Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn das Smartphone zur Schuldenfalle wird

15.10.2018

Mobiles Bezahlen mit dem Handy führt zu problematischem Konsumverhalten – Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU)

Mobiles Bezahlen direkt vor Ort mit dem Smartphone, ganz ohne Bargeld oder Karten: Was in Deutschland noch kaum verbreitet ist, wird in den USA immer prominenter.


Nicht nur Banken, sondern auch Unternehmen wie Google oder Apple setzen auf die Technologie, mit der das Handy zum kontaktlosen Bezahlen genutzt werden kann – etwa indem die Kreditkarten- oder Kontodaten in einer App hinterlegt werden.

Wirtschaftswissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) haben jetzt untersucht, wie sich diese innovative und vor allem schnelle Form des Bezahlens auf das Konsumverhalten privater Haushalte auswirkt.

Frühere Studien haben gezeigt, dass das Konsumverhalten maßgeblich mit der Wahl des Zahlungsmittels und dem dabei wahrgenommenen „Schmerz beim Bezahlen“ (pain of payment) zusammenhängt. Generell gilt: Je geringer der „Schmerz“, desto höher der Konsum. Das Bezahlen mit Bargeld gilt als besonders schmerzhaft, da der zu bezahlende Betrag per Hand abgezählt werden muss und der Geld-Abfluss hautnah miterlebt wird.

Der Effekt fällt bei Kreditkarten deutlich geringer aus, auch wenn diese noch als klassisches Zahlungsmittel gelten. Anders könnte es bei Smartphones aussehen, die im Alltag allgegenwärtig sind und die daher, so die Hypothese, beim Bezahlen kaum „Schmerzen“ verursachen dürften.

Der Klärung dieser Frage hat sich nun ein Team der JLU rund um Prof. Dr. Andreas Walter und Tobias Meyll von der Professur für Finanzdienstleistungen gewidmet. Die Autoren analysierten in ihrer Studie anhand einer repräsentativen US-amerikanischen Haushaltsumfrage, wie sich die Nutzung des Smartphones für mobiles Bezahlen auf den Umgang der Konsumentinnen und Konsumenten mit ihrer Kreditkarte auswirkt.

Die Studie, die in der Zeitschrift „Finance Research Letters“ publiziert wurde, belegt einen starken Zusammenhang zwischen mobilem Bezahlen und so genanntem Kreditkarten-Fehlverhalten. Dazu zählen die zu späte Begleichung der Rechnungen, das Überziehen des Kreditrahmens und die regelmäßige Rückzahlung nur des Minimalanteils der Rechnungen. Diese Verhaltensweisen haben potenziell weitreichende Auswirkungen auf die Verschuldungssituation von Privathaushalten. Je häufiger das Handy zum Bezahlen genutzt wird, umso stärker werden die beschriebenen Effekte.

Die Ergebnisse der Studie liefern wichtige Erkenntnisse in Bezug auf potentielle negative ökonomische Konsequenzen der Nutzung von innovativen Bezahlmethoden. Ob die Ergebnisse vollständig auf Deutschland übertragbar sind, bleibt allerdings abzuwarten, da die Nutzung von Kreditkarten und mobilen Bezahlungsmethoden in Deutschland bei weitem nicht so stark verbreitet ist wie in den USA.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Andreas Walter, Professur für Finanzdienstleistungen
Justus-Liebig-Universität Gießen
E-Mail: Andreas.Walter@wirtschaft.uni-giessen.de

Tobias Meyll, M.Sc., Professur für Finanzdienstleistungen
Justus-Liebig-Universität Gießen
E-Mail: Tobias.Meyll@wirtschaft.uni-giessen.de

Originalpublikation:

Publikation
Meyll, T., Walter, A., 2018. Tapping and waving to debt: Mobile payments and credit card behavior, Finance Research Letters, doi:10.1016/j.frl.2018.06.009
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1544612318301909

Lisa Dittrich | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht STICA-Studie belegt: Spezielle Verhaltenstherapie bei Computerspiel- und Internetsucht erfolgreich
11.09.2019 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Wie wir 2030 unterwegs sind: acatech Studie skizziert Zukunftsbild der vernetzten Mobilität
11.09.2019 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Event News

International Symposium on Functional Materials for Electrolysis, Fuel Cells and Metal-Air Batteries

02.10.2019 | Event News

NEXUS 2020: Relationships Between Architecture and Mathematics

02.10.2019 | Event News

Optical Technologies: International Symposium „Future Optics“ in Hannover

19.09.2019 | Event News

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Das Rezept für eine Fruchtfliege

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics