Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kaprun als Vorwand für Naturzerstörung

06.09.2001


Foto:
A. Baumüller/WWF - Mittelbergferner, Bereich der geplanten Talabfahrt


Foto:
J. Zmölngi/WWF-A - Bartgeier


WWF befürchtet schwere ökologische Schäden in Tiroler Gletschergebiet


Während heute die Untersuchung zum Unglück von Kaprun veröffentlicht wird, machen neue Planungen in Österreich deutlich, wie die Katastrophe als Vorwand für großflächige Naturzerstörung missbraucht werden kann. Am Pitztaler Gletscher in Tirol ist eine neue Talabfahrt geplant, die unberührte Gletscherlandschaften zerstören würde. Um sie zu bauen und den Gletscher zu erschließen, soll das Tiroler Naturschutzgesetz geändert werden, das bisher die Beeinträchtigung von Gletschergebieten verbietet. Die Gesetzesänderung dient angeblich der Sicherheit: Die neue Piste soll in Notfällen der Evakuierung aus dem Schigebiet dienen, das nur über eine Stollenseilbahn erschlossen ist. Sie ist eine von fünf Stollenseilbahnen gleicher Bauart wie in Kaprun, die es in Österreich derzeit noch gibt.

Der WWF Österreich hat nun Beweise dafür, dass die neue Piste sowohl aus Sicht des Naturschutzes als auch aus Sicherheitsgründen sehr fragwürdig ist. Das belegt eine Faktensammlung, die heute von Andreas Baumüller und Gerald Steindlegger vom WWF Österreich in Innsbruck vorgestellt wurde. "Es drängt sich die Vermutung auf, dass das schreckliche Unglück in Kaprun missbraucht wird, um den Ausbau des Gletscherschigebietes durchzusetzen und dabei geschützte, unberührte Bergwelt zu zerstören", meint Andreas Baumüller. Die Faktensammlung belegt, dass der Bau der Talabfahrt eines der letzten unberührten Gletscher- und Hochgebirgsgebiete Tirols zerstört. Hier sind sogar einst ausgestorbene Arten wie der Bartgeier wieder zu sehen. Gletscher zählen zu den letzten Refugien unberührter Natur im Alpenraum. "Die Gesetzesänderung in Tirol würde zu einer neuen Runde im Gletscher-Schigebietswahnsinn der Alpen führen. Das wäre ökologisch verheerend und ökonomisch sinnlos", so Andreas Baumüller, der als Koordinator des WWF-Alpenprogramms international für die Erhaltung der letzten Naturgebiete kämpft.

Der WWF hält das Argument, die Piste diene die Sicherheit der Schifahrer im Falle eines Unglückes wie in Kaprun, für nicht haltbar: Die Trasse führt als schwer zu befahrende, schwarze Piste durch extrem steiles, lawinen- und steinschlaggefährdetes Gelände. Mindestens zu einem Drittel der Wintersaison müsste diese Talabfahrt gesperrt werden. "Das bedeutet, dass das geplante Projekt den geforderten Sicherheitsaspekten nicht gerecht wird. Im Gegenteil, es bleibt offen, wie ungeübte Schifahrer sowie Panoramatouristen diese Talabfahrt bewältigen können", warnt Steindlegger, WWF-Experte für alpine Naturgefahren.

Die Entscheidung über das Projekt hat die Tiroler Naturschutzlandesrätin Christa Gangl. "Das Pistenprojekt bricht Tiroler Recht. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Naturschutzlandesrätin Gangl ihrer eigentlichen Aufgabe - dem Naturschutz - entgegenarbeitet und das Gesetz einfach ändert", so Baumüller. Die Entscheidung sei von alpenweiter Bedeutung und müsse auf einer höheren Ebene diskutiert werden.

Corinna Milborn, | WWF Österreich

Weitere Berichte zu: Gletscher Naturschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Rettungsplan für das Weltmeer
16.08.2019 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Geplatzte Hoffnung: Keine Chance für Umwelt-entlastende Plastik-Zersetzung durch Bakterien
07.08.2019 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: "Qutrit": Komplexe Quantenteleportation erstmals gelungen

Wissenschaftlern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien ist es gemeinsam mit chinesischen Forschern erstmals gelungen, dreidimensionale Quantenzustände zu übertragen. Höherdimensionale Teleportation könnte eine wichtige Rolle in künftigen Quantencomputern spielen.

Was bislang nur eine theoretische Möglichkeit war, haben Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien nun erstmals...

Im Focus: Laser für durchdringende Wellen: Forscherteam entwickelt neues Prinzip zur Erzeugung von Terahertz-Strahlung

Der „Landau-Niveau-Laser“ ist ein spannendes Konzept für eine ungewöhnliche Strahlungsquelle. Er hat das Zeug, höchst effizient sogenannte Terahertz-Wellen zu erzeugen, die sich zum Durchleuchten von Materialen und für die künftige Datenübertragung nutzen ließen. Bislang jedoch scheiterten nahezu alle Versuche, einen solchen Laser in die Tat umzusetzen. Auf dem Weg dorthin ist einem internationalen Forscherteam nun ein wichtiger Schritt gelungen: Im Fachmagazin Nature Photonics stellen sie ein Material vor, das Terahertz-Wellen durch das simple Anlegen eines elektrischen Stroms erzeugt. Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) waren maßgeblich an den Arbeiten beteiligt.

Ebenso wie Licht zählen Terahertz-Wellen zur elektromagnetischen Strahlung. Ihre Frequenzen liegen zwischen denen von Mikrowellen und Infrarotstrahlung. Sowohl...

Im Focus: A miniature stretchable pump for the next generation of soft robots

Soft robots have a distinct advantage over their rigid forebears: they can adapt to complex environments, handle fragile objects and interact safely with humans. Made from silicone, rubber or other stretchable polymers, they are ideal for use in rehabilitation exoskeletons and robotic clothing. Soft bio-inspired robots could one day be deployed to explore remote or dangerous environments.

Most soft robots are actuated by rigid, noisy pumps that push fluids into the machines' moving parts. Because they are connected to these bulky pumps by tubes,...

Im Focus: Crispr-Methode revolutioniert

Forschende der ETH Zürich entwickelten die bekannte Crispr/Cas-Methode weiter. Es ist nun erstmals möglich, Dutzende, wenn nicht Hunderte von Genen in einer Zelle gleichzeitig zu verändern.

Crispr/Cas ist in aller Munde. Mit dieser biotechnologischen Methode lassen sich in Zellen verhältnismässig einfach und schnell einzelne Gene präzise...

Im Focus: Wie schwingen Atome in Graphen-Nanostrukturen?

Innovative neue Technik verschiebt die Grenzen der Nanospektrometrie für Materialdesign

Um das Verhalten von modernen Materialien wie Graphen zu verstehen und für Bauelemente der Nano-, Opto- und Quantentechnologie zu optimieren, ist es...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gedanken rasen zum Erfolg: CYBATHLON BCI Series 2019

16.08.2019 | Veranstaltungen

Impfen – Kleiner Piks mit großer Wirkung

15.08.2019 | Veranstaltungen

Internationale Tagung zur Katalyseforschung in Aachen

14.08.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie synthetische Zellen schädliche Bakterien bekämpfen

19.08.2019 | Biowissenschaften Chemie

Neuartiger Ventiltrieb spart 20% Treibstoff

19.08.2019 | Energie und Elektrotechnik

Deutschlandweit einziges Chinatron an der Uni Ulm: Wegbereiter des bionischen Baumstamms

19.08.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics