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Biodiversität und Klimawandel

03.04.2008
Der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität sind die zentralen Umweltprobleme des 21. Jahrhunderts.

Um entsprechende Anpassungsstrategien zu entwickeln, sind integrierte und anwendungsbezogene Forschungsansätze notwendig, die ein breites Spektrum an Themen abdecken müssen. Diese Meinung vertraten die vortragenden Wissen-schaftler auf dem Symposium "Biodiversität und Klimawandel", das das Bundesamt für Naturschutz (BfN) am 01. April in Bonn veranstaltete.

Die BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel warnte davor, die möglichen Auswirkungen des Klimawandels zu unterschätzen und fordert auf, dringend Forschungslücken zu schließen. "Das Konzept der Erhaltung der Biodiversität beinhaltet neben dem Schutz auch die nachhaltige Nutzung. Dementsprechend sind Forschungen zum Klimawandel und zur Biodiversität als eine interdisziplinäre Aufgabe zu verstehen, die auch sozioökonomische Aspekte und die Frage nach unseren zugrunde liegenden Wertvorstellungen mit einbezieht. Eine den komplexen Problemlagen angemessene wissenschaftliche Forschung, die mit Blick auf die gesellschaftlichen Handlungserfordernisse natur- und gesellschaftswissenschaftliche Aspekte integriert, steht aber noch am Anfang", sagte die BfN-Präsidentin.

Mehr als 120 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis diskutierten auf der Grundlage aktueller Forschungsergebnisse. Ziel der Tagung war es, das breite Spektrum an vorliegenden Erkenntnissen aufzuzeigen, Anregungen für künftige wissenschaftliche Untersuchungen zu geben und die Vernetzung der Wissenschaftler untereinander zu fördern. In der Beschäftigung mit der Thematik wurde ein breites Spektrum an Forschungsansätzen deutlich, die sich mit möglichen Veränderungen der Areale von Arten und der Lebensräume, der Rolle von Ökosystemen in klimarelevanten Stoffkreisläufen, klimarelevanten Beiträgen der Landnutzung bis hin zu ethischen und ökonomischen Aspekten befassten.

Nach Modellrechnungen, die das BfN in Auftrag gegeben hat, würden sich bei einer Klimaerwärmung nicht nur die potentiell geeigneten Klimaräume für häufige Baumarten wie Buche und Kiefer deutlich verlagern, sondern auch die für seltene Arten und Arten der Roten Listen. Die "Rote-Liste-Arten" wären sogar überdurchschnittlich stark von Gebietsverlusten betroffen. Besonders sensible Regionen liegen den Modellen zufolge im Westen und im Nordosten Deutschlands. Auf solche und andere Entwicklungen wird auch der Natur- und Artenschutz reagieren und Konzepte zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels entwickeln müssen, um Schutzziele und nachhaltige Nutzung auch unter den durch den Klimawandel veränderten Bedingungen realisieren zu können. Hier besteht ebenfalls erheblicher Forschungsbedarf.

Wie sehr im Gegenzug auch die in Ökosystemen ablaufenden Vorgänge das Klima verändern und welchen Einfluss der Mensch darauf hat, untersucht gegenwärtig ein interdisziplinäres Forschungsteam am Beispiel der Moore. Hochrechnungen ergeben, dass die durch menschliche Nutzung verursachten Treibhausgasemissionen aus Mooren etwa 2,3 - 4,5% der deutschen Gesamtemissionen ausmachen. Diese Emissionen entstehen vor allem durch die Zersetzung von Torf in entwässerten Böden sowie durch die chemische Umwandlung von Stickstoffdüngern. Richtig ausgeführte Renaturierungsprojekte können deshalb zu einer deutlichen Entlastung des Klimas führen - oft sogar zu geringeren Kosten als technische Maßnahmen.

Auch auf anderen land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen kann durch Naturschutzmaßnahmen und eine angepasste Nutzung die Freisetzung von Treibhausgasen aus Böden und Vegetation vermieden werden, wie weitere vorgestellte Untersuchungsergebnisse zeigten. Es sei dabei perspektivisch wichtig, derartige Synergien zwischen Naturschutz und Klimaschutz zu befördern, sagte BfN-Präsidentin Jessel. Auf den wissenschaftlichen Ergebnissen aufbauend sollte in der öffentlichen Diskussion die Rolle stärker thematisiert werden, die der Naturschutz als Akteur im Klimaschutz spielen kann, so Prof. Beate Jessel.

In ihren Forderungen an die zukünftige Forschung waren sich die Experten und Expertinnen unter anderem einig, dass verstärkt systematische Messungen und Beobachtungen in der Natur durchgeführt werden müssen, um Veränderungen erkennen und darauf reagieren zu können. Als eindrückliches Beispiel dafür, wie wichtig diese, auf den ersten Blick oft unterschätzte Grundlagenarbeit ist, wurden die in den 50er Jahren in den USA begonnenen Messungen zum CO2-Gehalt der Atmosphäre genannt. Damals wurden die Forscher kritisiert, weil ihre Arbeit zu teuer und wenig produktiv sei. Heute gelten die Ergebnisse wegen ihrer bahnbrechenden Bedeutung für die Klimaforschung als einer der wichtigsten Datensätze der jüngeren Wissenschaftsgeschichte.

Hinweis:
Das BfN führt im Rahmenprogramm der UN-Naturschutzkonferenz den "NATURATHLON 2008 - Der Lauf der Welt" durch. Hierfür können sich internationale Freizeitsportler unter www.NATURATHLON.de bewerben. Informationen zur Konferenz erhalten Sie www.naturallianz.de.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

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