Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verbesserte OP-Planung mittels Ultraschall bei Brustkrebs

28.02.2013
Bis zu 60 000 Frauen in Deutschland erkranken jährlich neu an Brustkrebs. Zur Therapie gehört in vielen Fällen eine Operation.
Wie eine aktuelle Studie zeigt, verbessert sich das chirurgische Ergebnis für die Patientinnen, wenn behandelnde Ärzte den Tumor mittels Ultraschall vermessen. In der Studie entfernten die Operateure ein Drittel weniger Brustgewebe als Kollegen, die sich anhand ihres Tastsinns orientierten. Zudem brauchten ihre Patientinnen seltener eine Nachbehandlung.

Über die Vorteile der „Mammasonografie“ bei Früherkennung, Therapie und Nachkontrolle von Brustkrebs informieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin bei einer Pressekonferenz am 21. März 2013 in Berlin.

Um bei einer Operation die Ausdehnung des Tumors zu erkennen, waren die Operateure lange Zeit auf ihre Sicht und auf ihren Tastsinn angewiesen. Die Abgrenzung vom gesunden Gewebe ist jedoch schwierig und es besteht die Gefahr, dass mehr Gewebe als nötig – oder zu wenig – entfernt wird. Im ersten Fall wird das Erscheinungsbild der Brust stärker beeinträchtigt als notwendig, was für die Betroffenen eine zusätzliche psychische Belastung darstellen kann. Im zweiten Fall wird eine weitere Operation notwendig, wenn in der feingeweblichen Untersuchung unter dem Mikroskop Krebszellen am Schnittrand gefunden werden. Besonders schwierig ist die Situation bei Brustkrebs.

Der Operateur strebt heute an, die Brust zu erhalten, erklärt Professor Dr. med. Dr. h. c. Friedrich Degenhardt, Leiter des Arbeitskreises Mammasonografie der DEGUM: „Der Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe wird deshalb leitliniengerecht gering gehalten“, so der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Franziskus Hospital in Bielefeld. Mithilfe des Ultraschalls kann der Operateur genauer als bisher sehen, wo sich der Tumor befindet und wo die Grenzen zum gesunden Gewebe sind.

„Die Ultraschalltechnik ist dem Tastsinn prinzipiell überlegen“, ist Degenhardt überzeugt. Sie ermögliche eine gezieltere Schnittführung. Gegenüber der Röntgentechnik biete der Ultraschall den Vorteil, die Patientin nicht durch Strahlung zu belasten. Die Untersuchung kann auch im Verlauf der Operation ausgeführt werden.

An sechs Kliniken in den Niederlanden prüften Wissenschaftler der Universität Amsterdam jetzt, ob der Einsatz von Ultraschallgeräten die Ergebnisse bei Brust erhaltenden Krebsoperationen verbessern kann. Bei der Hälfte der Frauen haben sich die Operateure bei der Schnittführung an Ultraschallbildern orientiert. Bei den anderen waren sie allein auf ihren Tastsinn angewiesen.

Die jetzt im Fachmagazin „Lancet Oncology“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Mit Unterstützung von Ultraschall entfernten sie statt durchschnittlich 57 nur 38 Kubikzentimeter, also rund ein Drittel weniger Gewebe. Für die Frauen stieg damit die Chance auf ein optisch befriedigendes Ergebnis der Operation. Gleichzeitig mussten die Operateure seltener nachoperieren und weniger Frauen benötigten nach der Operation eine Bestrahlung, um die im Körper möglicherweise verbliebenen Krebszellen abzutöten.

Auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin am 21. März 2013 in Berlin erklären Experten der Fachgesellschaft unter anderem, warum es sinnvoll sein kann, das Mammografiescreening durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen der Brust zu ergänzen.

Literatur:
Intraoperative ultrasound guidance for palpable breast cancer excision (COBALT trial): a multicentre, randomised controlled trial
Krekel NM, Haloua MH, Lopes Cardozo AM, de Wit RH, Bosch AM, de Widt-Levert LM, Muller S, van der Veen H, Bergers E, de Lange de Klerk ES, Meijer S, van den Tol MP; Lancet Oncology 2013; 14: 48–54

Im Internet:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
http://www.degum.de
Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
Kann Ultraschall die Brustkrebsdiagnostik verbessern?
Mammasonografie eine effektive Alternative

Termin: Donnerstag, den 21. März 2013, 11.30 bis 12.30 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 1
Anschrift: Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin

Vorläufiges Programm:
(Änderungen vorbehalten)
„Intervallkarzinome“ beim Mammografiescreening: Wie kann Ultraschall die Brustkrebsfrüherkennung verbessern?
Professor Dr. med. Alexander Mundinger, Chefarzt, Klinik für Radiologie,
Marienhospital Osnabrück

Vom Farb-Doppler- bis zum 3 D-Ultraschall: Neueste ultraschallmedizinische Verfahren und Techniken zur Beurteilung von Brustkrebs
Professor Dr. med. Jens-Uwe Blohmer, Chefarzt, Abteilung Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Leiter Brustzentrum City, Sankt Gertrauden-Krankenhaus, Berlin

Welche Tumoren erkennt die Mammasonografie besonders gut, wo muss sie sich mit anderen Verfahren ergänzen?
Dr. med. Volker Duda, Oberarzt und Leiter des Arbeitsbereichs „Senologische Diagnostik“ an der Klinik für Gynäkologie, gynäkologische Endokrinologie und Onkologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg

Qualifizierte Ärzte und hochwertige Ultraschallgeräte für die Brustkrebsdiagnostik – woran erkennen Patientinnen die geeignete Praxis?
Professor Dr. med. Dr. h. c. Friedrich Degenhardt, Leiter des Arbeitskreises Mammasonografie der DEGUM, Chefarzt, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Franziskus Hospital, Bielefeld, und Leiter des Brustzentrums Bielefeld-Herford

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-642 / -552
Fax: 0711 8931-984
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.degum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics