Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schutzwirkung des „guten“ Cholesterins überschätzt?

25.10.2013
Studie gibt Hinweis: Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen abhängig von der Vorerkrankung

Neben Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, Bewegungsmangel und Übergewicht sind auch erhöhte Blutfette Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zwar ist das zu den Blutfetten zählende Cholesterin ein lebenswichtiges Molekül, das in allen Geweben des Körpers vorkommt: als Bestandteil der Zellmembran, Energielieferant und Ausgangsstoff für viele wichtige Verbindungen wie Steroidhormone, Gallensäuren oder von Vitamin D. Ein Zuviel an Cholesterin kann aber in den Gefäßwänden abgelagert werden: Folgen sind Arterienverkalkung und Herzinfarkte.

In der Medizin wird zwischen dem „guten“ HDL-Cholesterin (high density lipoprotein) und dem „bösen“ LDL-Cholesterin (low density lipoprotein) unterschieden. Während kein Zweifel daran besteht, dass hohe Werte des LDL-Cholesterins Herzinfarkte und Gefäßerkrankungen verursachen, ist der Umkehrschluss, dass hohe Werte des HDL-Cholesterin vor diesen Erkrankungen schützen, aufgrund neuer Forschungsergebnisse zumindest zu relativieren.

Wissenschaftler aus Mannheim, Heidelberg, Hamburg und Bern haben nämlich festgestellt, dass die Schutzwirkung der HDL offenbar nachlässt, wenn bereits eine ausgedehnte Koronarkrankheit vorliegt. Sie untersuchten den Zusammenhang zwischen HDL-Cholesterin und Todesfällen im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den über 3.000 Teilnehmern der LURIC-Studie (Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health), die von Professor Dr. Winfried März und Dr. Marcus Kleber vom „Mannheimer Institut für Public Health“ (MIPH) der Medizinischen Fakultät Mannheim geleitet wird.

Lipoproteine binden das Cholesterin und sorgen für dessen Transport im Blut. Lipoproteine geringer Dichte (LDL) transportieren Cholesterin aus der Leber in die Körperzellen, Lipoproteine hoher Dichte (HDL) können Cholesterin aus krankhaft veränderten Gefäßen mobilisieren und überschüssiges Cholesterin aus den Zellen und dem Blut in die Leber zurückbringen. Neue Forschungsergebnisse weisen außerdem darauf hin, dass sie auch entzündungshemmend und gefäßerweiternd wirken.

Europaweit sind sich die Experten einig, dass das LDL-Cholesterin eine Konzentration von 115 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) nicht überschreiten sollte. Für Patienten, die ein zusätzliches Risiko haben, beispielsweise Diabetiker oder Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, wird ein LDL-Cholesterin von maximal 100 mg/dl, für Patienten mit sehr hohem Risiko (Koronarpatienten) sogar ein LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl empfohlen. Für HDL-Cholesterin fordern die Experten eine Konzentration von mehr als 40 mg/dl.

Auf der Basis der LURIC-Studie machten die Wissenschaftler folgende Entdeckung: Bei Personen ohne nachweisbare koronare Herzkrankheit und hohem HDL-Cholesterin (über 42 mg/dl) ist die Sterberate über den Beobachtungszeitraum von etwa zehn Jahren um 63 Prozent niedriger als bei niedrigem HDL-Cholesterin (kleiner 34 mg/dl). Bei Patienten mit chronischer oder akuter Koronarkrankheit waren die Sterberaten jedoch nur um 19 bzw. 9 Prozent niedriger, wenn Patienten mit hohem HDL-Cholesterin mit solchen mit niedrigen Werten verglichen wurden.

Diese Ergebnisse wurden in zwei weiteren Studien (ESTHER-Studie; Studienleiter Prof. Hermann Brenner, Heidelberg, und AtheroGene-Studie; Studienleiter Prof. Stefan Blankenberg, Hamburg) sowie in einer gemeinsamen Auswertung aller drei Studien bestätigt.

„Unsere Arbeit zeigt erstmals, dass bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit das HDL-Cholesterin anders zu bewerten ist als bei noch nicht Erkrankten“, so der Erstautor der im European Heart Journal veröffentlichten Studie, Dr. Günther Silbernagel, Bern. „Bereits erkrankten Menschen kann es deutlich weniger Schutz bieten als gesunden.“

„Umso wichtiger ist es, durch gesunde Lebensführung und körperliche Aktivität es gar nicht erst zum Auftreten einer koronaren Herzerkrankung kommen zu lassen“, warnt der Stoffwechselforscher Professor Dr. Winfried März. „Sind die Gefäße erst einmal in Mitleidenschaft gezogen, so kann ein hohes HDL offenbar nichts mehr ausrichten“.

Publikation:
High-density lipoprotein cholesterol, coronary artery disease, and cardiovascularmortality
Guenther Silbernagel et.al.
European Heart Journal
doi:10.1093/eurheartj/eht343
LURIC-Studie:
In die LURIC-Studie wurden mehr als 3.500 Personen eingeschlossen, die sich im Zeitraum von 1997 bis 2000 am Herzzentrum Ludwigshafen einer Herzkatheter-Untersuchung unterzogen und die langfristig nachbeobachtet werden. Die LURIC Studie resultierte in einer der ersten deutschen Biobanken, die sich der Aufgabe widmet, unbekannte klinische, biochemische und genetische Risikofaktoren für Herzerkrankungen ausfindig zu machen – und damit die Grundlage für eine wirksame Vorbeugung zu legen. Die Ergebnisse sind bislang in mehr als 160 wissenschaftliche Veröffentlichungen eingegangen.

Dr. Eva Maria Wellnitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.umm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen
19.07.2018 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Neue internationale Studie: Immuntherapie für Kinder mit akuter Leukämie
13.07.2018 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics