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Fischerei: Auswirkung von Schleppnetzen vernichtend

12.03.2008
"Als walze man einen Wald nieder, um die dort lebenden Rehe zu erlegen"

Die Stahlseile, die in der kommerziellen Tiefseefischerei verwendet werden, haben eine viel vernichtendere Wirkung auf die Fischbestände als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von schottischen Forschern. Dies sei auch ein Grund dafür, dass die Fischbestände in der Tiefsee vor der Küste Irlands dramatisch abnehmen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in seiner Online-Ausgabe.

David Bailey von der University of Glasgow hat gemeinsam mit John Gordon von der Scottish Association of Marine Science in Oban die aktuellen Daten einer 1979 begonnenen Studie über Schleppnetzfischerei vor der irischen Küste beim Ocean Sciences Meeting der American Geophysical Union in Orlando, Florida, präsentiert und die Fangzahlen der Perioden 1979 bis 1989 mit denen von 1997 bis 2002 verglichen. Auffällig war, dass die Schleppnetze immer tiefer eingesetzt wurden. Die Studie zeigte auf, dass die Zahl der Fische um etwa 50 Prozent abgenommen hatte.

Die Schleppnetze wurden im Porcupine Seabight südwestlich von Irland in Tiefen von wenigen hundert bis zu 4.000 Meter ausgebracht. "Das ist eine der wenigen Studien, die weg vom Kontinentalhang bis hin zur abyssischen Tiefebene (von etwa 2.000 bis 4.000 Metern Tiefe) reicht", erklärt Jeffrey Drazen, Experte für Tiefseefischerei von der University of Hawaii in Manua http://www.hawaii.edu . Drazen hatte an der Untersuchung allerdings nicht teilgenommen.

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Es ist kein Wunder, dass in Tiefen bis zu 1.500 Meter, in denen sehr viele kommerzielle Fischfangflotten agieren, die Zahl der Fische rasant abgenommen hatte. Allerdings war es auffällig, dass auch in Tiefen um 3.000 Meter die Zahl der Fische extrem gesunken ist. Das galt insbesondere für Fische wie etwa Aale, die gar nicht kommerziell befischt werden. Den Grund sieht Drazen in der Tatsache, dass viele der Tiere "ontogenetische Migratoren" sind. Das bedeutet, dass sie den Anfang ihres Lebens in seichteren Gewässern verbringen, später im geschlechtreifen Alter in größere Meerestiefen abwandern. "Wenn zu viele Jungfische in den Netzen enden, kann es sein, dass es zu keiner Migration mehr kommt", erklärt der Forscher. Ein Fisch, der in ein solches Schleppnetz kommt, ist ohnehin zum Sterben verurteilt, egal, ob er kommerziell verwertet wird oder nur als Beifang mit an die Oberfläche gezogen wird. Drazen bemerkt, dass die Wissenschaft den Migratoren bisher zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet hat - vor allem im Hinblick auf die Auswirkungen des Lebens in der Tiefsee. Das Forschungsergebnis macht deutlich, dass Schleppnetzfischerei immer weitere Areale der Tiefsee beeinträchtigt.

Auch für den Meeresbiologen Michael Stachowitsch von der Universität Wien http://www.univie.ac.at/marine-biology ist die Schleppnetzfischerei eine der schlimmsten Fischereimethoden. „Das ist in etwa so, als walze man einen Wald nieder, um die dort lebenden Rehe zu erlegen“, meint der Forscher gegenüber pressetext. Stachowitsch kritisiert zudem, dass Europäer dazu tendieren mit erhobenem Finger Missstände außerhalb des eigenen Kontinents zu kritisieren. „Dabei geschieht in europäischen Gewässern genau das gleiche: Fischereiquoten sind zu hoch und werden nicht eingehalten. Der Raubbau im Meer findet also auch hier statt.“

Umweltorganisationen kämpfen bereits seit Jahren gegen die Tiefsee-Schleppnetz-Flotten, die beschwerte Netze über den Meeresboden ziehen. Dabei werde die Tiefsee wie ein Acker umgepflügt, erklärt Antje Helms, Meeresbiologin bei Greenpeace http://www.greenpeace.at , im Gespräch mit pressetext. Abgesehen von der großen Menge an Beifang, der nicht genutzt werden kann, zerstört diese Art des Fischfangs auch den Meeresboden. Besonders gefährdet dabei sind Tiefseekorallen. Bei einem einzelnen Einsatz eines Schleppnetzes werden zwischen 95 und 98 Prozent der Korallenbedeckung ruiniert, argumentieren die Umweltschützer.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.gla.ac.uk
http://www.sams.ac.uk
http://www.agu.org

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