus: Regensburg physicists watch electron transfer in a single molecule

For the first time, an international team of scientists based in Regensburg, Germany, has recorded the orbitals of single molecules in different charge states in a novel type of microscopy. The research findings are published under the title “Mapping orbital changes upon electron transfer with tunneling microscopy on insulators” in the prestigious journal “Nature”.

The building blocks of matter surrounding us are atoms and molecules. The properties of that matter, however, are often not set by these building blocks...

Im Focus: Universität Konstanz gewinnt neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Immunsystems

Wissenschaftler der Universität Konstanz identifizieren Wettstreit zwischen menschlichem Immunsystem und bakteriellen Krankheitserregern

Zellbiologen der Universität Konstanz publizieren in der Fachzeitschrift „Current Biology“ neue Erkenntnisse über die rasante evolutionäre Anpassung des...

Im Focus: University of Konstanz gains new insights into the recent development of the human immune system

Scientists at the University of Konstanz identify fierce competition between the human immune system and bacterial pathogens

Cell biologists from the University of Konstanz shed light on a recent evolutionary process in the human immune system and publish their findings in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Thema Desinformation in Online-Medien

15.02.2019 | Veranstaltungen

FfE-Energietage 2019 - Die Energiewelt heute und morgen vom 1. bis 4. April 2019 in München

15.02.2019 | Veranstaltungen

Deutscher Fachkongress für kommunales Energiemanagement: Fokus Energie – Architektur – BauKultur

13.02.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Katalysatoren - Fluktuationen machen den Weg frei

15.02.2019 | Biowissenschaften Chemie

Berührungsgeschützt, kompakt, einfach: Rittal erweitert Board-Technologie

15.02.2019 | Energie und Elektrotechnik

Wie kann digitales Lernen gelingen? Lern-Prototypen werden auf der didacta vorgestellt

15.02.2019 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics